Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2014

06:42 Uhr

Afghanistan

Bundeswehr verschweigt Zahl der Taliban-Anschläge

In einem Jahr endet der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan, aber die Sicherheitslage ist immer noch beunruhigend. Die Zahl der Angriffe will die Bundeswehr nicht mehr herausgeben. Den Grund liefern die Verbündeten.

Nach Abschluss der Isaf-Mission Ende 2014 bleibt die Bundeswehr noch zu Ausbildungs- und Beratungszwecken in Afghanistan. dpa

Nach Abschluss der Isaf-Mission Ende 2014 bleibt die Bundeswehr noch zu Ausbildungs- und Beratungszwecken in Afghanistan.

BerlinDie Bundeswehr veröffentlicht keine Statistik der Taliban-Angriffe in Nordafghanistan mehr. Das Einsatzführungskommando begründete den Schritt mit ungenauen und verzögerten Angaben der afghanischen Streitkräfte. Für 2013 liegen damit nur für das erste Halbjahr Zahlen vor, die auf einen deutlichen Anstieg der Anschläge und Angriffe im Gesamtjahr hindeuten. In den ersten sechs Monaten wurden im nordafghanischen Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr 826 „sicherheitsrelevante Zwischenfälle“ registriert. Im gesamten Jahr 2012 waren es 1228.

Die Bundeswehr hat die Sicherheitsverantwortung in ihrem nordafghanischen Zuständigkeitsgebiet inzwischen komplett an die Afghanen übergeben. Deswegen ist sie bei der Erfassung der Taliban-Angriffe auf die afghanischen Verbündeten angewiesen. Dies habe zu einer „abnehmenden Genauigkeit und zeitgerechten Verfügbarkeit der Meldungen“ geführt, heißt in der Antwort des Einsatzführungskommandos auf eine dpa-Anfrage zur Sicherheitslage.

Es sei davon auszugehen, dass die Statistik weiter an Wert verlieren werde. Zudem seien die Zahlen nur ein Kriterium bei der Gesamtbewertung der Sicherheitslage. „Aus diesen Gründen wird auf die Veröffentlichung der SRZ-Statistik verzichtet“, erklärte das Einsatzführungskommando. SRZ steht für „sicherheitsrelevante Zwischenfälle“.

Die Bundeswehr musste bereits im vergangenen Jahr wegen Ungenauigkeiten seitens der Afghanen die Statistik für 2012 deutlich korrigieren. Daraus ergab sich dann ein Anstieg um etwa ein Viertel im Vergleich zu 2011. Auf welcher Grundlage die Sicherheitslage künftig bewertet werden soll, ist laut Einsatzführungskommando noch unklar. Es werde derzeit „ressortübergreifend ein neuer Bewertungsansatz erarbeitet, der die verschiedenen, für die Bewertung der Sicherheitslage relevanten Einflussfaktoren umfassen soll“, heißt es.

Die Bundeswehr beendet Ende 2014 mit dem Abschluss der Isaf-Mission ihren Kampfeinsatz in Afghanistan, will aber zu Ausbildungs- und Beratungszwecken im Land bleiben. Die Angriffe der Taliban richten sich verstärkt gegen afghanische Soldaten und Polizisten. Das liegt auch daran, dass deutsche Soldaten immer seltener außerhalb der sicheren Feldlagermauern unterwegs sind. Die deutschen Stützpunkte in Kundus und Feisabad wurden bereits an die Afghanen übergegeben, der Bundeswehr ist nur noch ihr Hauptquartier in Masar-i-Scharif geblieben.

Von

dpa

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.01.2014, 09:51 Uhr

Bundeswehr verschweigt Zahl der Taliban-Anschläge. Nach dieser langen Zeit der Bundeswehr in Afghanistan, ist es eine vernichtende Bilanz ihres Einsatzes am Hindukusch.
Es wurden Menschen verletzt und getötet, es wurden Unsummen Steuergelder in den Sandgesetzt, und was bleibt von diesem Einsatz, fast nichts. Die wo für diesen einsatzgestimmt haben, müssten diesen aus ihrem Privatvermögen und ihren Pensionen bezahlen, vielleicht würden dann andre Politiker vorsichtiger mit Krieg umgehen.
Für mich stellt es sich so dar, wie seiner Zeit der Einsatz der Legion Kondor in Spanien, die Bundeswehr sollte unter realen Bedingungen Üben, für weiter Einsätze für die USA.
Die Freiheit des deutschen Volkes wird hier bei uns Verteidigt, und nicht am Hindukusch, oder Bosnien oder anders wo.

N_K

07.01.2014, 10:18 Uhr

"Bundeswehr verschweigt Zahl der Taliban-Anschläge"

Das ist eine weitere "Vertrauensbildende Maßnahme" voller Ehrlichkeit, Offenheit, Glaubwürdigkeit usw. gegenüber der Bevölkerung. Schließlich muß unsere Freiheit mit Kuschen bezahlt werden.

[...]

Würde über die Kriegsspielchen wahrheitsgemäß berichtet, könnten sich ja vielleicht noch mehr Bürger für unsere Führungs-Experten begeistern.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

07.01.2014, 11:14 Uhr

Ach, waren Sie dabei, als Obama das gesagt haben soll?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×