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14.04.2011

07:03 Uhr

Affäre um Doktorarbeit

Kubicki sieht Koch-Mehrins politische Zukunft auf dem Spiel

Nach den Plagiatsvorwürfen gerät die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin in der eigenen Partei unter Beschuss. Der Fraktionschef der Liberalen in Kiel, Wolfgang Kubicki, geht schon von ihrem Rücktritt aus.

Unter Druck: Silvana Koch-Mehrin. Die Uni Heidelberg untersucht die Plagiatsvorwürfe gegen die FDP-Politikerin Quelle: dpa

Unter Druck: Silvana Koch-Mehrin. Die Uni Heidelberg untersucht die Plagiatsvorwürfe gegen die FDP-Politikerin

Heidelberg/KielDer schleswig-holsteinische Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki sagte dem Bremer „Weser-Kurier“: „Wir werden abwarten müssen, was die Universität Heidelberg dazu sagt. Ich kann mir schwer vorstellen, dass das politische Ergebnis, sollte sich der Verdacht als zutreffend erweisen, in der Dimension ein anderes wäre als bei Herrn zu Guttenberg. Wenn das so wäre, wäre es für sie (Koch-Mehrin) bitter.“

Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) war am 1. März von allen Ämtern zurückgetreten, nachdem im Internet zahlreiche Textpassagen aus seiner Doktorarbeit aufgetaucht waren, die er von anderen Autoren übernommen hatte, ohne dies mit Fußnoten kenntlich zu machen. Auch Koch-Mehrin - Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments - ist in Verdacht geraten, für ihre von der Uni Heidelberg betreute Doktorarbeit abgeschrieben zu haben.

Nach Plagiatsvorwürfen gegen Silvana Koch-Mehrin prüft die Universität Heidelberg, ob sie künftig von ihren Doktoranden eidesstattliche Versicherungen verlangt. Das sagte der Vorsitzende der „Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“, Professor Thomas Rausch. „Es kann und darf aber keinen Generalverdacht geben, daher haben wir an der Universität Heidelberg grundlegende Bedenken gegen den Einsatz technischer Prüfverfahren, die im übrigen oft auch unausgereift sind“. Die Universität setze auf die persönliche Verantwortung.

Die Hochschule untersucht die Vorwürfe gegen Koch-Mehrin. „Der beste Schutz vor Plagiaten in Dissertationen ist eine gute Betreuung der Doktoranden und eine möglichst frühe Einübung der Regeln für wissenschaftliches Arbeiten bereits im Studium“, sagte Rausch. Vorsätzlicher Betrug sei allerdings niemals auszuschließen. Laut Rausch hat die Uni Heidelberg bisher einen Doktortitel aberkannt. „Wir befinden uns seit drei Jahren im Rechtsstreit mit diesem Doktoranden“. Derzeit ist eine Arbeit in der Diskussion, in der eine Passage aus einer anderen Dissertation abgeschrieben wurde.

FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein: Wolfgang Kubicki. Quelle: dpa

FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein: Wolfgang Kubicki.

Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, hat derweil davor gewarnt, einen Generalverdacht gegen die Wissenschaft aufzubauen. Dies sei unverantwortlich gegenüber dem sehr engagierten wissenschaftlichen Nachwuchs, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag). „Wir reden hier nicht von einem Massenphänomen, sondern von Einzelfällen, die sehr wohl äußerst bedauerlich sind.“ Es gelte, diese Fälle, Ursachen und Motive genau zu analysieren und daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

Unterdessen zog SPD-Innenexperte Sebastian Edathy die Entscheidung von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in Zweifel, gegen Guttenberg keinen Strafantrag wegen der Plagiatsaffäre zu stellen. „Der Bundestagspräsident sollte der Öffentlichkeit erläutern, warum er von der Stellung eines Strafantrages absehen will“, sagte Edathy der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Online-Ausgabe). „Wenn das Urheberrecht des Bundestages verletzt wurde und das keine Konsequenzen hat, würde ein negativer Präzedenzfall geschaffen.“

Lammert hatte für den Verzicht auf den Strafantrag keine Gründe genannt.

Von

dpa

Kommentare (15)

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14.04.2011, 07:50 Uhr

Täuschen und Betrügen ist das normale Tagesgeschäft der Politik schlechthin. Es hilft nur mit eisernem Besen dieses Pack hinwegzufegen. Aber dazu müßte der Bürger erst einmal seinen Hintern hochkriegen und sich nicht mehr nur mit "Brot und Spielen" abspeisen lassen.

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14.04.2011, 08:08 Uhr

Es wird keine juristische Verfolgung geben. Dazu hat diese Frau ein zu mächtiges Netzwerk, das dieses verhindern wird. Zwar wird sie vorübergehend auf Tauchstation gehen, aber man sollte ihre Verbindungen nicht unterschätzen. Das Bananenimperium der EU und die deutsche Laienspieltruppe in Brüssel und Berlin lassen niemand aus ihrer Seilschaft fallen. Auf der Strecke bleibt der Bürger, der diese Speckmaden zwangsalimentieren muß, und der immer mehr bezahlt ohne irgendeine Gegenleistung.

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14.04.2011, 08:09 Uhr

Es wird keine juristische Verfolgung geben. Dazu hat diese Frau ein zu mächtiges Netzwerk, das dieses verhindern wird. Zwar wird sie vorübergehend auf Tauchstation gehen, aber man sollte ihre Verbindungen nicht unterschätzen. Das Bananenimperium der EU und die deutsche Laienspieltruppe in Brüssel und Berlin lassen niemand aus ihrer Seilschaft fallen. Auf der Strecke bleibt der Bürger, der diese Speckmaden zwangsalimentieren muß, und der immer mehr bezahlt ohne irgendeine Gegenleistung.

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