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24.02.2016

16:14 Uhr

AfD-Vize

Gauland-Tochter entsetzt über Äußerungen ihres Vaters

VonDietmar Neuerer

Alexander Gauland ist bekannt für seine scharfen Worte. Die Flüchtlingskrise vergleicht der AfD-Vize jetzt mit einem Wasserrohrbruch. In seiner Familie kommen solche Äußerungen nicht gut an. Seine Tochter ist entsetzt.

Eckt mit seinen harten Äußerungen oft an - jetzt auch in seiner Familie: Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland. dpa

Alexander Gauland.

Eckt mit seinen harten Äußerungen oft an - jetzt auch in seiner Familie: Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland.

BerlinAlexander Gauland, stellvertretender Vorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD), löst mit seinen Äußerungen in der Flüchtlingskrise regelmäßig Empörung aus. Nun muss der 75-Jährige Kritik auch seiner Familie einstecken. Gaulands Tochter, die evangelische Pfarrerin Dorothea Gauland aus Rüsselsheim, hält die Aussagen ihres Vaters nur schwer aus: „Ich finde es schrecklich, was er sagt“, sagte sie dem Magazin der Wochenzeitung „Zeit“.

Die 33-Jährige hat dem Bericht zufolge einen Flüchtling aus Eritrea bei sich aufgenommen. Ihr Vater habe nicht viel dazu gesagt, nur dass es ihre Entscheidung sei und sie auf sich aufpassen solle. In den scharfen Äußerungen ihres Vaters zur Flüchtlingspolitik vermutet die Pfarrerin auch politisches Kalkül: „Er hat gemerkt, er kommt damit an.“

Für Unmut sorgen Äußerungen ihres Vaters ebenfalls im „Zeit-Magazin“. Der Chef der AfD in Brandenburg vergleicht dort die Flüchtlingsproblematik mit einem Wasserrohrbruch: „Man kann sich nicht einfach überrollen lassen. Einen Wasserrohrbruch dichten Sie auch ab“, sagte Gauland: „Wir müssen die Grenzen dichtmachen und dann die grausamen Bilder aushalten. Wir können uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen.“

Mit einer ähnlichen Wortwahl hatte Tatjana Festerling, Wortführerin des islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses, am Montagabend für Empörung gesorgt. Auf der wöchentlichen Pegida-Kundgebung in Dresden nannte Festerling Flüchtlinge „skrupellose Invasoren“ und warf ihnen vor, Kindertränen zu instrumentalisieren.

Der Nazi-Jargon der AfD

Auffällige Nazi-Rhetorik bei einzelnen AfD-Politikern

Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, betont zwar, dass man nicht die gesamte (Alternative für Deutschland) AfD über einen Kamm scheren dürfe. „Doch einzelne Mitglieder pflegen eine auffällige Nazi-Rhetorik. Der Rhythmus, das sprachliche Diktum, die Emotionalisierung - es gibt einiges, was stark an die NSDAP-Sprache angelehnt ist.“ Und der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei ja schon „fanatisch in seiner Sprache“. Es folgen einige Beispiele.
Quelle: „Stern“, eigene Recherche.

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef

„3000 Jahre Europa! 1000 Jahre Deutschland!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (2)

„Erfurt ist … schön … deutsch! Und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (3)

„Das Boot ist übervoll und wird kentern.“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (4)

In einem Vortrag stellte Höcke das Bevölkerungswachstum Afrikas in einen Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, was weithin als biologischer Rassismus bewertet wurde. Er sprach von einem „Bevölkerungsüberschuss Afrikas“ und erklärte, der „lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp“ treffe in Europa auf den „selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp“. Dann schlussfolgerte er: „Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.“

André Poggenburg, Chef der AfD in Sachsen-Anhalt

In ihrem auf Facebook verbreiteten Weihnachtsgruß vom 24.12.2015 sprach die AfD Sachsen-Anhalt unter anderem davon, in der Weihnachzeit über die „Verantwortung für die Volksgemeinschaft und nächste Generation“ nachzudenken. Der verwendete Begriff „Volksgemeinschaft“ löste daraufhin eine Diskussion aus. Denn, so der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn von der Universität Göttingen bei „tagesschau.de“, der Begriff der Volksgemeinschaft sei historisch „eindeutig durch den Nationalsozialismus belegt“. Der Begriff sei in einer Demokratie unhaltbar, so der Professor, selbst wenn man sich auf den Standpunkt historischer Naivität zurückziehen würde. Die Idee einer Volksgemeinschaft sei generell nicht mit den Vorstellungen von Demokratie vereinbar.

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef

„Es wird Zeit, dass wir das Schicksal des deutschen Volkes, damit es ein deutsches Volk bleibt, aus den Händen dieser Bundeskanzlerin nehmen.“

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef (2)

„Das Boot ist voll. Auch um der Flüchtlinge willen muss Deutschland jetzt die Notbremse ziehen.“

Frauke Petry, AfD-Bundesvorsitzende

„Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen.“

Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der Jungen Alternative (JA)

„Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde.“

Gauland bezeichnet Björn Höcke, den umstrittenen thüringischen Fraktionsvorsitzenden der AfD, als Freund: „Ich bewundere, dass er es schafft, jede Woche in Erfurt Tausende auf die Straße zu bringen.“ Einen Zusammenhang zwischen den Parolen seiner Partei und den zunehmend aggressiveren Protesten erkennt er nicht: „Sie gehen auf einer Demo eine Verbindung zu Menschen ein, die nicht so differenziert denken. Da mag eine Stimmung entstehen, die man als bedrohlich empfinden kann. Das können Sie nicht steuern“, so Gauland.

Als Brandstifter sehe er sich nicht, betonte Gauland: „Man muss politische Auseinandersetzungen führen dürfen, ohne für kriminelle Handlungen verantwortlich gemacht zu werden.“

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