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18.02.2017

13:42 Uhr

AfD

Höcke entschuldigt sich für Dresden-Rede

Er habe eine „falsche Tonlage“ gewählt und ein „wichtiges Thema“ in einer „Bierzeltrede vergeigt“: Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke hat sich für eine umstrittene Rede entschuldigt. Die AfD verlassen will er nicht.

Der Thüringer AfD-Landeschef hat sich für die „Tonlage“ seiner Rede zur Erinnerungskultur in Dresden entschuldigt. dpa

Björn Höcke

Der Thüringer AfD-Landeschef hat sich für die „Tonlage“ seiner Rede zur Erinnerungskultur in Dresden entschuldigt.

ArnstadtThüringens vom Parteiausschluss bedrohter AfD-Landeschef Björn Höcke hat die Parteibasis für seine umstrittene Rede zur deutschen Erinnerungskultur um Entschuldigung gebeten. „Ich habe ein großes, ein wichtiges Thema leider in einer Bierzeltrede vergeigt“, sagte Höcke am Samstag auf einem Thüringer Landesparteitag in Arnstadt. Er sei in eine falsche Tonlage gefallen, habe Interpretationsspielräume zugelassen. „Das war ein Fehler. Dafür möchte ich mich hier entschuldigen.“

Der 44-Jährige, der als Rechtsaußen in der AfD gilt, bekräftigte zugleich, er habe nicht gegen das Parteistatut verstoßen. Unter dem Beifall der Delegierten und Höcke-Rufen sagte er: „Ich verspreche euch, ich habe nicht vor, die AfD zu verlassen.“

Björn Höcke im Kurzporträt

Enfant Terrible der AfD

Björn Höcke gilt als Enfant terrible der AfD. Mit markigen Sprüchen und historischen Anspielungen versucht der 44-Jährige, die Partei immer weiter nach rechts zu schieben. Immer wieder sorgt er dabei für breite Empörung und erntet selbst in Teilen der eigenen Partei Kritik – etwa mit Kommentaren über den „lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp“ Ende 2015 und über das Holocaust-Mahnmal in Berlin im Januar. Auch wenn er sich bei öffentlichen Auftritten gerne emotional zeigt - diejenigen, die ihn besser kennen, sagen, Höcke wisse stets genau, was er tue. Er sei sehr kontrolliert und überlasse nichts dem Zufall.

Prägende Kindheit

Fragt man Höcke, was ihn geprägt habe, spricht er von seiner Kindheit in einem Dorf im Westerwald und davon, dass seine Großeltern Vertriebene waren aus Ostpreußen. Höcke studierte nach seinem Wehrdienst erst Jura, dann Sport und Geschichte. Er will, dass die Deutschen mehr Nationalstolz zeigen.

Beurlaubter Beamter

Als sich Höcke 2013 der neu gegründeten AfD anschloss, war er noch Gymnasiallehrer – 2014 ließ sich der Beamte beurlauben. Bei der Thüringer Landtagswahl im September des Jahres holte die AfD unter ihm 10,6 Prozent. Höcke wurde Fraktionsvorsitzender.

Kritik aus der AfD

Trotzdem organisierte er weiter Demonstrationen und beharrte darauf, die AfD müsse eine „Bewegungspartei“ bleiben. Seine umstrittensten Äußerungen sorgten auch in der AfD für Kritik, wiederholt wurden Ordnungsmaßnahmen gegen ihn beschlossen – doch vor einem Parteiausschluss machte der AfD-Vorstand stets halt. Zu seinen schärfsten Kritikern im Parteivorstand zählen Parteichefin Frauke Petry, Alice Weidel und Dirk Driesang.

Traditionelles Familienbild

Höcke befürwortet ein traditionelles Familienbild. Er lebt mit Frau und vier Kindern im Thüringer Eichsfeld.

Der Bundesvorstand hatte am vergangenen Montag ein Parteiausschlussverfahren gegen Höcke beschlossen und damit auf dessen Rede in Dresden reagiert. Der Thüringer AfD-Politiker hatte unter anderem eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert. Er beklagte, die positiven Elemente der deutschen Historie würden im Vergleich zu den Gräueltaten der Nazi-Zeit nicht genügend beachtet.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Unbekannt

20.02.2017, 12:50 Uhr

Herr Höcke hat wohl die letzten Wahlumfragen gelesen und sich kräftig erschrocken.

Bleiben Sie nur in der AFD, etwas besseres kann unserem Land nicht passieren.

Unbekannt

23.02.2017, 10:28 Uhr

Lieber Herr Höcke,

bitte halten Sie noch einige so vom deutschen Geiste durchdrungene Reden wie in Dresden.

Die 5-Prozent-Hürde ist schon in Sichtweite.

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