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08.07.2015

13:01 Uhr

AfD-Spaltung

Frauke Petry stemmt sich gegen Austrittswelle

Nach dem Bundesparteitag sind rund 600 Mitglieder aus der AfD ausgetreten. Knapp 1000 Mitglieder sprachen sich für die Neugründung einer Partei unter Bernd Lucke aus. AfD-Chefin Frauke Petry versucht nun gegenzusteuern.

Die neu gewählte AfD-Vorsitzende Frauke Petry ist besorgt über eine Austrittswelle ihrer Parteimitglieder. dpa

Frauke Petry

Die neu gewählte AfD-Vorsitzende Frauke Petry ist besorgt über eine Austrittswelle ihrer Parteimitglieder.

BerlinDie neue AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry will die Austrittswelle in ihrer Partei stoppen. In einer E-Mail bat sie die Mitglieder der Partei, „keine übereilten Entscheidungen zu treffen“. Gleichzeitig distanzierte sie sich von dem pöbelhaften Verhalten einzelner Teilnehmer des Bundesparteitages in Essen, auf dem Parteigründer Bernd Lucke am Wochenende wüst beschimpft worden war.

Petry dementierte Berichte über einen „Rechtsruck“ der AfD und versprach: „Wir werden uns weiterhin von radikalen und extremistischen Positionen abgrenzen.“ Nach Auskunft der Bundesgeschäftsstelle waren nach dem Parteitag rund 600 Mitglieder aus der AfD ausgetreten. Auch Mitglieder von Landesvorständen verließen die Partei.

Petry, die in Essen auch mit den Stimmen der Rechtsnationalen in der Partei gewählt worden war, verband ihre E-Mail mit einer Umfrage. Demnach sollen sich die Mitglieder zu der Frage äußern: „Wie stellen Sie sich die Zukunft der AfD vor?“

Wer hält bei der AfD die Fäden in der Hand?

Bernd Lucke

Parteigründer Bernd Lucke (52) ist der mächtigste Mann in der AfD. Mit der bisher eher basisdemokratischen Führungsstruktur tut sich das ehemalige CDU-Mitglied schwer. Gerne würde er deutschnationale Kräfte und Mitglieder, die radikale Systemkritik wollen, loswerden. Lucke ist gläubiger Christ. Mit der provinziellen Deutschtümelei einiger AfD-Mitglieder kann er nichts anfangen.

Frauke Petry

Frauke Petry (39) stand als Co-Vorsitzende im Bundesvorstand anfangs im Schatten von Lucke. Seitdem die AfD 2014 mit 9,7 Prozent in den sächsischen Landtag eingezogen ist, hat sie an Profil gewonnen. Petry ist Politikneuling. Sie setzt sich im Landtag und auch in der eigenen Partei für mehr Basisdemokratie ein. Die Chemikerin wird dem rechten Flügel zugeordnet. Im Vergleich zu den Forderungen anderer Vertreter dieses Flügels sind ihre Positionen aber eher moderat. Petry ist mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet und hat vier Kinder.

Alexander Gauland

Alexander Gauland (74) gehört dem AfD-Bundesvorstand als Stellvertreter an. Sein Landesverband hatte im vergangenen Jahr mit 12,2 Prozent das bislang beste Landtagswahl-Ergebnis für die Partei eingefahren. Gauland ist ehemaliges CDU-Mitglied. Von 1987 bis 1991 leitete er die hessische Staatskanzlei. Gaulands Schwerpunkt ist die Asylthematik. Er will die AfD zu einer Partei machen, die sich vor allem den Sorgen der „kleinen Leute“ widmet.

Konrad Adam

Konrad Adam (73) ist ein konservativer Publizist. Er arbeitete unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Welt“. Lucke schätzt Adams rhetorische Fähigkeiten, reibt sich aber häufig an seinen Positionen, vor allem beim Thema Einwanderungspolitik. Adam gehört dem rechten Flügel an. Radikale Kräfte will er in er AfD nicht haben.

Björn Höcke

Björn Höcke (43) ist Wortführer einer Gruppe von rechten AfD-Mitgliedern, die sich eine Anti-Mainstream-Politik wünschen. Der Lehrer für Sport und Geschichte ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Im März veröffentlichte er die „Erfurter Resolution“. Darin heißt es, viele Mitglieder wünschten sich die AfD als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“. Nachdem Höcke vor einigen Tagen erklärt hatte, nicht alle NPD-Mitglieder seien extremistisch, forderte ihn Lucke zum Austritt aus der AfD auf.

Zuvor hatte bereits der unterlegene liberal-konservative Flügel um Lucke eine Umfrage gestartet. Seine Anhänger sollen erklären, ob sie sich an einer neuen Partei beteiligen würden. Bisher haben sich dem Vernehmen nach knapp 1000 AfD-Mitglieder für die Gründung dieser Partei ausgesprochen. Die AfD hatte vor dem Parteitag rund 21.000 Mitglieder.

Von

dpa

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

08.07.2015, 13:31 Uhr

Die AfD hatte 22.000 Mitglieder vor dem Parteitag und nach der Abwahl von Bernd Lucke verlassen jetzt eben die Anhänger von Bernd Luckes autokraten Weckruf die AfD.
Bis jetzt sind es 600 und wenn es 1000 werden sollten, dann sind das gerade einmal 4,5% die eine Bernd Lucke Partei haben wollen. Die restlichen 95,5 % sind für eine Frauke Petry Partei. Es geht also um lediglich 5%. Diese 5% will Fr. Petry nicht einfach so ziehen lassen und genau das spricht für Fr. Petry als die richtige Führungspersönlichkeit für die AfD.

Herr C. Falk

08.07.2015, 13:31 Uhr

Na ja, alles in allem sind 600 Austritte bei 21000 Mitgliedern keine Welle sondern höchsten ein "Wellchen".

1000 von 4000 Weckruflern wollen eine neue Partei gründen, also gerade mal 25%.

Herr Holger Narrog

08.07.2015, 13:34 Uhr

Nun wenn 1000 von 21000 Mitgliedern des AFD austreten ist das sicherlich weniger dramatisch als das was der einstige Kanzler Brand mit den Ostverträgen, oder die FDP mit ihren Koalitionspartnerwechseln bewirkt hat. Ich meine dass auch Fr. M einen höheren Anteil Parteimitglieder mit ihrem stramm ökosozialistischem Kurs verschreckt hat.

Wirtschaftspolitik ist den meisten Deutschen fremd. Die Thematik €, € Rettungspakete, Enteignung durch Geldschöpfung der EZB erst recht. Emotionen kann man damit kaum wecken.

In der Schweiz ist die SVP die stimmenstärkste Partei. Diese verfolgt einen national liberalen Kurs. Wirtschaftlich verhält sich die Partei weitgehend liberal, in Sachen Einwanderung eher wie die NP.. Die eher langweilige Wirtschaftspolitik die Gelder aus der Wirtschaft bringt hat man sehr erfolgreich mit der Einwanderungspolitik verbunden die Stimmen bringt.

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