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19.04.2016

15:54 Uhr

AfD und Religion

Was ist dran an der Islamkritik?

Die Alternative für Deutschland hält den Islam für „nicht integrierbar“ und den „politischen Islam“ für eine Bedrohung. Doch was ist dran an den Behauptungen der Rechtspopulisten? Der Anti-Islam-Kurs im Faktencheck.

Anti-Islam-Kurs

Ausgrenzungsstrategie: AfD will alle Symbole des Islams verbieten

Anti-Islam-Kurs : Ausgrenzungsstrategie: AfD will alle Symbole des Islams verbieten

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Berlin Die AfD warnt vor einer „Islamisierung“ Deutschlands. Mit ihren Positionen zum Islam und zur religiösen Praxis der Muslime in Deutschland polarisiert die rechte Partei – so wie zuletzt in der Flüchtlingsdebatte. Die Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität, Susanne Schröter, sagt zum AfD-Programm, „dass es von einer dramatischen religionswissenschaftlichen, politikwissenschaftlichen, historischen und theologischen Unkenntnis zeugt, sowie Halbwahrheiten verdreht und mit gängigen Vorurteilen vermengt“. Ein Faktencheck.

Zum politischen Islam

Die AfD-Vizevorsitzende Beatrix von Storch sagt in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Die größte Bedrohung für Demokratie und Freiheit geht heute vom politischen Islam aus.“ Nur: „Den politischen Islam“ gibt es nicht. Was es gibt, sind Parteien, die sich auf den Islam berufen. Dazu zählen beispielsweise Ableger der sunnitischen Muslimbruderschaft oder die Schiiten-Parteien im Irak. Einige dieser Parteien messen religiösen Grundsätzen einen höheren Wert zu als individuellen Freiheitsrechten. Die meisten von ihnen befürworten demokratische Prinzipien. In Deutschland gibt es keine islamistischen Parteien.

Zu Minaretten

Im Leitantrag für das Parteiprogramm steht: „Das Minarett lehnt die AfD als islamisches Herrschaftssymbol ebenso ab wie den Muezzinruf, nach dem es außer dem islamischen Allah keinen Gott gibt.“ Aber: Islamwissenschaftlerin Schröter sagt: „Das Minarett ist genauso wenig ein Herrschaftssymbol wie der christliche Kirchturm.“ Das im Gebetsruf enthaltene Glaubensbekenntnis, „Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet“, bringe lediglich verbindende religiöse Überzeugungen zum Ausdruck.

Zu Kopftüchern

Im Leitantrag heißt es weiter: „Der Integration und Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen sowie der freien Entfaltung der Persönlichkeit widerspricht das Kopftuch als religiös-politisches Zeichen der Unterordnung von muslimischen Frauen unter den Mann.“ Allerdings: Schröter sieht das Kopftuch nicht als Emanzipationshindernis. Die Kopfbedeckung der Frauen sei allenfalls „ein Bekenntnis zu einer religiös begründeten moralischen Norm“, aber kein Zeichen der Unterordnung unter einen Mann.

Der Nazi-Jargon der AfD

Auffällige Nazi-Rhetorik bei einzelnen AfD-Politikern

Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, betont zwar, dass man nicht die gesamte (Alternative für Deutschland) AfD über einen Kamm scheren dürfe. „Doch einzelne Mitglieder pflegen eine auffällige Nazi-Rhetorik. Der Rhythmus, das sprachliche Diktum, die Emotionalisierung - es gibt einiges, was stark an die NSDAP-Sprache angelehnt ist.“ Und der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei ja schon „fanatisch in seiner Sprache“. Es folgen einige Beispiele.
Quelle: „Stern“, eigene Recherche.

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef

„3000 Jahre Europa! 1000 Jahre Deutschland!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (2)

„Erfurt ist … schön … deutsch! Und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (3)

„Das Boot ist übervoll und wird kentern.“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (4)

In einem Vortrag stellte Höcke das Bevölkerungswachstum Afrikas in einen Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, was weithin als biologischer Rassismus bewertet wurde. Er sprach von einem „Bevölkerungsüberschuss Afrikas“ und erklärte, der „lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp“ treffe in Europa auf den „selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp“. Dann schlussfolgerte er: „Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.“

André Poggenburg, Chef der AfD in Sachsen-Anhalt

In ihrem auf Facebook verbreiteten Weihnachtsgruß vom 24.12.2015 sprach die AfD Sachsen-Anhalt unter anderem davon, in der Weihnachzeit über die „Verantwortung für die Volksgemeinschaft und nächste Generation“ nachzudenken. Der verwendete Begriff „Volksgemeinschaft“ löste daraufhin eine Diskussion aus. Denn, so der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn von der Universität Göttingen bei „tagesschau.de“, der Begriff der Volksgemeinschaft sei historisch „eindeutig durch den Nationalsozialismus belegt“. Der Begriff sei in einer Demokratie unhaltbar, so der Professor, selbst wenn man sich auf den Standpunkt historischer Naivität zurückziehen würde. Die Idee einer Volksgemeinschaft sei generell nicht mit den Vorstellungen von Demokratie vereinbar.

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef

„Es wird Zeit, dass wir das Schicksal des deutschen Volkes, damit es ein deutsches Volk bleibt, aus den Händen dieser Bundeskanzlerin nehmen.“

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef (2)

„Das Boot ist voll. Auch um der Flüchtlinge willen muss Deutschland jetzt die Notbremse ziehen.“

Frauke Petry, AfD-Bundesvorsitzende

„Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen.“

Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der Jungen Alternative (JA)

„Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde.“

Zur Integrierbarkeit

Der stellvertretende Parteivorsitzende Alexander Gauland sagt im Interview mit der „Zeit“: „Ich glaube einfach, dass der Islam in seiner heutigen Form nicht integrierbar ist in eine westliche Gesellschaft, viele Einzelne schon, der Islam nicht.“ Dazu ist zu sagen: Menschen können sich in eine Gesellschaft integrieren, nicht aber eine Religion. Der „Islam in seiner heutigen Form“ ist ein theoretisches Konstrukt, das so in der Realität nicht existiert. Es gibt säkulare und strenggläubige Muslime, Sunniten, Schiiten und Anhänger anderer islamischer Religionsgemeinschaften. Fakt ist allerdings auch, dass der radikale Salafismus seit etwa 20 Jahren zu den besonders stark wachsenden Strömungen zählt.

Kommentare (46)

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Herr Holger Narrog

19.04.2016, 16:07 Uhr

wenn das Handelsblatt, oder eine andere Regierungszeitung das Thema AFD anschneidet, dann geht regelmässig jegliche Sachlichkeit verloren. Ich meine Sie würden besser auf solche Artikel zu verzichten.

Grundsätzlich stehen weder Bibel noch Koran im Einklang mit der heutigen Gesellschaftsordnung. Beide sind expansiv und erheben einen Allgemeinvertretungsanspruch der teils mit Völkermord durchgesetzt wurde/wird (Bsp. Südamerika). Unterschiede liegen darin, dass der Koran konkretere Handlungsanweisungen an die Gläubigen gibt.

Ein wesentlicher Unterschied ist dass man in Europa und einigen anderen Gesellschaften die Bibel nicht mehr wörtlich nimmt, während man im Nahen Osten den Regeln des Korans wörtlich zu folgen sucht.

Die Ursache liegt wiederum darin, dass sich die Gesellschaften im Nahen Osten sehr hinsichtlich ihrer Werte, Ausrichtung etc. unterscheiden. Letztlich ist die Benennung der Religion ein Symbol für die Ablehnung einer arabischen Gesellschaftsordnung die das destruktive Merkelsystem aus welchen Gründen immer in D einführen möchte.

Rainer von Horn

19.04.2016, 16:12 Uhr

Die WELT hat die Tage einen interessanten Artikel zu dem Thema veröffentlicht. Befragt wurden im Rahmen einer Studie rd. 1000 "normale" Muslime in Grossbrittanien. 5% davon gaben an, die Steinigung für Ehebrauch für legitim zu halten. 5%!
Zitat:
"So meinen 39 Prozent der Befragten, dass "die Ehefrau dem Mann immer zu gehorchen habe". 31 Prozent halten Polygamie für akzeptabel. 23 Prozent sind der Überzeugung, dass nach der Scharia gelebt werden solle und und nicht britische Gesetze den Handlungsrahmen vorgeben sollten.

18 Prozent meinen, dass Homosexualität legal sein soll – 52 Prozent sind dagegen. 35 Prozent denken, dass Juden zu viel Macht im Land haben. Fünf Prozent halten Steinigung als Bestrafung für Ehebruch für legitim.2

Eine Muslima gab zudem an, dass sich Muslime nicht in die westlichen Gesellschaften inmtegrieren wollen:
Zitat:
"Der Fehler sei zu denken, so eine von Trevor Philips muslimischen Gesprächspartnerinnen, dass die Muslime westliche Werte annehmen wollten. "Die Mehrheit will das gar nicht.""

Wem diese Zahlen nicht zu denken geben, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen. Es fehlt hier grundsätzlich an Toleranz und an einem westlich geprägten Wertedenken. Und: fundamentalistische Islamisten dürften in dieser Stdie wohl kaum befragt worden sein. Die verfolgen wohl leicht radikalere Ziele (Gottesstaat).

Quelle:
http://www.welt.de/vermischtes/article154359076/So-denken-Muslime-in-Grossbritannien-wirklich.html

Die AfD spricht hier -wieder einmal- ein gesellschaftlich heisses Eisen an. ich finde, zu recht.


Account gelöscht!

19.04.2016, 16:15 Uhr

Danke für diese Sammlung weiser Aussagen von AfD-Politikern! Ich stimme jedem dieser Sätze zu. Die Hilflosigkeit, mit der anschließend in dem Artikel versucht wird, ihren Wahrheitsgehalt in Frage zu stellen, ist schon irgendwie rührend.

Und selbstverständlich wäre die Todesstrafe, wie in den USA praktiziert, mit dem GG vereinbar! Die derzeitige Einwanderungspolitik allerdings nicht.

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