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29.03.2016

14:59 Uhr

AfD-Krach

Petrys Welt

VonDietmar Neuerer

Bei Frauke Petry bekommt der AfD-Slogan „Mut zur Wahrheit“ eine ganz eigene Bedeutung, wenn Interviews nicht in ihrem Sinne laufen. Und das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit in der Welt der AfD-Bundesvorsitzenden.

Die Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD): Von einem Tabubruch zum nächsten. AP

Frauke Petry

Die Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD): Von einem Tabubruch zum nächsten.

BerlinAm 13. März war die Welt von AfD-Chefin Frauke Petry noch schwer in Ordnung. An diesem Tag zog ihre Partei mit zweistelligen Ergebnissen in drei weitere Landtage ein. Nun sitzen AfD-Abgeordnete in immerhin schon acht Parlamenten. Wenn das kein Grund zum Feiern ist für Petry & Co. Am Wahlabend schon.

Als die ersten Hochrechnungen aus Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg über die Bildschirme flimmerten, brandete großer Jubel auf der Wahlparty in Berlin auf. Petry strahlte in die Kameras der Foto-Reporter, links neben ihr stand ihre Stellvertreterin Beatrix von Storch, die brav mitlächelte. Wenige Tage später, so scheint es, ist nicht mehr viel übrig von der Feierstimmung.

Negativ-Schlagzeilen haben die AfD wieder eingeholt. Und diesmal geht es nicht etwa um den bekannten Rechtsausleger Björn Höcke aus Thüringen. Im Mittelpunkt steht diesmal die Parteichefin selbst. „Frauke Petry droht an sich selbst zu scheitern“, titelt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ), „Zwischen Kopfschütteln und Fremdschämen“, schreibt die Online-Ausgabe der Zeit“, „Will die AfD Petry abschieben?“, fragt die „Bild am Sonntag“.

Die Gesichter der AfD

Frauke Petry

Geboren in Dresden, promovierte Chemikerin und Unternehmerin, Bundesvorsitzende der AfD. Mutter von vier Kindern, verheiratet mit dem AfD-Landeschef von Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell. Petry gilt als pragmatisch und ehrgeizig. Auch wenn sie verbal gerne Gas gibt – inhaltlich steht Petry eher in der Mitte der Partei.

Björn Hocke und Alexander Gauland

Björn Höcke, Chef der Thüringen-AfD, und Alexander Gauland, Brandenburger AfD-Chef und Bundesparteivize, haben einst gemeinsam „Fünf Grundsätze für Deutschland“ veröffentlicht. Darin wettern sie gegen die „multikulturelle Gesellschaft“ und behaupten, „die politische Korrektheit liegt wie Mehltau auf unserem Land“.

Jörg Meuthen

Meuthen ist geboren in Essen, promovierter Volkswirt, seit 1996 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Kehl (Baden-Württemberg), Co-Bundesvorsitzender der AfD, Fraktionschef seiner Partei im Landtagswahl von Baden-Württemberg; verheiratet, fünf Kinder. Meuthen gehört zu den wenigen prominenten Vertretern des liberalen Flügels, die nach dem Abgang von Bernd Lucke in der AfD geblieben sind.

Beatrix von Storch

Sie ist geboren in Lübeck, Jurastudium in Heidelberg und Lausanne (Schweiz), Rechtsanwältin, stellvertretende Bundesvorsitzende und AfD-Landesvorsitzende in Berlin, seit 2014 im EU-Parlament, verheiratet. Gilt als ultrakonservativ.

Marcus Pretzell

Marcus Pretzell (42) ist geboren in Rinteln (Niedersachsen), Jurastudium in Heidelberg, Rechtsanwalt und Projektentwickler, seit 2014 Vorsitzender der AfD in Nordrhein-Westfalen, Vater von vier Kindern, verheiratet mit Frauke Petry. Der Europaabgeordnete hat die AfD als „Pegida-Partei“ bezeichnet. Parteifreunde rechnen ihn aber nicht zum rechtsnationalen Flügel.

Hintergrund für die schlechte Presse ist offenbar, dass sich einiges getan hat in der Welt von Frauke Petry, etwa dass sie sich mit ihrem Pressesprecher überworfen hat, während der Rest des Parteivorstands keinen Grund sieht, die Zusammenarbeit mit ihm zu beenden. Oder dass sie Politisches mit Privatem verknüpft und dies öffentlichkeitswirksam auf einer Bühne tut, mit der manche ihrer Parteifreunde nicht viel anfangen können:

Petry posiert in der neuen Ausgabe des People-Magazins „Bunte“ mit ihrem Lebensgefährten Marcus Pretzell, dem Chef der NRW-AfD. Beide sprechen in dem Interview, das vor dem Wahltriumph der rechtspopulistischen Partei geführt wurde, ungewöhnlich offen über ihre Liebe in der Politik.

„Zwischen Fremdschämen und Kopfschütteln“ seien die Reaktionen gewesen, zitiert die Wochenzeitung „Zeit“ einen aus dem Kreis der AfD-Führung, der an eine ähnliche Geschichte von Verteidigungsminister Rudolf Scharping erinnerte. Der SPD-Politiker hatte sich auf Mallorca mit seiner neuen Lebensgefährtin, garniert mit Kuschel-Swimming-Pool-Fotos,  von der „Bunten“ interviewen lassen, während den Bundeswehrsoldaten ein Auslandseinsatz bevorstand.

Petry bewundert in dem Interview die „männliche Stärke“ ihres neuen Lebenspartners und Pretzell tut kund, das „dämonenhaft Schöne“ an ihr zu schätzen. Nebenbei, so scheint es, begleicht Petry dann noch zwei offene Rechnungen– mit von Storch und ihrem zweiten Stellvertreter Alexander Gauland, was, wie die „Zeit“ schreibt, „die AfD-interne Maxime verletzt, Vorstandskollegen nicht öffentlich vorzuführen“.

Kommentare (87)

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Herr Helmut Weinberg

29.03.2016, 15:08 Uhr

 
Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

29.03.2016, 15:10 Uhr

Die Kopfhaltung ist schwer zu übertreffen.

Herr Helmut Weinberg

29.03.2016, 15:17 Uhr

"1989 blendete Erich Honecker die Wirklichkeit aus. Auch damals gab es Flüchtlingsströme, die DDR-Führung war restlos isoliert. Ob Merkel zuweilen daran denkt?

Wie sich die Ereignisse von 1989 und 2016 gleichen: In Ostberlin eine international total isolierte Führung und eine Opposition, die die Bälle aus Moskau, Warschau und Budapest zugespielt bekommt.

Zu Honecker hielten 1989 nur noch Gustáv Husák, Kim Il-sung, Nicolae Ceausescu – und die westdeutsche SPD! In Moskau wurde seit 1986 Perestroika betrieben, Kurt Hager vom SED-Politbüro hielt dagegen einen Tapetenwechsel nicht für erforderlich.

Heute sind die letzten „zuverlässigen“ internationalen Verbündeten der Kanzlerin der luxemburgische EU-Funktionär Jean-Claude Juncker, der Türkenpräsident Recep Tayyip Erdogan und der griechische Kommunist Alexis Tsipras. Perfekter kann Isolation nicht gehen. ..." http://www.geolitico.de/2016/03/04/merkel-in-der-honecker-falle/

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