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19.05.2015

14:44 Uhr

AfD vor der Spaltung

Ein Machtkampf – mit miesen Mitteln

In der AfD fliegen die Fetzen: Die Co-Vorsitzenden werfen Parteichef Bernd Lucke aus dem Mailverteiler. Dieser versucht per „Weckruf“ Unterstützer hinter sich zu scharen – und warnt vor einem deutschen Front National.

Bernd Lucke in Straßburg

„Die große Mehrheit der Parteimitglieder will diese AfD bewahren“

Bernd Lucke in Straßburg: „Die große Mehrheit der Parteimitglieder will diese AfD bewahren“

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BerlinIn der Alternative für Deutschland (AfD) wird jetzt mit harten Bandagen gekämpft. Wenige Stunden nachdem der liberale Flügel um den Parteivorsitzenden Bernd Lucke eine Kampagne gegen rechtsnationale Kräfte in der AfD gestartet hatte, ließen die Co-Vorsitzenden Frauke Petry und Konrad Adam Luckes Zugang zum Mail-Verteiler der Partei sperren. Als sich Lucke daraufhin beim Administrator der AfD beschwerte, blockierte dieser nach Angaben von Parteisprecher Christian Lüth vom Dienstag bis auf weiteres für alle den Zugriff auf die Mitglieder-Datenbank.

Die AfD wird seit längerem von einer schweren Führungskrise erschüttert. Luckes wichtigste Gegenspielerin in der AfD ist zur Zeit die Co-Vorsitzende Frauke Petry. Die Chefin des sächsischen Landesverbandes zeigt mehr Verständnis als er für „Wutbürger“ und rechtsnationale Kräfte. Lucke wirft ihr vor, die Parteimitglieder gegen ihn aufgehetzt zu haben.

Wer hält bei der AfD die Fäden in der Hand?

Bernd Lucke

Parteigründer Bernd Lucke (52) ist der mächtigste Mann in der AfD. Mit der bisher eher basisdemokratischen Führungsstruktur tut sich das ehemalige CDU-Mitglied schwer. Gerne würde er deutschnationale Kräfte und Mitglieder, die radikale Systemkritik wollen, loswerden. Lucke ist gläubiger Christ. Mit der provinziellen Deutschtümelei einiger AfD-Mitglieder kann er nichts anfangen.

Frauke Petry

Frauke Petry (39) stand als Co-Vorsitzende im Bundesvorstand anfangs im Schatten von Lucke. Seitdem die AfD 2014 mit 9,7 Prozent in den sächsischen Landtag eingezogen ist, hat sie an Profil gewonnen. Petry ist Politikneuling. Sie setzt sich im Landtag und auch in der eigenen Partei für mehr Basisdemokratie ein. Die Chemikerin wird dem rechten Flügel zugeordnet. Im Vergleich zu den Forderungen anderer Vertreter dieses Flügels sind ihre Positionen aber eher moderat. Petry ist mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet und hat vier Kinder.

Alexander Gauland

Alexander Gauland (74) gehört dem AfD-Bundesvorstand als Stellvertreter an. Sein Landesverband hatte im vergangenen Jahr mit 12,2 Prozent das bislang beste Landtagswahl-Ergebnis für die Partei eingefahren. Gauland ist ehemaliges CDU-Mitglied. Von 1987 bis 1991 leitete er die hessische Staatskanzlei. Gaulands Schwerpunkt ist die Asylthematik. Er will die AfD zu einer Partei machen, die sich vor allem den Sorgen der „kleinen Leute“ widmet.

Konrad Adam

Konrad Adam (73) ist ein konservativer Publizist. Er arbeitete unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Welt“. Lucke schätzt Adams rhetorische Fähigkeiten, reibt sich aber häufig an seinen Positionen, vor allem beim Thema Einwanderungspolitik. Adam gehört dem rechten Flügel an. Radikale Kräfte will er in er AfD nicht haben.

Björn Höcke

Björn Höcke (43) ist Wortführer einer Gruppe von rechten AfD-Mitgliedern, die sich eine Anti-Mainstream-Politik wünschen. Der Lehrer für Sport und Geschichte ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Im März veröffentlichte er die „Erfurter Resolution“. Darin heißt es, viele Mitglieder wünschten sich die AfD als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“. Nachdem Höcke vor einigen Tagen erklärt hatte, nicht alle NPD-Mitglieder seien extremistisch, forderte ihn Lucke zum Austritt aus der AfD auf.

Lucke und seine Mitstreiter werben inzwischen auf einer eigenen Website für ihre Initiative „Weckruf 2015“. Seine Initiative diene dazu, die AfD vor einer Spaltung zu bewahren, sagte Lucke am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Straßburg. Gerüchte über die Neugründung einer Partei wies der EU-Abgeordnete entschieden zurück. Es gehe darum, eine Diskussion über die grundsätzliche moderate Ausrichtung der Partei einzuleiten.

Mit Blick auf den starken rechtspopulistischen AfD-Flügel sprach Lucke von der Gefahr, durch einen „falschen Zungenschlag“ viele Mitglieder zu verlieren. „Wir sind keine Protest- und Wutbürger-Partei. Dies ist die nicht die Partei, die wir gegründet haben“, sagte Lucke. Mit dem „Weckruf“ will er die Kräfte des bürgerlich-liberalen Flügel bündeln und eine Abwahl populistischer und rechtsnationaler Kräfte beim Bundesparteitag im Juni zu bewirken. Neben Co-Chefin Petry, zugleich Vorsitzende des sächsischen Landesverbandes, zählen der Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland und der nordrhein-westfälischen Landeschef Marcus Pretzell zu Luckes Gegenspielern.

Noch deutlicher äußerten sich Lucke und seine Mitstreiter zuvor in einem Hintergrundgespräch mit Journalisten. Wie die Sueddeutsche Zeitung berichtet, warnten sie in der Runde vor einer Unterwanderung der Partei von rechts, vor der Entwicklung der AfD in eine antiamerikanische und antiislamische Protestpartei, eine Art deutschem Front National. Laut SZ wurde zudem auf das Dilemma hingewiesen, dass das Vermögen der Partei im Falle einer Abspaltung des liberalen Lagers einer solchen Gruppierung zufallen könne.

Kommentare (38)

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Frau Margrit Steer

19.05.2015, 11:42 Uhr

Man kann Lucke für dies oder das kritisieren, ja. Wr macht keine Fehler.
Aber in einem hat er Recht. Es sind inzwischen einige stram Rechte in der Partei und auh zu viele, die im wahren Leben No Bodys sind und durch die Partei was werden wollen.
Dass sich dagegen sehr viele wehren, ist logisch

Doro Mann

19.05.2015, 11:53 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Lung Wong

19.05.2015, 12:03 Uhr

Ich halte es für möglich, dass eine AfD reloaded 2.0 ohne nationalistische Putinversteher eine Chance auf den Bundestageinzug hat.

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