Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.06.2013

11:18 Uhr

Afghanistan

De Maizière: Lage im Einsatzgebiet ist „labil“

Die Lage im Einsatzgebiet der Bundeswehr ist immer noch alles andere als stabil, das musste der Verteidigungsminister auf seiner jüngsten Reise nach Afghanistan feststellen. An den Abzugsplänen ändert das nichts.

Seine spontane Reise zu den Bundeswehrsoldaten wurde von einigen Beobachtern auch als Flucht vor der Kritik an seiner Person in der Drohnenaffäre gewertet. Doch auch im Ausland warten keine guten Nachrichten auf Thomas de Maizière, die Sicherheitslage in Afghanistan ist labil. dpa

Seine spontane Reise zu den Bundeswehrsoldaten wurde von einigen Beobachtern auch als Flucht vor der Kritik an seiner Person in der Drohnenaffäre gewertet. Doch auch im Ausland warten keine guten Nachrichten auf Thomas de Maizière, die Sicherheitslage in Afghanistan ist labil.

Masar-i-Scharif Die Situation im nordafghanischen Einsatzgebiet der Bundeswehr ist nach den Worten von Verteidigungsminister Thomas de Maizière hinter den Erwartungen zurückgeblieben. „Die Sicherheitslage bleibt labil“, sagte de Maizière am Freitag zum Abschluss seines Truppenbesuchs in Masar-i-Scharif. „Wir haben uns größere Fortschritte erhofft im Vergleich der letzten zwei Jahre.“

Die Bundeswehr musste Ende Mai ihre Statistik korrigieren und einräumen, dass die Zahl gewaltsamer Zwischenfälle im vergangenen Jahr im Norden um ein Viertel zugenommen hatte. Der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan soll in eineinhalb Jahren beendet werden.

„Wir sind auf einem ordentlichen, guten, aber keinem vollständig zufriedenstellenden Weg“, sagte de Maizière. „Dieses Land wird nie ein ganz ruhiges und sicheres Land werden, wie wir das in Deutschland gewohnt sind. Aber wir arbeiten an einem angemessenen Sicherheitsniveau in afghanischer Verantwortung, und da bleibe ich begrenzt zuversichtlich.“

Zu den geplanten Friedensverhandlungen mit den afghanischen Taliban im Golf-Emirat Katar sagte der Minister, die Gespräche müssten unter afghanischer Führung stattfinden. Er sprach sich dafür aus, die Verhandlungen nicht öffentlich zu führen.

Die Einsätze der Bundeswehr

Türkei

Auf Bitten der türkischen Regierung beteiligen sich 304 Soldaten der Bundeswehr an der Nato-Operation „Active Fence“ im Grenzgebiet zu Syrien.

Afghanistan/Usbekistan

4135 Soldaten sind Teil der internationalen Sicherheits- und Aufbautruppe Isaf mit Schwerpunkt im Norden Afghanistans. Zudem ist ein Soldat als Vertreter der Bundeswehr bei der Mission der Vereinten Nationen (Unama).

Kosovo

754 Soldaten sollen als Teil der von der Nato geführten internationalen KFOR-Truppe die Unabhängigkeit des Kosovos sichern.

Horn von Afrika

Im Rahmen der EU-Mission Atalanta schützen 327 Marinesoldaten am Horn von Afrika Schifffahrtsrouten vor somalischen Piraten.

Libanon

163 Marinesoldaten sind im Unifil-Einsatz zur Absicherung der Küstengewässer. Sie sollen vor allem Waffenschmuggel verhindern.

Mittelmeerraum

Die Nato-Mission „Active Endeavour“ (OAE) dient der Überwachung und Terrorismusabwehr im Mittelmeer. Das Mandat endet am 31. Dezember 2013. Aktuelle Zahlen zum Einsatz von Soldaten gibt es derzeit nicht.

Südsudan

15 Soldaten sind Teil der internationalen Unmiss-Mission für Friedenssicherung und den Aufbau des neuen Staates Südsudan.

Sudan

Die internationale Unamid-Mission in Darfur überwacht den Waffenstillstand zwischen Regierungstruppen und Rebellen. 13 deutsche Soldaten sind beteiligt.

Uganda

Zwölf Militärberater sind Teil der EU-Ausbildungsmission (EUTM) zur Stabilisierung Somalias.

Deutschland

41 Angehörige hat der Sanitätsdienst mit Basis in Deutschland für internationale flugmedizinische Notfalleinsätze (STRATAIRMEDEVAC).

Demokratische Republik Kongo

Drei Berater unterstützen im Rahmen des EU-Einsatzes (Eusec RD Congo) die Reform des Sicherheitssektors.

Die Taliban hatten am Dienstag ein Verbindungsbüro in Doha eröffnet. Zum Ärger der afghanischen Regierung hissten sie dort vorübergehend die Taliban-Flagge. Außerdem brachten sie zunächst ein Schild an, dass das Haus als Büro des „Islamischen Emirats Afghanistan“ auswies.

„Die Taliban haben zu Beginn provoziert“, sagte de Maizière. „Das war ärgerlich.“ Bei einem Treffen mit de Maizières kritisierte auch der mächtige Gouverneur der Provinz Balkh, Mohammad Atta, dass die Taliban die Insignien ihres Ende 2001 gestürzten Regimes zur Schau stellten. „Das hat uns natürlich sehr gestört“, sagte Atta.

Dennoch warb auch Atta – der aufseiten der Nordallianz gegen das radikalislamische Taliban-Regime gekämpft hatte – für Friedensgespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Aufständischen. „Das ist für uns sehr wichtig, dass die Afghanen alle zusammen für die Zukunft Afghanistans arbeiten.“ De Maizière hatte sich bereits am Donnerstag für Friedensgespräche ausgesprochen.

Zu den Einsatzzeiten deutscher Soldaten in Afghanistan sagte der Minister, die vorgesehen Einsatzdauer von vier Monaten werde nur in 60 bis 70 Prozent der Fälle nicht überschritten. Die angestrebten 20 bis 21 Monate Ruhezeit zwischen Einsätzen sei ebenfalls „nicht immer einzuhalten“. Das Ministerium arbeite daran, die Bedingungen zu verbessern. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete am Freitag, viele Soldaten müssen länger und häufiger in Einsätze, als vom Verteidigungsministerium vorgesehen.

Der Verteidigungsminister war zum zwölften Mal seit seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren in Afghanistan. Am Freitag beendete de Maizière seinen zweitägigen Besuch und reiste zurück nach Deutschland.

Von

dpa

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Vicario

21.06.2013, 12:19 Uhr

Zitat : „Wir sind auf einem ordentlichen, guten, aber keinem vollständig zufriedenstellenden Weg“, sagte de Maizière. „Dieses Land wird nie ein ganz ruhiges und sicheres Land werden, wie wir das in Deutschland gewohnt sind.

- und deswegen bemüht sich Die Misere auch weiterhin jährlich 500 Mio. € Steuergelder in das demokratisch unterentwickelte Land zu transferieren....um unsere Demokratie dort zu verteidigen !

Er weiß aber auch, dass diese Gelder auf dem Privatkonto in der Schweiz beim Mafiosi Karsai landen......er erklärt aber öffentlich, dass er vom Flurfunk nichts chalte....?!!!!!

Drust

21.06.2013, 13:22 Uhr

Wer haftet eigentlich für die jahrelangen Fehlinvestitionen in das Fass ohne Boden? Alle Altparteien haben diesen Murks herbeigeführt. Afghanistan wird wieder absaufen, sobald die Besetzer verschwunden sind. Schuldig sind die Immunitätsgeschützten leider nicht. Die machen sich ihre Gesetze selbst.

Angelika

21.06.2013, 13:59 Uhr

Zitat aus dem Artikel:
"Zu den Einsatzzeiten deutscher Soldaten in Afghanistan sagte der Minister, die vorgesehen Einsatzdauer von vier Monaten werde nur in 60 bis 70 Prozent der Fälle nicht überschritten. Die angestrebten 20 bis 21 Monate Ruhezeit zwischen Einsätzen sei ebenfalls „nicht immer einzuhalten“. Das Ministerium arbeite daran, die Bedingungen zu verbessern. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete am Freitag, viele Soldaten müssen länger und häufiger in Einsätze, als vom Verteidigungsministerium vorgesehen."


Hat De Maiziere hiervon mal wieder aus den Medien erfahren?

Zu behaupten man arbeite daran, ist ein wenig dürftig!

Verstöße in Größenordnungen von bis zu 40% sind nicht hinnehmbar.

Nach eigenem Bekunden litt De Maiziere bereits bei dem sich selbst auferlegten Schweigen in der Drohnenaffäre. Offensichtlich fehlt es De Maiziere an Fingerspitzengefühl. Die Soldaten leiden an den psychischen Folgen der Kriegseinsätze. De Maiziere stellt seine "Leiden" über die der Soldaten, die jeden Tag ihr Leben für eine sinnlose Mission in Afghanistan riskieren. Ein Narzisst wie er im Bilderbuch steht, während die Kameraden verheizt werden und am Ende auch noch mit psychischen Problemen alleine gelassen werden.

Freiwillig will bald niemand mehr in die DeMaiziersche Sklavenarmee. Genauso gut kann man sich bei Hartz4-ähnlichem Lohngefüge verheizen lassen. Dafür bleibt man am Leben und endet nicht im Stich gelassen als psychisches Dauerwrack.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×