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15.12.2011

12:41 Uhr

Afghanistan

Der Abzug der Bundeswehr kann beginnen

Für Guido Westerwelle stellt das Jahr 2011 einen Wendepunkt in Afghanistan dar. Das Land stehe besser da als vor einem Jahr, sagte der Außenminister zum Auftakt seiner Rede im Bundestag.

Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan: Der Abzug kann beginnen. dapd

Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan: Der Abzug kann beginnen.

BerlinDeutschland will im Februar mit dem Abzug seiner Truppen aus Afghanistan beginnen. Dies sei angesichts einer verbesserten Sicherheitslage am Hindukusch verantwortbar, betonten Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Donnerstag im Bundestag in Berlin. Dort stand das neue Afghanistan-Mandat erstmals zur Beratung an. Ein Beschluss dazu soll im Januar fallen.

Das neue Mandat sieht vor, dass ab Februar die Obergrenze um 450 auf 4.900 Soldaten gesenkt werden soll. Innerhalb von zwölf Monaten soll die Truppenstärke um knapp ein Fünftel auf 4.400 Mann sinken, wenn es die Lage zulässt.

Während die SPD bereits Zustimmung signalisierte, wollen Linke und Grüne das neue Mandat nicht mittragen. Grundsätzlich zweifelten die drei Oppositionsparteien an der Darstellung von Westerwelle, dass zehn Jahre nach Beginn des Afghanistankriegs ein „Wendepunkt“ erreicht worden sei. Laut de Maizière sind die sicherheitsrelevanten Zwischenfälle in den vergangenen Monaten jedoch deutlich gesunken.

Anschläge auf deutsche Soldaten

29. Mai 2003 - Mine am ISAF-Camp

Ein Geländewagen fährt in der Nähe des deutschen ISAF-Camps in Kabul auf eine Mine. Ein deutscher Soldat stirbt.

7. Juni 2003 - Sprengstoff im Taxi

In Kabul werden bei einem Selbstmordattentat vier Bundeswehrsoldaten getötet und 29 verletzt. Ein mit 150 Kilogramm Sprengstoff beladenes Taxi explodierte neben einem Bundeswehrbus.

25. Juni 2005 - Sprengfalle in Tachar

In der Provinz Tachar bei Kundus kommen bei einer Entwaffnungsaktion im Distrikt Rustak zwei deutsche Soldaten ums Leben. Die Soldaten waren in eine Sprengfalle geraten.

14. November 2005 - Selbstmordattentäter

In Kabul reißt ein Selbstmordattentäter einen Bundeswehrsoldaten mit in den Tod, zwei weitere werden verletzt.

19. Mai 2007 - Tod auf dem Markt

Bei einem Selbstmordanschlag eines Taliban- Terroristen auf einem Markt in Kundus werden drei Soldaten einer Fußpatrouille getötet, zwei weitere verletzt.

6. August 2008 - Selbstmordattentäter

Bei einem Selbstmordanschlag nahe Kundus werden drei Soldaten verletzt, zwei von ihnen schwer. Einer stirbt Anfang Oktober 2009 an den Spätfolgen.

27. August 2008 - Sprengfalle

Eine Patrouille der Bundeswehr gerät in der Nähe von Kundus in eine Sprengfalle. Ein Soldat stirbt, drei weitere werden verletzt.

20. Oktober 2008 - Selbstmordattentäter

Zwei deutsche Soldaten sterben bei einem Selbstmordanschlag nahe der Stadt Kundus. Die radikal-islamischen Taliban bekennen sich zu dem Anschlag.

29. April 2009 - Hinterhalt

In der Nähe der Stadt Kundus gerät eine Patrouille der Bundeswehr in einen Hinterhalt. Ein deutscher Soldat kommt ums Leben, vier weitere werden verletzt.

23. Juni 2009 - Feuergefecht

Nach einem Feuergefecht in der Region Kundus sterben drei Bundeswehrsoldaten. Sie waren bei einem Ausweichmanöver mit ihrem Transportpanzer umgekippt.

2. April 2010 - Schwere Gefechte

Bei schweren Gefechten im Unruhedistrikt Char Darah südwestlich von Kundus-Stadt werden drei Bundeswehrsoldaten getötet. Acht weitere Deutsche werden schwer verletzt.

15. April 2010 - Ferngezündete Sprengfalle

Bei zwei Anschlägen nahe Baghlan fallen vier Bundeswehrsoldaten. Drei sterben in ihrem gepanzerten Fahrzeug „Eagle IV“ bei der Detonation einer ferngezündeten Sprengfalle. Ein Oberstabsarzt kommt ums Leben, als sein gepanzertes Sanitätsfahrzeug von Aufständischen beschossen wird.

7. Oktober 2010 - Selbstmordanschlag

Ein Selbstmordanschlag der Taliban reißt einen Bundeswehrsoldaten in den Tod. Sechs Soldaten werden verletzt, davon zwei schwer.

18. Februar 2011 - Blutbad im Norden

Bei einem Blutbad im Bundeswehr-Außenposten „OP North“ in der Provinz Baghlan tötet ein afghanischer Soldat zwei deutsche Bundeswehr-Angehörige. Es gab mehrere Schwerverletzte.

25. Mai 2011 - Sprengstoffanschlag auf Patrouille

Bei einem Sprengstoffanschlag auf eine deutsche Patrouille in Afghanistan wird ein Bundeswehrsoldat getötet. Ein weiterer Soldat und ein afghanischer Übersetzer werden verletzt. Der Anschlag ereignete sich in der Unruheprovinz Kundus.

28. Mai 2011 - Anschlag in Tachar

Bei einem Anschlag auf ein Treffen des Gouverneurs der Provinz Tachar unter anderem mit Bundeswehr-Soldaten werden mindestens zwei Deutsche getötet, nach afghanischen Angaben sogar drei. Der deutsche Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf in Nordafghanistan, General Markus Kneip, wird demnach verletzt.

Anders als bei früheren Mandatsdebatten wurde ein Gleichklang von Außen- und Verteidigungsministerium deutlich. Sowohl de Maizière als auch Westerwelle warnten vor übertriebenem Optimismus. Die Sicherheitslage am Hindukusch habe sich zwar stabilisiert. „Dennoch sind wir vor Rückschlägen nicht gefeit“, sagte Westerwelle. Darauf hatte früher in der Regel das Wehrressort hingewiesen und sich gegen einen Abzug nur aus politischen Gründen gestemmt.

De Maizière verteidigte zugleich seine Äußerung, dass unter bestimmten Bedingungen das Bundeswehrkontingent zwischenzeitlich aufgestockt werden müsse. „Ein Abzug muss klug organisiert werden.“ Sollte der internationale Truppenabzug über die von der Bundeswehr verantwortete Nordregion erfolgen, müsse eventuell auch die Zusammensetzung des Bundeswehr-Kontingents geändert werden.

Der SPD-Außenexperte Gernot Erler bewertete die Entwicklung in Afghanistan verhalten optimistisch. Der erste Schritt des Übergabeprozesses „scheint erfolgreich zu sein“, sagte Erler. Von einer Trendwende könne aber erst gesprochen werden, wenn Antworten auf offenen Fragen vorlägen. Die afghanischen Führung müsse vor allem mehr gegen Korruption unternehmen und den Drogenanbau stärker bekämpfen. Dennoch werde die SPD dem neuen Kurs zustimmen.

Grundsätzliche Kritik kam von der Linkspartei, die das Mandat ablehnen will. Die Strategie, durch eine Verschärfung des Krieges eine Befriedung herbeizuführen, könne nicht aufgehen, sagte der Außenexperte der Linksfraktion, Wolfgang Gehrcke. Angesichts von Zehntausenden Kriegsopfern sei die Afghanistan-Politik der Bundesregierung offenkundig gescheitert.

Auch die Grüne zeigten sich hochgradig unzufrieden und wollen das Mandat nicht mittragen. Das Unternehmen der USA, die Taliban „an den Verhandlungstisch zu bomben“, habe nicht funktioniert, sagte Fraktionsvize Frithjof Schmidt. Zudem sei der Fortschrittsbericht der Bundesregierung nur „Schönfärberei“ und der angekündigte Abzug eine „Mogelpackung“.

Von

afp

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

15.12.2011, 13:48 Uhr

Warum war die Bundeswehr in Afghanistan??? Ihr Ergebnis fällt sehr mager aus.
Eine Friedens-Armee unvorbereitet in einen Krieg zu schicken, mit Offizieren die sich ihre Sterne nur in Stäben erkämpften, war und ist skandalös.
Politiker die von Krieg keine Ahnung haben, schickten deutsche Soldaten sinnlos ins Verderben.
Politiker und die Generalität hatten keine Ahnung, welche Ausrüstung die Bundeswehr für diesen Einsatz brauchte.
Keine Transportflugzeuge (musste man sich Laien), keinen einsatzfähigen Kampfhubschrauber usw. also was bleibt als Fazit, tot und verwundete um einige Brunnen oder Straßen zu bauen?
Was aber viel erbärmlicher ist, die deutsche Öffentlichkeit wurde bewusst von diesen Verbrecher Politiker hinters Licht geführt.
Diesen Krieg, müssen die deutschen Steuerzahler teuer bezahlen.
Wo waren die Friedensaktivsten, die gut Menschen?
Wo waren die Demonstrationen gegen den Krieg in Afghanistan?
Warum hielten sich diese Verbrecher Politiker nicht an ihre eigenen Worte, nie wieder Krieg von deutschem Boden?
Als Fazit für mich, sehe ich nur Tot elend und Verwüstung sowie Lügen.
Danke

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