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16.01.2015

12:58 Uhr

AfD-Vorsitz

Lucke setzt sich im Führungsstreit durch

Die Spitze der AfD hat ihren Streit um die Führungsstruktur der Partei beigelegt. Ab Dezember soll es nur noch einen Vorsitzenden geben. Das ist ein Erfolg für Parteigründer Bernd Lucke.

Bernd Lucke hat sich im Führungsstreit der Alternative für Deutschland durchgesetzt. dpa

Bernd Lucke hat sich im Führungsstreit der Alternative für Deutschland durchgesetzt.

BerlinAfD-Gründer Bernd Lucke hat sich im parteiinternen Machtkampf durchgesetzt. Der Bundesvorstand beugte sich am Freitag in Berlin seinem Willen und stimmte der Verkleinerung der Parteispitze von drei gleichberechtigten Sprechern auf einen Bundesvorsitzenden zu. Das geht aus dem Reuters vorliegenden Beschluss des Vorstandes hervor. Die Regelung gilt von Dezember an. Als Übergangslösung soll die rechtspopulistische Partei bis dahin von einer Doppelspitze geführt werden. Dies soll auf dem AfD-Parteitag Ende Januar in Bremen beschlossen werden.

Lucke, der mit seiner Kritik an Euro-Rettungsaktionen die AfD bekanntgemacht hat und das Gesicht der Partei ist, pocht seit Monaten auf eine Reform der Parteispitze. Zugleich signalisierte er, für diesen Posten bereitzustehen.

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Zurzeit wird die AfD von einem gleichberechtigten Führungstrio geleitet, dem neben Lucke auch Frauke Petry und Konrad Adam angehören. Lucke will nach eigenen Worten nur noch einen Parteivorsitzenden, um die AfD schlagkräftiger zu machen. Gegen den Vorschlag hatten sich neben Petry und Adam und auch Vizechef Alexander Gauland ausgesprochen.

Über die Jahreswende waren die Streitigkeiten offen ausgebrochen. Auslöser war die Einladung Luckes an alle Landes-, Kreis- und Bezirksvorsitzenden zu einer Konferenz in Frankfurt am 18. Januar zur Vorbereitung des Bremer Parteitages. Daraufhin warnten ihn etwa Petry, Adam und Gauland in einem Brief vor einer Parteiführung nach Gutsherrenart. Es habe den Anschein, als wolle Lucke vor dem Parteitag Funktionsträger „auf Linie bringen“.

Kommentare (23)

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Frau Nelly Sachse

16.01.2015, 11:48 Uhr

Erleichterung und großes Kompliment an die Partei, daß sie das Problem intern so schnell gelöst hat. Die Schadenfreude der Altparteien bekam somit einen gewaltigen Dämpfer und dem Siegesmarsch der AfD steht jetzt nichts mehr im Weg. Danke.

Herr Günther Schemutat

16.01.2015, 11:50 Uhr

Gut gemacht AFD , Zerwürfnisse in der AFD gespielt und Presse und Politiker stürzten sich förmlich darauf und das Ergebnis..
jeden Tag steht man in den Medien.

Jetzt ist man auch den letzten Wähler bekannt und schon steht man in Hamburg vor dem Einzug in das Tiefrote Rathaus.

Mehr muss man nicht sagen, so macht man sich bekannt , liebe alte FDP: und nicht als alter neuer Einheitsbrei Bewohner.

Die Merkel Sturz Partei AFD kann jetzt die Muskeln spielen lassen! Deutschland ist gesellschaftlich schon verrottet durch den Einheitsbrei.

Herr C. Falk

16.01.2015, 11:59 Uhr

Mit dieser internen Bereinigung eines Problems, das eigentlich nur ein Problem der Führungsebene war, zeigt die AfD, dass sie Politik "kann" und nicht den Weg der Piraten gehen wird.

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