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23.04.2015

06:26 Uhr

AfD-Vize Gauland zum Fall Pretzell

„Für mich ist das eine Schmierenkomödie“

VonDietmar Neuerer

In der AfD eskaliert der Konflikt um die Führungsspitze in NRW. Nun gerät Bundeschef Lucke wegen seines Vorgehens gegen den größten Landesverband in die Kritik. Parteivize Gauland wirft ihm vor, die Partei zu spalten.

„Es ist doch offensichtlich, dass hier versucht wird, Herrn Pretzell fertig zu machen. Dafür gebe ich mich nicht her“, sagt der AfD-Bundesvize Gauland. Reuters

Alexander Gauland.

„Es ist doch offensichtlich, dass hier versucht wird, Herrn Pretzell fertig zu machen. Dafür gebe ich mich nicht her“, sagt der AfD-Bundesvize Gauland.

BerlinIm parteiinternen Konflikt um den Chef der Alternative für Deutschland (AfD) in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell,  erhebt Bundespartei-Vize Alexander Gauland schwere Vorwürfe gegen Parteichef Bernd Lucke. „Herr Lucke eint keineswegs die Partei, sondern er spaltet sie weiter“, sagte Gauland dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Er will sich mit seiner Linie durchsetzen – und da ist Pretzell und der Landesverband Nordrhein-Westfalen ein schwerer Brocken auf dem Wege, den er gerne beiseite geräumt hätte.“

Zuvor hatte der AfD-Bundesvorstand massive Kritik an Pretzell geübt. Mit fünf von neun Stimmen sprach sich die Spitze der rechtskonservativen Partei am Dienstag für eine Abmahnung gegen Pretzell aus. Zur Begründung hieß es unter anderem, Pretzell, der die AfD auch im Europaparlament vertritt, habe „mehrfach falsche oder geschönte Darstellung eigener Verfehlungen gegenüber der Mitgliedschaft des Landesverbandes NRW verbreitet“. Konkrete festgelegte Konsequenzen sind mit der Abmahnung nicht verbunden.

Pretzell gehört zu den schärfsten Kritikern des Parteivorsitzenden Bernd Lucke. Die Co-Vorsitzende im Bundesvorstand, Frauke Petry, und Parteivize Gauland, stimmten im Gegensatz zu Lucke nicht für die Abmahnung.  Die AfD wählt am 13. Juni einen neuen Bundesvorstand. Lucke hat gute Chancen, ab Jahresende alleiniger Parteivorsitzender zu sein.

Was der AfD-Bundesvorstand NRW-Chef Pretzell vorwirft

Parteikonto-Pfändung

Dem Landesvorstand NRW wurde bewusst verschwiegen, dass das Finanzamt das Parteikonto zu pfänden drohte, weil Herr Pretzell seine Steuerschulden nicht bezahlen konnte.

Quelle: Mail der Bundes-AfD an die NRW-Mitglieder (Stand: 22. April 2015)

Falsche Angaben über eigene Verfehlungen

Herr Pretzell hat mehrfach falsche oder geschönte Darstellung eigener Verfehlungen gegenüber der Mitgliedschaft des Landesverbandes NRW verbreitet.

Verstoß gegen Parteisatzung

Herr Pretzell hat hartnäckig gegen Satzungsbestimmungen der AfD verstoßen, nach denen ein Wohnsitzwechsel der Partei unverzüglich anzuzeigen ist.

Verstoß gegen Meldegesetz

Herr Pretzell hat seine Wohnsitzwechsel nicht behördlich gemeldet und damit gegen §13 (1) und (2) des Meldegesetzes NRW verstoßen.

Sonderprüfung falsch dargestellt

Herr Pretzell hat den Bericht der Sonderprüfer gegenüber der Mitgliedschaft des Landesverbandes NRW teilweise falsch und teilweise geschönt dargestellt.

Gauland, der auch Chef der AfD-Fraktion im Brandenburger Landtag ist, zeigte sich entsetzt über den Umgang der Parteispitze mit Pretzell. „Für mich ist das eine Schmierenkomödie.“ Die Untersuchung zur Causa Pretzell habe mit Neutralität nichts zu tun. „Ich habe noch nie ein juristisches Gutachten gelesen, bei dem am Ende erklärt wird, es sei zwar kein Schaden entstanden, aber Herr Pretzell müsse dennoch zurücktreten.“ Und im selben Atemzug würden gleich Vorschläge für seine Nachfolger präsentiert. „Das ist so unsäglich, dass ich alles ablehne, was in diesem Zusammenhang unternommen wird. Es ist doch offensichtlich, dass hier versucht wird, Herrn Pretzell fertig zu machen. Dafür gebe ich mich nicht her.“

Kommentare (14)

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Frau Tanja Wagner

23.04.2015, 07:32 Uhr

Lucke und Henkel sind Merkels beste Männer. Sie ziehen das ganze Protestpotential aus der Gesellschaft und führen es der Verpuffung zu.

Herr S. B.

23.04.2015, 08:47 Uhr

Es ist doch offensichtlich. Die AFD hat selbst kein Interesse, sich pragmatisch mit den anstehenden Problemen Deutschlands zu beschäftigen. Was für Witzfiguren....

Account gelöscht!

23.04.2015, 09:06 Uhr

Wenn Lucke sich durchsetzt und die AfD zu einer stromlinienförmig angepaßten CDU light macht, ist die AfD für mich gestorben.

Eine "Alternative" für Deutschland, also eine Partei, die in der gesamten Breite des politischen Spektrums, von der Genderidiotie bis zum Rußlandhaß, von der Zuwanderungskatastrophe bis zur Verharmlosung des Islam, von der Frühverkrippung von Kleinstkindern bis zur Zerstörung der klassischen Familie, von der Einschränkung des Sozialstaates auf ein bezahlbares Niveau bis zum Kampf gegen die Regulierungsabsurditäten Brüssels (Glühlampen, Staubsauger, Topflappen ) ... eine Alternative anbietet, wäre sie dann nicht mehr.

Bürgerliche Wähler, die eine Alternative suchen, müßten weiter auf eine solche warten und sich in die Wahlenthaltung zurückziehen.

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