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06.07.2015

16:13 Uhr

AfD vor Spaltung

Lucke-Flügel plant schon die Konkurrenz-Partei

Nach dem Sieg der Nationalkonservativen steht die AfD vor dem Rechtsruck: Partei-Chefin Frauke Petry will primär Politik für islamkritische Bürger machen. Indes kündigen erste Lucke-Anhänger ihren Parteiaustritt an.

Die 40-Jährige will die Alternative für Deutschland nach rechts steuern. dpa

Die neue AfD-Chefin Frauke Petry

Die 40-Jährige will die Alternative für Deutschland nach rechts steuern.

EssenDie Alternative für Deutschland steht nach dem Sieg von Frauke Petry im Machtkampf mit Parteigründer Bernd Lucke vor der Spaltung. Die Unterstützer des von ihm initiierten Vereins „Weckruf 2015“ müssten jetzt entscheiden, ob die AfD noch ihre politische Heimat sei, kündigte der abgewählte Parteichef am Sonntag in Essen an. Eine Austrittswelle kündigt sich schon an. Als erstes hochrangiges Mitglied hat die Europaabgeordnete und schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Ulrike Trebesius ihren Austritt der Partei angekündigt.

Dies sei nicht mehr ihre Partei, sagte Trebesius am Montag dem Sender NDR 1 Welle Nord. Sie sei in eine Partei eingetreten, die Alternativen zur jetzigen Politik formulieren wollte. Die Entscheidungen auf dem Essener Parteitag stünden jedoch dafür, dass die Partei systemkritisch sein und Totalopposition ausüben wolle. Auch Bernd Kölmel, Baden-Württembergs AfD-Landesvorsitzender und Europaabgeordneter, tritt laut Informationen der FAZ aus der AfD aus.

Zuvor hatte bereits der frühere Industriepräsident Hans-Olaf Henkel laut ZDF bestätigt, dass er die AfD verlässt. Auf dem Parteitag hat sich die dem nationalkonservativen Parteiflügel zugerechnete Frauke Petry im Machtkampf mit dem Parteigründer Bernd Lucke um die Parteiführung durchgesetzt und war mit 60 Prozent der Stimmen gewählt worden. Luckes Anhänger vom wirtschaftsliberalen Flügel wollen nun in den kommenden Tagen über einen kollektiven Parteiaustritt entscheiden.

Wer hält bei der AfD die Fäden in der Hand?

Bernd Lucke

Parteigründer Bernd Lucke (52) ist der mächtigste Mann in der AfD. Mit der bisher eher basisdemokratischen Führungsstruktur tut sich das ehemalige CDU-Mitglied schwer. Gerne würde er deutschnationale Kräfte und Mitglieder, die radikale Systemkritik wollen, loswerden. Lucke ist gläubiger Christ. Mit der provinziellen Deutschtümelei einiger AfD-Mitglieder kann er nichts anfangen.

Frauke Petry

Frauke Petry (39) stand als Co-Vorsitzende im Bundesvorstand anfangs im Schatten von Lucke. Seitdem die AfD 2014 mit 9,7 Prozent in den sächsischen Landtag eingezogen ist, hat sie an Profil gewonnen. Petry ist Politikneuling. Sie setzt sich im Landtag und auch in der eigenen Partei für mehr Basisdemokratie ein. Die Chemikerin wird dem rechten Flügel zugeordnet. Im Vergleich zu den Forderungen anderer Vertreter dieses Flügels sind ihre Positionen aber eher moderat. Petry ist mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet und hat vier Kinder.

Alexander Gauland

Alexander Gauland (74) gehört dem AfD-Bundesvorstand als Stellvertreter an. Sein Landesverband hatte im vergangenen Jahr mit 12,2 Prozent das bislang beste Landtagswahl-Ergebnis für die Partei eingefahren. Gauland ist ehemaliges CDU-Mitglied. Von 1987 bis 1991 leitete er die hessische Staatskanzlei. Gaulands Schwerpunkt ist die Asylthematik. Er will die AfD zu einer Partei machen, die sich vor allem den Sorgen der „kleinen Leute“ widmet.

Konrad Adam

Konrad Adam (73) ist ein konservativer Publizist. Er arbeitete unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Welt“. Lucke schätzt Adams rhetorische Fähigkeiten, reibt sich aber häufig an seinen Positionen, vor allem beim Thema Einwanderungspolitik. Adam gehört dem rechten Flügel an. Radikale Kräfte will er in er AfD nicht haben.

Björn Höcke

Björn Höcke (43) ist Wortführer einer Gruppe von rechten AfD-Mitgliedern, die sich eine Anti-Mainstream-Politik wünschen. Der Lehrer für Sport und Geschichte ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Im März veröffentlichte er die „Erfurter Resolution“. Darin heißt es, viele Mitglieder wünschten sich die AfD als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“. Nachdem Höcke vor einigen Tagen erklärt hatte, nicht alle NPD-Mitglieder seien extremistisch, forderte ihn Lucke zum Austritt aus der AfD auf.

Zahlreiche weitere Mitglieder haben in den Landesverbänden die Absicht geäußert, die Alternative für Deutschland (AfD) zu verlassen. Das berichteten mehrere Parteifunktionäre aus Bayern, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg am Montag der Deutschen Presse-Agentur. 

Lucke unterlag bei der Vorstandswahl mit 38 Prozent klar der Vertreterin des nationalkonservativen Flügels. Für Petry stimmten 60 Prozent der rund 3500 Teilnehmer des Parteitags. Die 40-Jährige forderte die Auflösung des liberalen Weckrufs und will die Partei nach rechts steuern. Es könne sein, dass die AfD eine Rolle wie die rechtsextreme Partei Front National in Frankreich einnehmen werde, sagte Lucke, der für den wirtschaftsliberalen Flügel steht. Denkbar sei, dass die Weckruf-Unterstützer kollektiv aus der AfD austräten. Seinen eigenen Austritt bezeichnete er als „nicht unwahrscheinlich“.

Kommentare (15)

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Herr Peter Meier

06.07.2015, 10:04 Uhr

Russlandfreundliche Aussenpolitik, das hör ich doch gern.

Herr Jürgen Dannenberg

06.07.2015, 10:11 Uhr

Ich teile Herr Luckes Einstellung zum Islam absolut nicht. Da stehe ich eher auf der Seite von Petry.
Aber die Schnittstellen mit dem Lucke Anhang, wenn man ihn so bezeichnen will, überwiegen doch. Vor allen trage ich Sorge, das der neue Vorstand eine Klientel anzieht mit der ich schlicht und einfach nix zu tun haben will. Vor allen Dingen passt mir das Tölpelhafte Verhalten manchen Parteimietglieder nicht. Das kenne ich sonst nur von den Linken und Grünen.

Herr Fred Meisenkaiser

06.07.2015, 10:15 Uhr

Rußlandfreundliche Politik ist für Deutschland wirtschaftsfreundliche Politik. Und das schadet erfahrungsgemäß nicht.

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