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04.06.2015

12:14 Uhr

AfD-Krise

Lucke-Flügel startet Angriff auf die Nationalkonservativen

VonDietmar Neuerer

Nach dem Parteitags-Chaos bricht in der AfD neuer Streit los. Der wirtschaftsliberale Flügel macht massiv Front gegen die Nationalkonservativen in der Partei. Damit soll die Zahl der Lucke-Unterstützer vergrößert werden.

Will die AfD auch in Zukunft anführen: Parteichef Bernd Lucke. dpa

Bernd Lucke.

Will die AfD auch in Zukunft anführen: Parteichef Bernd Lucke.

BerlinVor dem in wenigen Wochen geplanten entscheidenden Bundesparteitag startet der wirtschaftsliberale Flügel um den Chef der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, eine Kampagne gegen dessen Rivalin im Kampf um die künftige Parteiführung, Frauke Petry. „Wir werden eine Bewertung der uns bekannten Bewerber und mit Sicherheit auch eine Empfehlung abgeben, nachdem Frauke Petry eine Einigung verweigert“, sagte die Vorsitzende von Luckes Verein „Weckruf 2015“, Ulrike Trebesius, dem Handelsblatt.

„Inhaltlich werden wir deutlich machen, wen wir für geeignet halten und wen nicht“, fügte die Europaabgeordnete hinzu. „Mit Sicherheit werden wir unsere bisherige vornehme Zurückhaltung ablegen und nicht weiter tatenlos zusehen, wie Herr Gauland, Frau Petry und Herr Pretzell und andere versuchen, Bernd Lucke zu beschädigen.“

Lucke erklärte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, er habe den Vorschlag der AfD-Landesvorstände unterstützt, gemeinsam mit Petry abzutreten, um Platz für eine neue Spitze zu machen. Petry habe dies abgelehnt. Damit sei die Idee vom Tisch.

Bei dem für Mitte Juni geplanten und dann wegen juristischer Bedenken abgesagten Parteitag in Kassel sollte die Parteiführung von derzeit drei Vorsitzenden auf einen verkleinert werden – nach einer bis Dezember befristeten Doppelspitze. Lucke hat seine Kandidatur angekündigt und die Vorstandswahl zu einer Richtungsentscheidung erklärt. Damit ist eine Machtprobe zwischen Lucke und seiner Gegenspielerin Petry vorprogrammiert.

Wer hält bei der AfD die Fäden in der Hand?

Bernd Lucke

Parteigründer Bernd Lucke (52) ist der mächtigste Mann in der AfD. Mit der bisher eher basisdemokratischen Führungsstruktur tut sich das ehemalige CDU-Mitglied schwer. Gerne würde er deutschnationale Kräfte und Mitglieder, die radikale Systemkritik wollen, loswerden. Lucke ist gläubiger Christ. Mit der provinziellen Deutschtümelei einiger AfD-Mitglieder kann er nichts anfangen.

Frauke Petry

Frauke Petry (39) stand als Co-Vorsitzende im Bundesvorstand anfangs im Schatten von Lucke. Seitdem die AfD 2014 mit 9,7 Prozent in den sächsischen Landtag eingezogen ist, hat sie an Profil gewonnen. Petry ist Politikneuling. Sie setzt sich im Landtag und auch in der eigenen Partei für mehr Basisdemokratie ein. Die Chemikerin wird dem rechten Flügel zugeordnet. Im Vergleich zu den Forderungen anderer Vertreter dieses Flügels sind ihre Positionen aber eher moderat. Petry ist mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet und hat vier Kinder.

Alexander Gauland

Alexander Gauland (74) gehört dem AfD-Bundesvorstand als Stellvertreter an. Sein Landesverband hatte im vergangenen Jahr mit 12,2 Prozent das bislang beste Landtagswahl-Ergebnis für die Partei eingefahren. Gauland ist ehemaliges CDU-Mitglied. Von 1987 bis 1991 leitete er die hessische Staatskanzlei. Gaulands Schwerpunkt ist die Asylthematik. Er will die AfD zu einer Partei machen, die sich vor allem den Sorgen der „kleinen Leute“ widmet.

Konrad Adam

Konrad Adam (73) ist ein konservativer Publizist. Er arbeitete unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Welt“. Lucke schätzt Adams rhetorische Fähigkeiten, reibt sich aber häufig an seinen Positionen, vor allem beim Thema Einwanderungspolitik. Adam gehört dem rechten Flügel an. Radikale Kräfte will er in er AfD nicht haben.

Björn Höcke

Björn Höcke (43) ist Wortführer einer Gruppe von rechten AfD-Mitgliedern, die sich eine Anti-Mainstream-Politik wünschen. Der Lehrer für Sport und Geschichte ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Im März veröffentlichte er die „Erfurter Resolution“. Darin heißt es, viele Mitglieder wünschten sich die AfD als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“. Nachdem Höcke vor einigen Tagen erklärt hatte, nicht alle NPD-Mitglieder seien extremistisch, forderte ihn Lucke zum Austritt aus der AfD auf.

Sie gehe derzeit davon aus, dass Petry beim Parteitag gegen Lucke antreten werde, sagte Trebesius. Grundsätzlich kämen für Führungsposten alle Kandidaten in Frage, „die kompetent sind, genügend Zeit mitbringen und sich zu den bestehenden Leitlinien der AfD bekennen“, betonte sie. Eine Wahlempfehlung für Kandidaten, die derzeit alles tun, um die Partei „verantwortungslos an die Wand zu fahren“, könne sie sich aber nicht vorstellen.

Neben der sächsischen Landes- und Fraktionschefin Petry werden auch die Landeschefs Alexander Gauland (Brandenburg) und Marcus Pretzell (Nordrhein-Westfalen) dem nationalkonservativen Parteiflügel zugerechnet. Um diese Gruppe zu isolieren hatte Lucke und weitere Vertreter des liberal-konservativen Flügels kürzlich den Verein „Weckruf 2015“ gegründet. Dem Vernehmen nach schlossen sich der Initiative inzwischen rund 3.200 der insgesamt rund 21.000 Parteimitglieder an.

Kommentare (22)

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Herr erich esopherah

04.06.2015, 12:04 Uhr

Was der liberale Flügel und die Lucke Anhänger einfach nicht verstehen wollen ist, dass jeder neue Angriff, der nicht Ausnahmslos mit Argumenten geführt wird, ins Gegenteil umschlägt.
Die Reaktionen auf den Weckruf hätten es jedem deutlich machen müssen, der nicht nur seiner Ideologie anhängt. Die Wertekonservativen sind da und wollen einen gemeinsamen Weg, die Liberalen verweigern sogar die Anerkennung, dass es einen Flügel gibt. Man Ignoriert den Flügel, es kommen keine Argumente, Dialog wird verweigert, Einigung ist nicht in Sicht. Das sehen alle Helfer, alle Mitglieder, alle Wähler nur die Führung nicht. Jede nicht versöhnliche Aktion, kostet den liberalen (FDP liberal) Flügel massiv Ansehen und Unterstützung. Wo soll ein Parteiprogramm herkommen, wenn nicht mal innerhalb der Partei schrankenlos gedacht werden darf? Eines der bekannten einfach kopieren, ist man dann noch alternativ? Ich sehe den liberalen Flügel in der Pflicht nun Ruhe zu halten und sich versöhnlich zu geben oder mit Lucke in die Weckruf Partei zu wechseln. Eine Partei, aufgebaut auf Verrat, hat bestimmt viele Fans, der AfD würde die Weckrufpartei evtl. mehr nutzen als schaden.

Herr Günther Schemutat

04.06.2015, 12:08 Uhr

Das Lucke liberaler CDU Mann ist ,betätigt sich immer mehr. Sein Weg mitten in den Einheitsbrei wird die AFD zerstören wenn nicht gegengesteuert wird.

Vielleicht kamen die Drohungen und Beschimpfungen nicht nur aus Berlin, sondern auch von der NSE gegen Lucke. Das zeigt aber die Angst vor Bürgern die sich wehren und nicht Betriebsblind sind. Weiter kämpfen , denn die NSE weis alles gute und schlechte von jedem wichtigen Menschen. Blatter mal als neustes Beispiel genannt. Über Blatter wusste die NSE alles was man wissen muss. Die neue alte Macht.

Reiner Blumenhagen

04.06.2015, 12:18 Uhr

Vergeßt doch nicht, wer die Partei eigentlich gegründet hat. Wenn Luckes Weg euch nicht paßt, solltet ihr eher was Neues gründen.

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