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24.02.2011

13:46 Uhr

Affäre Guttenberg

Doktortitel für den Uni-Sponsor?

VonGero Brandenburg

Hat die Uni Bayreuth bei der Prüfung von Guttenbergs Doktorarbeit nur schlampig gearbeitet - oder bekam der Minister den Titel auch als verdienter Sponsor der Hochschule? Das legen neue Recherchen nahe.

Minister Karl-Theodor zu Guttenberg im Bundestag. Quelle: dapd

Minister Karl-Theodor zu Guttenberg im Bundestag.

Berlin/BayreuthFür die Universität Bayreuth wird die Plagiatsaffäre um Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg immer unangenehmer. Ihr Ruf als akademische Top-Einrichtung steht auf dem Spiel. Schließlich hat die Prüfungskommission der Hochschule Guttenbergs Dissertation vor Jahren für gut genug erachtet, um diese mit einem "Summa cum laude" zu würdigen. Gravierende Fehler und Mängel fielen damals offenbar nicht auf. Erst gestern wurde zu Guttenberg nachträglich sein Doktortitel aberkannt - eben weil die Arbeit "in erheblichem Umfang" gegen wissenschaftliche Standards verstoße habe, erklärte Hochschulpräsident Rüdiger Bormann.

Uni Bayreuth erkennt Guttenberg Doktortitel ab

Video: Uni Bayreuth erkennt Guttenberg Doktortitel ab

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Hat die damalige Prüfungskommission einfach nur schlampig und oberflächlich gearbeitet? So dass nicht auffiel, dass Guttenbergs Dissertation etliche Passagen enthält, die ursprünglich von anderen Autoren stammen. Das wäre ein peinlicher, aber verzeihlicher Fehler. Schlimmer wäre es, wenn sich ein nun aufkeimender Verdacht erhärten sollte. Nach Recherchen des Berliner "Tagesspiegels" gab es nämlich durchaus eine - zumindest indirekte - wirtschaftliche Verflechtung der Uni Bayreuth mit der Familie Guttenberg. Und dies wiederum ließe die Überlegung zu, dass die Hochschule einen ihrer Sponsoren mit akademischen Würden belohnt. Uni-Präsident Bormann hatte jegliche wirtschaftliche Beziehungen zur Familie Guttenberg in einer Pressekonferenz ausgeschlossen.

Laut "Tagesspiegel" hat sich Guttenberg jedoch während der Arbeit an seiner Promotion an der Universität Bayreuth durchaus als Sponsor betätigt. Zwischen 1999 und 2006 seien für einen neuen Lehrstuhl an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät insgesamt 747.764,36 Euro überwiesen worden, bestätigte die Rhön Klinikum AG. Guttenberg saß von 1996 bis 2002 im Aufsichtsrat der Rhön Klinikum AG, seine Familie hielt dort ein Aktienpaket. Der CSU-Politiker studierte von 1992 bis 1999 in Bayreuth Rechtswissenschaften und promovierte dort im Jahr 2007.

Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität in Bayreuth. Quelle: dpa

Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität in Bayreuth.

Die Rhön Klinikum AG, an der die familieneigene Beteiligungsgesellschaft derer zu Guttenberg über ihren Aktienbesitz beteiligt war, gehörte zu den Stiftern des Lehrstuhls für Medizinmanagement, der bei der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät angesiedelt ist. Man habe an der Einrichtung des Studienganges „Diplom-Gesundheitsökonomie“ Interesse gehabt, „weil der Arbeitsmarkt zu wenig qualifizierte Nachwuchskräfte für eine Aufgabe im Krankenhausmanagement anbot“, sagte ein Sprecher der AG. Mit den für Guttenberg zuständigen Fakultätsprofessoren habe man nichts zu tun gehabt. Das Engagement sei vor fünf Jahren beendet worden, die letzte Rate floss am 4. April 2006.

Die Verbindungen zum Alumnus Karl-Theodor zu Guttenberg werden an der Uni Bayreuth derzeit mit sehr gemischten Gefühlen gesehen. Als Werbefigur taugt der Minister offenbar nicht mehr. Der Imagefilm mit Guttenberg werde „derzeit überarbeitet“, ist auf der Homepage der Jura-Fakultät zu lesen. Die Uni will nun ihrerseits prüfen, ob Guttenberg die Prüfungskommission bewusst getäuscht hat.

Kommentare (8)

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24.02.2011, 15:24 Uhr

Am Ende kommt doch alles heraus. Diese Lebenserfahrung hat der junge nassforsche Karrierist nicht durch seine adlige Herkunft erlangen können. "Gehe zurück auf Los", bzw. es wäre eine Stelle im Unterhaltungsbereich frei, da könnte der Freiherr weniger Schaden anrichten.

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24.02.2011, 15:29 Uhr

SOFORTIGER RÜCKTRITT UND RÜCKZUG ALS ALLEN POLITISCHEN ÄMTERN!! In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich?? Es kann doch nicht sein, dass sich kein Deutscher Staatsbürger dafür interesstiert, dass wir einen Dieb als Verteidigungsminister beschäftigen!! Wir sind das Volk! Wir müssen etwas unternehmen! Wir müssen auf die Strasse gehen! Es ist unser Recht in der Demokratie!! Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung!!! Wie können die anderen deutschen Staatsbürger nur so blind sein?? P6LeYP

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24.02.2011, 17:18 Uhr

Ein äußerst bizarres Bild, das da auf "unsere Demokratie" fällt: Das sich engagiert gebärdende Räderwerk des Polit-Estrablishments ist zur Volksverdummungsmaschine Potjemkinscher Prägung und die Parlamente sind zu hochdotierten Politiker-Versorgungswerken mit Airbag zur Erlangung von noch besser dotierten Aufsichtsrats- und Lobbyistenposten verkommen. Minister "XEROX von und zu Copy Cut And Paste" hat es nun leider schwer; ein derartig und so unerwartet ramponiertes "Aushängeschild" könnte vorerst zum Ladenhüter werden, deshalb muß er sich nun möglichst lange und mit aller Macht an "Muttis" Rockzipfel festhalten... Ein Beweis mehr, wie sittlich verkommen Deutschland inzwischen geworden ist. Die Masse hat sich inzwischen an Schummeleien, Vetternwirtschaft und andere Abartigkeiten gewöhnt und gibt sich pseudo-liberal, deshalb wird der Minister auch von ca. 75% der "Befragten" für weiterhin im Amt "tragbar" gehalten. Aus dem "Land der Dichter und Denker" ist das Land der Trickser und Blender geworden...

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