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22.05.2015

14:08 Uhr

AfD-Machtkampf

Lucke allein zu Haus

Die Spaltung der AfD ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Parteigründer Bernd Lucke und Gegenspielerin Frauke Petry wollen nicht mehr zusammenarbeiten. Lucke muss zudem im Bundesvorstand eine herbe Niederlage einstecken.

Die beiden Co-Chefs der AfD wollen künftig getrennte Wege gehen. dpa

Bernd Lucke und Frauke Petry

Die beiden Co-Chefs der AfD wollen künftig getrennte Wege gehen.

BerlinDer Riss in der Spitze der Alternative für Deutschland ist wohl nicht mehr zu kitten. Der Vorstand der eurokritischen Alternative für Deutschland hat nach Angaben aus der Parteispitze den Aufstieg von Bernd Lucke zum alleinigen Parteichef vorerst durchkreuzt. Das Gremium kippte die im Januar auf Luckes Wunsch hin beschlossene Parteireform, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag aus Teilnehmerkreisen erfuhr.

Vorgesehen war die Verkleinerung der bisherigen Dreierspitze aus Lucke, Frauke Petry und Konrad Adam im Dezember. Lucke wollte für den Posten des alleinigen Parteichefs kandidieren. Er hat zudem die Vorstandswahlen auf dem Parteitag im Juni in Kassel zu einer Richtungsentscheidung im Machtkampf zwischen dem wirtschaftsliberalen und dem nationalkonservativen Flügel erklärt.

Wer hält bei der AfD die Fäden in der Hand?

Bernd Lucke

Parteigründer Bernd Lucke (52) ist der mächtigste Mann in der AfD. Mit der bisher eher basisdemokratischen Führungsstruktur tut sich das ehemalige CDU-Mitglied schwer. Gerne würde er deutschnationale Kräfte und Mitglieder, die radikale Systemkritik wollen, loswerden. Lucke ist gläubiger Christ. Mit der provinziellen Deutschtümelei einiger AfD-Mitglieder kann er nichts anfangen.

Frauke Petry

Frauke Petry (39) stand als Co-Vorsitzende im Bundesvorstand anfangs im Schatten von Lucke. Seitdem die AfD 2014 mit 9,7 Prozent in den sächsischen Landtag eingezogen ist, hat sie an Profil gewonnen. Petry ist Politikneuling. Sie setzt sich im Landtag und auch in der eigenen Partei für mehr Basisdemokratie ein. Die Chemikerin wird dem rechten Flügel zugeordnet. Im Vergleich zu den Forderungen anderer Vertreter dieses Flügels sind ihre Positionen aber eher moderat. Petry ist mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet und hat vier Kinder.

Alexander Gauland

Alexander Gauland (74) gehört dem AfD-Bundesvorstand als Stellvertreter an. Sein Landesverband hatte im vergangenen Jahr mit 12,2 Prozent das bislang beste Landtagswahl-Ergebnis für die Partei eingefahren. Gauland ist ehemaliges CDU-Mitglied. Von 1987 bis 1991 leitete er die hessische Staatskanzlei. Gaulands Schwerpunkt ist die Asylthematik. Er will die AfD zu einer Partei machen, die sich vor allem den Sorgen der „kleinen Leute“ widmet.

Konrad Adam

Konrad Adam (73) ist ein konservativer Publizist. Er arbeitete unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Welt“. Lucke schätzt Adams rhetorische Fähigkeiten, reibt sich aber häufig an seinen Positionen, vor allem beim Thema Einwanderungspolitik. Adam gehört dem rechten Flügel an. Radikale Kräfte will er in er AfD nicht haben.

Björn Höcke

Björn Höcke (43) ist Wortführer einer Gruppe von rechten AfD-Mitgliedern, die sich eine Anti-Mainstream-Politik wünschen. Der Lehrer für Sport und Geschichte ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Im März veröffentlichte er die „Erfurter Resolution“. Darin heißt es, viele Mitglieder wünschten sich die AfD als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“. Nachdem Höcke vor einigen Tagen erklärt hatte, nicht alle NPD-Mitglieder seien extremistisch, forderte ihn Lucke zum Austritt aus der AfD auf.

Der Parteivorstand folgte nun mehrheitlich den Bedenken des Bundesschiedsgerichts der AfD, weil es bei der Verabschiedung der Reform Unregelmäßigkeiten gegeben haben soll. Damit bleibt die bisherige Parteispitze aus drei gleichberechtigten Vorsitzenden zunächst bestehen.

Lucke sagte am Freitag vor Beginn einer Sitzung des AfD-Bundesvorstandes in Berlin, er sei von der Co-Vorsitzenden Frauke Petry enttäuscht. Ihr gehe es nur darum, „ihren persönlichen Ehrgeiz zu befriedigen“. Er könne sich deshalb nicht vorstellen, auch nach dem Bundesparteitag in drei Wochen noch mit Petry im Vorstand zusammenzuarbeiten. Auch Petry schloss dies aus. Auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Alexander Gauland schoss scharf gegen Lucke: „Ich halte es für sehr schwierig nach diesen Vorfällen, dass Bernd Lucke die Gesamtpartei führt.“

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Die Dauerquerelen mit den Rechten verschrecken viele Unternehmer in der AfD. Parteichef Lucke will gegensteuern – und hat einen Verein gegründet. Die Firmen entdecken indes eine längst totgeglaubte Alternative wieder.

Der Bundesvorstand hat die Gründung von Luckes Verein „Weckruf2015“ dann auch mehrheitlich missbilligt. Petry warf Lucke vor, er habe der AfD damit stark geschadet. „Ich hätte gerne noch vor dem Parteitag eine Klärung“, sagte Petry, die auch Vorsitzende der AfD-Fraktion im sächsischen Landtag ist.

Kommentare (21)

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Herr Jens Großer

22.05.2015, 14:16 Uhr

Ganz egal wie es ausgeht! Es muss so schnell wie es geht eine Entscheidung geben. Denn der jetzige Zustand ist untragbar und tatsächlich tödlich für die Partei!

Frau Angelika Meier

22.05.2015, 14:17 Uhr

http://www.weckruf-2015.de/ Bilden Sie sich eine Meinung

www.weckruf2015.de sind die Zerstörer der Idee Mut zur Wahrheit
Was Lucke und sein “Geheimdienst” in Bayern abgezogen haben ist widerlich und hat höchst kriminelle Züge. Ich hoffe, dass alle die sich dem Geheimdienst nahe fühlen, Zuträger im System sind, machstrebende , anerkennungshungrige, klein karierte Alligator Gehirne mit oder ohne Polizei, Bundeswehr, Beamtenstatuts oder andere krankhaften Gehirne bitte bitte dem Weckruf 2015 folgen und die AfD verlassen und zwar für immer.

Herr Lucke und seine Truppe können dann ihr Überwachungs- und Kontrollsystem weiterführen, bis dann alle in der Geschlossenen landen oder wegen kriminellen Machenschaften nach Recht und Gesetzt verurteilt werden. Im Leben habe ich mir nicht vorgestellt in 10 Monaten so viel Manipulation, Beleidigungen, Unterstellungen, Behauptungen, Falschaussagen und getürkte Sachlagen zu erleben! Insofern bin ich froh dass es den Weckruf gibt und diese Typen hoffentlich bald verschwinden! Und bei denen die es nicht freiwillig tun, müssen wir nachhelfen, damit sie gehen.

Die Nazikeule oder das “Rechts” Gejammer kann ich nicht mehr hören. Das sind profane Plattitüden. Der Krieg ist seit 1945 vorbei und wenn ein junger Türke mich Deutsche die 59 geboren ist als Nazi bezeichnet und auch meinen Mann, dann haben die Typen ein krankes Gehirn und gehören nach Hause geschickt in die Türkei. Das muss ich mir nicht gefallen lassen. Mein Mann auch nicht. Geboren 1953. Und das hat nichts mit Rechts zu tun, sondern mit Anstand und Respekt vor Menschen in deren Heimatland. Heimatland – was so viel bedeutet das Land in dem ich zu Hause bin – und nichts anderes hineininterpretiert werden darf! Da muss man doch Tacheles reden dürfen.

Account gelöscht!

22.05.2015, 14:31 Uhr

Lucke hat als Parteivorsitzender kläglich versagt.

Seine Aufgabe war es, die unterschiedlichen Richtungen zusammenzuführen und immer wieder neu eine gemeinsame Linie zu finden, die von allen mitgetragen werden konnte.

Das hat er nicht getan. Er hat sich statt dessen selbst zum Exponenten eines extremen Flügels gemacht und versucht, alle, die seiner Linie nicht folgen wollten, auszugrenzen. So etwas geht für einen Vorsitzenden gar nicht.

Es ist besser für die AfD, wenn Lucke sich auf seine unbestreitbare Expertise in ökonomischen Fragen und auf seine Aufgaben als EU-Parlamentarier konzentriert und und Aufgabe der Führungsarbeit, also der Integration der Partei, einer Persönlichkeit überläßt, die das besser kann.

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