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04.01.2010

15:44 Uhr

Afghanistan-Abzug

Käßmann zieht sich Unmut der Bundesregierung zu

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann, hat mit Äußerungen zum Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan für erheblichen Wirbel gesorgt. Nicht nur der Soldatenverband zeigte sich empört, auch die Bundesregierung ging auf Distanz zu der Bischöfin. Käßmann selbst fühlt sich zu Unrecht kritisiert und wehrt sich.

Die hannoversche Bischöfin selbst zeigte sich empört darüber, was aus ihrer Predigt gemacht worden sei. Quelle: dpa

Die hannoversche Bischöfin selbst zeigte sich empört darüber, was aus ihrer Predigt gemacht worden sei.

HB HANNOVER. Die Bundesregierung ging auf deutliche Distanz zur Bischöfin. „Es gibt hier eine Meinungsverschiedenheit“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans am Montag in Berlin. „So wie andere Meinungen unseren Respekt haben, sollten auch diejenigen Respekt erfahren, die es sich ja mit einer Entscheidung für den Afghanistan-Einsatz nicht leicht gemacht haben oder nicht leicht machen.“

Unterdessen will Außenminister Guido Westerwelle (FDP) noch vor der Afghanistan-Konferenz Ende Januar das Gespräch mit den Bundestagsfraktionen für eine gemeinsame Haltung suchen. Deutschland ist derzeit mit bis zu 4500 Soldaten in dem Land am Hindukusch engagiert.

Mit Blick auf Käßmann sagte der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Oberst Ulrich Kirsch, der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“: „Es wäre besser gewesen, wenn Käßmann vor ihrer Predigt das Gespräch mit den Soldaten über ihre schwierige Aufgabe gesucht hätte.“ Ihr Nein zum Afghanistan-Einsatz schaffe nur neue Frustrationen.

Die hannoversche Bischöfin selbst zeigte sich empört darüber, was aus ihrer Predigt gemacht worden sei. Sie habe nie einen sofortigen Abzug gefordert, sondern einen erkennbaren Plan für den Abzug, sagte sie der „Bild“-Zeitung. Nicht in ihrer Neujahrspredigt, aber in einem Interview zu Weihnachten hatte sie allerdings auch gesagt: „Auch nach den weitesten Maßstäben der Evangelischen Kirche in Deutschland ist dieser Krieg so nicht zu rechtfertigen.“ Und: „Möglichst bald sollten die deutschen Soldaten aus Afghanistan abgezogen werden.“

Kommentare (7)

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W. Fischer

04.01.2010, 17:16 Uhr

Sehr geehrte Frau bischöfin Käßmann, bitte nehmen sie sich zurück, es ist unerträglich ihr Geplapper. bringen sie erst ihr Haus in Ordnung, bevor sie sich neue betätigungsfelder suchen. ich würde ihnen dringend raten, sich als bischöfin um die Menschen zu kümmern, und weniger um Politik.
Danke

nds-universal1909

04.01.2010, 17:34 Uhr

Schon sehr komisch, da ist Frau Käßmann für den Frieden und schon bekommt sie Ärger von allen Seiten und dann auch noch Kommentare von jedweder intelligenz. Zivilcourage und offene Kritik an dem Afghanistan-Wahnsinn, damit kann bei unserem "verblödetem" Volk keinen Suppentopf gewinnen. Trotzdem, Frau Käßmann, bleiben Sie standhaft in ihrem Tun. Auch dafür ist der Glaube und die Kirche da.

H. Maier

04.01.2010, 18:04 Uhr

Verstehe den Politischen Aufruhr nicht. Der Text der mir vorliegt, geht nicht davon aus, dass die Dundeswehr sofort zurückgezogen werden soll. Selbst die FDP und auch Minister zu guttenberg sprechen von Abzugsstrategien.
Glaube eher, dass die Politiker Kaste eher sich gemüßigt fühlt, den klaren Worten die Frau bischöfin Käßmann findet, Widerspruch zu entgegnen, da sie die Politiker bisher versuchten den Afghanistan-Einsatz klein geredt zu haben. Das Volk war aber schon etwas weiter. Den Vernünftigen war lange vorher klar, dass es schon eher um Krieg gegen den Terror ging. - Leider kommen dabei dann immer auch Zivilisten zu Schaden.
im Kampf gegen Terroristen ist schwer zu erkennen, wer ist Terrorist, wer Zivilist. - in Kundus war die Frage 10, 30 oder 78 Zivilisten? Und dies bis heute. - Jeder Zivilist ist einer zuviel.

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