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06.10.2014

06:27 Uhr

AfD-Mitglieder

Alternative für Deutschland wächst rasant

VonDietmar Neuerer

ExklusivWährend CDU, SPD und FDP schrumpfen, wächst die AfD rasant. Seit ihrer Gründung hat sich die Mitgliederzahl der eurokritischen Partei verfünffacht. Experten bezweifeln allerdings, dass der Höhenflug von Dauer ist.

Wahlplakat der Partei Alternative für Deutschland: Der Mitgliedertrend zeigt für die AfD nach oben. dpa

Wahlplakat der Partei Alternative für Deutschland: Der Mitgliedertrend zeigt für die AfD nach oben.

BerlinTrotz Dauer-Querelen und Problemen mit rechtstendierenden Aktivisten in den eigenen Reihen ist das Interesse an der eurokritischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) rasant gestiegen. Die etablierten Parteien haben in dieser Hinsicht schwer zu kämpfen. Für CDU und SPD geht es seit langem abwärts. Sie hangeln sich von einem Rekordtiefstand zum nächsten. Und auch die FDP hat seit der Bundestagswahl massiv Mitglieder verloren.

Bei der AfD hingegen hat sich seit ihrer Gründung vor eineinhalb Jahren die Mitgliederzahl verfünffacht. Am 30. März 2013 zählte die AfD 4.569 Mitglieder, aktuell beträgt der Stand 19.885, wie der Bundesschatzmeister Piet Leidreiter dem Handelsblatt (Online-Ausgabe) sagte. Insgesamt 1.053 Leute verließen die Partei in dieser Zeit wieder.

Nach einer AfD-internen Auswertung, die dem Handelsblatt vorliegt, zeigt der Mitgliedertrend klar nach oben. So verzeichnete die Partei in der Zeit zwischen der Bundestagswahl am 22. September 2013 und der Europawahl am 25. Mai 2014 3.967 Eintritte. Nach dem Wahlerfolg der AfD, die mit sieben Prozent den Sprung ins EU-Parlament schaffte, gab es einen erneuten Schub. Innerhalb von drei Tagen traten 570 Leute der Partei bei.

Einen noch  größeren Zustrom registrierte die AfD im Anschluss an die Landtagwahlen. Unmittelbar nach den Wahlerfolgen in Brandenburg und Thüringen am 14. September 2014 traten der Partei 1.000 Leute bei. Derzeit warten den Angaben zufolge noch weitere 1.000 Mitgliedsanträge auf ihre Bearbeitung oder befinden sich bereits in der Prüfung.

Die AfD – neue Volkspartei oder kurze Protestepisode?

Wie viel Union steckt in der AfD?

Es steckt einiges von der Union früherer Zeiten in der Alternative für Deutschland (AfD). Nur in der Europapolitik grenzt sich die AfD klar von dem ab, was Helmut Kohl zu seinen Kanzlerzeiten wichtig war. Die AfD besetzt aber andere zentrale Themen der Union wie Familie, Kriminalität und Zuwanderung. Die Warnungen der AfD vor einer Überlastung der Sozialsysteme durch Asylbewerber erinnern an die aufgeheizte Das-Boot-ist-voll-Debatte Anfang der 90er Jahre. Die AfD knüpft zudem an die konservative Gedankenwelt von Bundesministern wie Manfred Kanther (CDU) und Theo Waigel (CSU) an.

Kümmern sich CDU und CSU um solche Themen nicht mehr?

Doch. Auch heute sind das Schwerpunkte der Union. Doch die CSU war im Europa-Wahlkampf mit ihrer auf Ausländer gemünzten Parole „Wer betrügt, der fliegt“ und dem Herziehen über die EU-Kommission nicht erfolgreich. Und CDU und CSU bekamen unter Angela Merkel und Horst Seehofer bei der Bundestagswahl 41,5 Prozent - mit einer liberaleren Einstellung zu Homosexuellen, mit einer neuen Definition von Familie, aber ohne einen Law-and-Order-Mann als Bundesinnenminister. So machte die Union die Erfahrung, dass ein Kurs der Mitte mehr Stimmen bringt als das Beharren auf konservativen Positionen.

Was steckt noch in der AfD?

Die AfD setzt sich für mehr Basisdemokratie ein – und steht damit im Kontrast zur CDU. Einige ihrer Mitglieder stammen außerdem aus der Konkursmasse kleinerer rechter, liberaler und konservativer Parteien. Ehemalige Angehörige von NPD und DVU können dagegen nicht Mitglied der AfD werden. Im Osten wirbt die Partei um DDR-Nostalgiker, die zwar den Sozialismus nicht zurückhaben wollen, aber zum Beispiel Elemente des alten Bildungssystems gut finden.

Ist die AfD denn eine Gefahr für die Union?

Ja - auch wenn die CDU in Brandenburg und Thüringen trotz Stimmenverlusten an die AfD zulegen konnte. Erstens hat die Union durch ihren Wandel hin zu einer modernen, urbanen Partei eine Flanke an ihrem rechten Rand aufgemacht und könnte weiter Konservative, die in der Union keine Heimat mehr sehen, verlieren. Und zweitens wirbelt die AfD die Parteienlandschaft so durcheinander, dass die Machtoptionen für die Union schwinden. Eine Koalition mit der AfD schließt die CDU genauso aus wie mit der Linken, und auf die FDP kann sie nicht mehr zählen. Unabhängig davon, dass Schwarz-Grün im Bund ein Novum wäre, könnte es mit den Grünen knapp werden - wenn die AfD denn 2017 in den Bundestag einzöge. Bliebe ein Bündnis mit der SPD - das sollte aber aus Sicht beider Parteien kein Dauerzustand sein.

Wie wehrt sich die Union gegen die AfD?

Nicht einheitlich. CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagt: „Wir wollen die Wähler zurückgewinnen.“ Fraktionschef Volker Kauder (CDU) will die AfD ignorieren und sich mit ihren Politikern nicht einmal in eine Talkshow setzen. Wolfgang Bosbach vom konservativen „Berliner Kreis“ der CDU hält das für falsch. Viele Unionspolitiker raten inzwischen, sich intensiv mit der AfD auseinanderzusetzen. Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel ging im Brandenburger Wahlkampf deutlich auf die Grenzkriminalität ein, nachdem die AfD bei der Sachsen-Wahl damit punktete. Koalitionen mit der AfD schließt sie aber aus.

Was macht die AfD attraktiv?

Die AfD stellt sich als Partei der braven Sparer und Steuerzahler dar, deren Wohlstand durch die Rettung maroder Banken und überschuldeter Euro-Länder gefährdet ist. Sie fordert, dass außer Flüchtlingen nur noch „qualifizierte und integrationswillige“ Ausländer nach Deutschland kommen dürfen und bemüht dafür gerne das Beispiel des Einwanderungslandes Kanada. Die AfD, die sich seit ihrem guten Abschneiden bei drei Landtagswahlen als „kleine Volkspartei„ bezeichnet, wettert gegen die in Deutschland inzwischen weit verbreitete Kultur der „politischen Korrektheit“. Ihrer Führungsriege gehören etliche Ex-Mitglieder von CDU und FDP an. Deshalb finden einige wertkonservative Wähler die Strategie der CDU, die AfD wie eine nicht-salonfähige Randgruppe zu behandeln, wenig glaubwürdig.

Droht der AfD das selbe Schicksal wie den Piraten?

Nein. „Eintagsfliege“, „Protestpartei“ – diese Etiketten wurden der AfD in den ersten Monaten oft aufgeklebt. Doch im Gegensatz zu den Piraten, die sich lange vor allem der Selbstzerfleischung widmeten, halten sich die internen Streitereien noch im Rahmen. Außerdem hat sich die AfD rasch von einer Ein-Thema-Partei (Eurorettung) zu einer gemausert, die verschiedene Politikfelder besetzt.

Die AfD hat zusätzlich zu ihren 19.885 Mitgliedern auch sogenannte Förderer, die bei Bundesparteitagen allerdings nicht stimmberechtigt sind: Nicht selten sind dies Mitglieder anderer Parteien wie der CDU, die aber nicht offiziell wechseln wollen und stattdessen regelmäßig spenden. Die Partei hat derzeit 1.730 Förderer.

AfD-Schatzmeister Leidreiter erwartet auch in Zukunft ein großes Interesse: „Die Bürger erkennen, dass es um Inhalte geht und nicht um Protest“, sagte er. Seit den Bundestagswahlen 2013 habe die AfD einen „überragenden Zulauf“. „Dieser wird sich sicherlich über die Wahlen zur Bürgerschaft in Hamburg und Bremen hinaus fortsetzen, wir sind da sehr zuversichtlich.“

Kommentare (68)

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Herr W. H.

06.10.2014, 08:28 Uhr

Ja, da gibt es jetzt eine alternative Partei zu Themen, die bisher von den etablierten Parteien als alternativlos nicht diskutiert wurden!

Herr Günther Schemutat

06.10.2014, 08:48 Uhr

Der Deutsche Bürger ist ausgehungert nach Politikern die endlich die Kirche wieder in die Mitte des Dorfes stellen. Was seit Jahrzehnten in diesem Land passiert ist, dass der Deutsche Bürger verbal verprügelt werden und für alles die Schuld tragen müssen.

Neuestes Beispiel die Übergriffe gegen Flüchtlinge. Während im Moma die Moderatorin mit Irakischen Hintergrund die Vorfälle mit Guantanamo vergleicht , was weltweit zur Kenntnis genommen wird. Also die bösen Deutschen, empören sich Politiker über uns die selber Schuld tragen weil sie sparen und Minderpersonal einstellen wo 3 Wachhabende 100 Leute betreuen.

Gleichzeitig stellen sie sich hin und rufen Deutschland als reiches Land aus , dass noch mehr Flüchtlinge aufnehmen muss.

Ob die AFD richtig ist wird sich zeigen, aber der Hilferuf der Bürger wird immer lauter.

Account gelöscht!

06.10.2014, 08:52 Uhr

Joe Biden hat am vergangenen Donnerstag in Harvard die Katze aus dem Sack gelassen. Er hat bestätigt, dass die EU-Regierungen keine Sanktionen gegen Rußland haben wollten und daß Obama daher seine "Führungsrolle" übernommen habe und die EU zu Sanktionen gegen Rußland entgegen den eigenen wirtschaftlichen Interessen Europas genötigt habe.

Nach RIA Novosti berichten das heute auch die DWN (im Gegensatz zu allen deutschen Mainstreammedien, die die Sache bis heute totschweigen).

Biden hat damit öffentlich gemacht, daß unsere Regierungsparteien eine Politik gegen Deutschland machen. Vor diesem Hintergrund ist es wunderbar, daß es jetzt eine Alternative für Deutschland gibt.

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