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18.03.2016

21:01 Uhr

AfD-Wählerschaft

Wir protestieren – aber nur rechts!

VonEva Fischer

Der Großteil der AfD-Wähler hat bei den Landtagswahlen ihr Kreuz aus Protest gemacht. Die Linke, klassische Protestpartei, und andere rechte Parteien versagen dagegen. Drei Wissenschaftler erklären das Phänomen.

Die AfD konnte vor allem Nichtwähler mobilisieren dpa

Wahlurne bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Die AfD konnte vor allem Nichtwähler mobilisieren

DüsseldorfDas Vokabular der AfD-Wähler ähnelt sich: Von einem „Denkzettel“ gegen die „etablierten Parteien“ ist die Rede, von der Protestwahl gegen „die da oben“, von einer Abrechnung mit der Regierungspolitik in der Flüchtlingskrise. Bei den drei Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz holte die Alternative für Deutschland (AfD) zweistellige Ergebnisse – aus dem Stand. Andere Protestparteien – besonders die Linke – versagen.

Der Protest rückt nach rechts. Denn fast jeder zweite AfD-Wähler (47 Prozent) stimmte laut Umfrage des Forschungsinstituts Infratest dimap nicht aus Überzeugung, sondern aus Protest für die Partei. AfD-Wähler wählten den rechten Protest, statt den linken. Die Linke dagegen hat alle ihre Wahlziele verfehlt. Fast 40 Prozent der Arbeitslosen votierten laut der Umfrage allein in Sachsen-Anhalt für die AfD, insgesamt wanderten in dem Bundesland rund 30.000 Wähler von links nach rechts.

Die Gesichter der AfD

Frauke Petry

Geboren in Dresden, promovierte Chemikerin und Unternehmerin, Bundesvorsitzende der AfD. Mutter von vier Kindern, verheiratet mit dem AfD-Landeschef von Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell. Petry gilt als pragmatisch und ehrgeizig. Auch wenn sie verbal gerne Gas gibt – inhaltlich steht Petry eher in der Mitte der Partei.

Björn Hocke und Alexander Gauland

Björn Höcke, Chef der Thüringen-AfD, und Alexander Gauland, Brandenburger AfD-Chef und Bundesparteivize, haben einst gemeinsam „Fünf Grundsätze für Deutschland“ veröffentlicht. Darin wettern sie gegen die „multikulturelle Gesellschaft“ und behaupten, „die politische Korrektheit liegt wie Mehltau auf unserem Land“.

Jörg Meuthen

Meuthen ist geboren in Essen, promovierter Volkswirt, seit 1996 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Kehl (Baden-Württemberg), Co-Bundesvorsitzender der AfD, Fraktionschef seiner Partei im Landtagswahl von Baden-Württemberg; verheiratet, fünf Kinder. Meuthen gehört zu den wenigen prominenten Vertretern des liberalen Flügels, die nach dem Abgang von Bernd Lucke in der AfD geblieben sind.

Beatrix von Storch

Sie ist geboren in Lübeck, Jurastudium in Heidelberg und Lausanne (Schweiz), Rechtsanwältin, stellvertretende Bundesvorsitzende und AfD-Landesvorsitzende in Berlin, seit 2014 im EU-Parlament, verheiratet. Gilt als ultrakonservativ.

Marcus Pretzell

Marcus Pretzell (42) ist geboren in Rinteln (Niedersachsen), Jurastudium in Heidelberg, Rechtsanwalt und Projektentwickler, seit 2014 Vorsitzender der AfD in Nordrhein-Westfalen, Vater von vier Kindern, verheiratet mit Frauke Petry. Der Europaabgeordnete hat die AfD als „Pegida-Partei“ bezeichnet. Parteifreunde rechnen ihn aber nicht zum rechtsnationalen Flügel.

Wie weitere Wahlanalysen zeigen, kommen die AfD-Wähler aus sämtlichen politischen Lagern: Ehemalige Unions- sowie ehemalige Linke-Wähler befinden sich unter ihnen, im besonderen Umfang hat die rechtspopulistische Partei aber Nichtwähler mobilisiert. Das macht das Ergebnis so gefährlich für die etablierten Parteien. Sie alle mussten Federn lassen. Der Grünen-Politiker Winfried Kretschmann zeigte sich erschüttert, dass in Baden-Württemberg sogar 70.000 ehemalige Grüne-Wähler bei der AfD ihr Kreuz gesetzt hatten.

Diese Wählerwanderung in den rechtspopulistischen Protest erklärt Politikwissenschaftler Hendrik Träger mit dem Zusammenspiel mehrerer Ursachen. Eine sei die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung: „Dort konnte sich die AfD als politische Alternative für diejenigen positionieren, die gegen die Politik von Kanzlerin Angela Merkel sind“, sagt der Politik-Dozent der Unis Leipzig und Magdeburg. Außerdem habe die AfD von einer offenbar tiefgreifenden Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien profitiert.

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Der AfD-Wahlerfolg wird zum ernsten Problem für die Union. Immer lauter streiten jetzt CDU und CSU über den Flüchtlingskurs. Auch von außen wächst der Druck, mit Gegenmaßnahmen einen weiteren Rechtsruck zu verhindern.

„Beide Punkte fielen aus Sicht der AfD zu einem idealen Zeitpunkt vor den Landtagswahlen zusammen, sodass die Partei solche hohen Stimmenanteile erreichen konnte“, sagt der Parteienforscher. Der Düsseldorfer Politikprofessor Thomas Poguntke nennt noch einen anderen Grund: „Die CDU ist stark in die Mitte gerückt ist, weswegen es am konservativen Rand Platz gibt.“ Alle im Bundestag vertretenen Parteien unterstützten die Politik der Kanzlerin, mit der Ausnahme der CSU, die allerdings außerhalb Bayerns nicht zur Wahl steht. „Das alles zusammen hat Schub für eine Protestpartei gegeben.“

Dass diese Protesthaltung ausschließlich der AfD zugute kam, liegt laut Populismus-Forscher Marcel Lewandowsky auch an der Ausrichtung der Partei. „Die AfD hat im Gegensatz zu anderen Parteien dieses Spektrums nicht nur ein rechtspopulistisches, sondern auch ein konservatives und wirtschaftsliberales Profil“, erklärt der Wissenschaftler, der an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg lehrt.

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