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14.05.2013

14:34 Uhr

AfD profitiert von Euro-Skepsis

Die FDP-Flüchtlinge

VonMaike Freund

Der FDP laufen die Mitglieder davon – und die Alternative für Deutschland buhlt offensiv um die Liberalen. Mit immer größerem Erfolg. Handelsblatt Online stellt drei Ex-FDP-Politiker vor, die nun in der AfD mitmischen.

Die AfD bekommt immer mehr Mitglieder aus anderen Parteien.

Die AfD bekommt immer mehr Mitglieder aus anderen Parteien.

DüsseldorfGerade fühlt es sich so an, als würden die Überläufer gar nicht mehr abreißen. Und zwar von der FDP zur AfD, zur Alternative für Deutschland, der Partei, die vor allem für eine andere Euro-Politik einsteht. Die jüngste Meldung ist der Übertritt von Matthias Niebel, Geschäftsmann aus Heidelberg, Cousin von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel – und nun ehemaliges FDP-Mitglied. Stattdessen gehört Niebel jetzt der AfD an. Und auch um den prominentesten Euro-Kritiker der FDP, Frank Schäffler, buhlt die AfD massiv.

11.400 Mitglieder hat die AfD mittlerweile nach eigenen Angaben – und das, obwohl sie erst Anfang Februar gegründet wurde. Zwar war der größte Teil zuvor parteilos, doch es gibt auch viele Abtrünnige aus anderen Parteien. Ein erheblicher Anteil kommt von der CDU (1001 Mitglieder) und der FDP (622 Mitglieder).

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Daraus könnte sich ein Trend entwickeln mit Auswirkungen auf die Bundestagswahl: „Während es bei der CDU nicht ums Überleben geht“, sagt Parteienforscher Thomas Poguntke von der Uni Düsseldorf Handelsblatt Online, „könnten die Wählerverluste für die FDP ernst werden“. Wieder einmal. Denn seit Monaten sind die Umfragen für die Liberalen schlecht, die FDP dümpelt mal knapp über mal unter bei der Fünf-Prozent-Marke. Jetzt macht es ihr die AfD im Wahlkampf doppelt schwer.

Wie es mit der AfD weitergeht, welche Chancen die Partei bei der Bundestagswahl hat, darüber will Poguntke nicht spekulieren. Denn nicht die Mitgliederzahlen und die Umfragen würden über den Erfolg der AfD entscheiden, sondern die Substanz dahinter. Also die Menschen, die sich für die Partei engagieren, die Strukturen einer Partei aufbauen, den Wahlkampf organisieren.

Doch bis zur Wahl sind es noch gut vier Monate. Sollte das Euro-Thema polarisieren, könne das für die AfD ein erheblicher Vorteil sein, sagt Poguntke: „In Sachen Euro-Krise ist ein großer Teil der Bevölkerung verunsichert.“ Die AfD sei die einzige Partei, die sich – neben der Linken – von der Einheitsmeinung der anderen Parteien abgrenze. „Damit stößt die Partei in eine Marktnische.“ Eine Nische, die einst die FDP bedient habe.

Drei Ex-Mitglieder der FDP erzählen Handelsblatt Online, warum sie lieber in der AfD mitmischen.

Kommentare (68)

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Account gelöscht!

14.05.2013, 14:30 Uhr

Bei der CDU geht es nicht ums Überleben?

Das werden wir ja sehen.

Ich halte nicht viel von der AfD, aber um die undemokratischen Lobby-Block-Parteien um Merkel & Co. zu schwächen, ist mir - fast - jedes Mittel recht.

P.S.
Wer weiß, vielleicht gibt es auch bald Überläufer aus der SPD.

am003

14.05.2013, 14:32 Uhr

naja ... die fdp

der trennungsschmerz für dein einzelnen kann nicht so groß sein

Account gelöscht!

14.05.2013, 14:42 Uhr

Wer glaubt mit der AFD wird sich was ändern ist ein Träumer. Wenn sie einziehen sollte in den Bundestag - und davon ist auszugehen - wird sie in den politischen-parlamentarischen Kanon mit einstimmen und dasselbe Lied singen wie all die anderen Verbrecher.

In dem Moment wo man seinen politischen Platz im Parlament gefunden habe, - ist man bereits verloren und "an die Kette" gelegt von übergeordneten Instanzen aus Finanzwelt und Industrie.

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