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30.05.2015

16:39 Uhr

AfD in Hessen

Lucke-Gegner auf dem Durchmarsch

Die Alternative für Deutschland kämpft gerade mit mehreren Baustellen – auf Landes- und Bundesebene. Die hessische AfD hat jetzt zwar einen neuen Vorstand, bleibt aber gespalten. Das könnte ein Zeichen sein.

Mit dem „Weckruf“ versucht Lucke, den liberalen Flügel der Partei zu organisieren und seine Gegenspielerin Frauke Petry zurückzudrängen. dpa

Der „Weckruf 2015“

Mit dem „Weckruf“ versucht Lucke, den liberalen Flügel der Partei zu organisieren und seine Gegenspielerin Frauke Petry zurückzudrängen.

HofheimBei Vorstandswahlen der hessischen Alternative für Deutschland (AfD) haben Gegner von Bundessprecher Bernd Lucke einen Durchmarsch hingelegt. Alle drei Sprecherämter gingen beim Landesparteitag am Samstag in Hofheim am Taunus an Kritiker des als wirtschaftsliberal geltenden Parteichefs.

Zwei Wochen vor dem Bundesparteitag der zerrissenen Partei erhielten die Lucke-Gegner zudem Unterstützung vom brandenburgischen Parteichef Alexander Gauland. „Wir brauchen den liberalen Flügel, aber ohne Bernd Lucke“, sagte der Bundesvize in Hofheim. Die eurokritische Partei stehe kurz vor dem Abgrund, eine Spaltung drohe. „Ich bin völlig gegen den „Weckruf““, erklärte Gauland unter dem Applaus der Mehrheit der 350 Delegierten.

Mit dem „Weckruf“ versucht Lucke, den liberalen Flügel der Partei zu organisieren und seine Gegenspielerin Frauke Petry zurückzudrängen. Sie zählt wie Gauland zum nationalkonservativen Flügel der AfD. Der Machtkampf soll am 13. Juni bei einem Bundesparteitag in Kassel entschieden werden.

Wer hält bei der AfD die Fäden in der Hand?

Bernd Lucke

Parteigründer Bernd Lucke (52) ist der mächtigste Mann in der AfD. Mit der bisher eher basisdemokratischen Führungsstruktur tut sich das ehemalige CDU-Mitglied schwer. Gerne würde er deutschnationale Kräfte und Mitglieder, die radikale Systemkritik wollen, loswerden. Lucke ist gläubiger Christ. Mit der provinziellen Deutschtümelei einiger AfD-Mitglieder kann er nichts anfangen.

Frauke Petry

Frauke Petry (39) stand als Co-Vorsitzende im Bundesvorstand anfangs im Schatten von Lucke. Seitdem die AfD 2014 mit 9,7 Prozent in den sächsischen Landtag eingezogen ist, hat sie an Profil gewonnen. Petry ist Politikneuling. Sie setzt sich im Landtag und auch in der eigenen Partei für mehr Basisdemokratie ein. Die Chemikerin wird dem rechten Flügel zugeordnet. Im Vergleich zu den Forderungen anderer Vertreter dieses Flügels sind ihre Positionen aber eher moderat. Petry ist mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet und hat vier Kinder.

Alexander Gauland

Alexander Gauland (74) gehört dem AfD-Bundesvorstand als Stellvertreter an. Sein Landesverband hatte im vergangenen Jahr mit 12,2 Prozent das bislang beste Landtagswahl-Ergebnis für die Partei eingefahren. Gauland ist ehemaliges CDU-Mitglied. Von 1987 bis 1991 leitete er die hessische Staatskanzlei. Gaulands Schwerpunkt ist die Asylthematik. Er will die AfD zu einer Partei machen, die sich vor allem den Sorgen der „kleinen Leute“ widmet.

Konrad Adam

Konrad Adam (73) ist ein konservativer Publizist. Er arbeitete unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Welt“. Lucke schätzt Adams rhetorische Fähigkeiten, reibt sich aber häufig an seinen Positionen, vor allem beim Thema Einwanderungspolitik. Adam gehört dem rechten Flügel an. Radikale Kräfte will er in er AfD nicht haben.

Björn Höcke

Björn Höcke (43) ist Wortführer einer Gruppe von rechten AfD-Mitgliedern, die sich eine Anti-Mainstream-Politik wünschen. Der Lehrer für Sport und Geschichte ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Im März veröffentlichte er die „Erfurter Resolution“. Darin heißt es, viele Mitglieder wünschten sich die AfD als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“. Nachdem Höcke vor einigen Tagen erklärt hatte, nicht alle NPD-Mitglieder seien extremistisch, forderte ihn Lucke zum Austritt aus der AfD auf.

Luckes Unterstützer im hessischen Landesverband erlitten ihre erste Niederlage, als der Parteitag knapp mit 170 zu 169 Stimmen beschloss, bei drei gleichberechtigten Vorstandssprechern zu bleiben. Einige „Weckruf“-Unterzeichner verließen unter Protest den Parteitag. Sie hatten gehofft, ihren Vertreter Hadi Riedel als einzigen Sprecher durchzusetzen.

Bei der Vorstandswahl erzielte der frühere Frankfurter CDU-Kämmerer Albrecht Glaser das beste Ergebnis. Der Bad Homburger Rechtsanwalt Peter Münch kehrte in den Vorstand zurück, nachdem ihn das Schiedsgericht der Partei erst im März dieses Amtes enthoben hatte. Grund waren angeblich inkorrekte Angaben über seine Mitgliedschaft bei den Republikanern. Dritter Landessprecher wurde Rolf Kahnt, AfD-Kreisvorsitzender der Bergstraße. Kahnt nannte in seiner Bewerbung Luckes Verhalten parteispalterisch.

Von

dpa

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