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20.05.2011

16:04 Uhr

Afghanistan

Deutsche Soldaten schießen gezielt auf Demonstranten

Deutsche Soldaten haben laut Bundeswehr in Afghanistan gezielt auf Demonstranten geschossen. Die Protestler sollen bewaffnet und gewalttätig gewesen sein, doch die Soldaten könnten auch Menschen getötet haben.

Patrouille eines deutschen Soldaten in Afghanistan. Quelle: dpa

Patrouille eines deutschen Soldaten in Afghanistan.

BerlinDeutsche Soldaten haben als Reaktion auf die gewalttätigen Proteste vor ihrem Lager im afghanischen Talokan gezielt auf Demonstranten geschossen und möglicherweise auch Menschen getötet. In drei oder vier Fällen hätten die Soldaten am Mittwoch auf Rumpf, Arme oder Hände gewalttätiger Demonstranten gefeuert, teilte die Bundeswehr am Freitag mit. "In einem Fall ist nach derzeitiger Erkenntnis ein Treffer im Hals-Kopfbereich nicht auszuschließen".

Die Demonstranten seien mit Handgranaten und Brandsätzen bewaffnet gewesen. Der Vorfall werde durch die Nato-Truppe Isaf und eine vom afghanischen Präsidenten Hamid Karsai eingesetzte Kommission untersucht. Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe sei informiert worden.

Es sei unstreitig, dass die Soldaten in Selbstverteidigung gehandelt hätten, erklärte die Bundeswehr. Alle Soldaten seien innerhalb des Lagers in der Stadt Talokan eingesetzt gewesen. Die deutschen Soldaten hätten zunächst Warnschüsse in die Luft abgegeben und erst dann gezielt auf "weiterhin gewalttätige Demonstranten im Schwerpunkt auf den Beinbereich" gefeuert.

Bei der Auseinandersetzung seien drei deutsche Soldaten und fünf afghanische Wachleute verwundet worden. Nach Angaben der UN-Truppe in Afghanistan wurden bei den Protesten am Mittwoch mindestens 14 Menschen getötet und mindestens 80 verwundet.

Auslöser der Demonstration war eine der in der Bevölkerung umstrittenen nächtlichen Razzien von Nato-Truppen - vermutlich US-Streitkräften - und afghanischen Soldaten, bei der vier Menschen getötet wurden. Nach Angaben der Nato handelt es sich bei den Toten um Aufständische, die der Islamischen Bewegung Usbekistans (IMU) angehörten, die Verbindungen zur Extremistenorganisation Al-Kaida unterhält. Karsai dagegen verurteilte das Vorgehen der Truppen und erklärte, es seien vier unschuldige Familienmitglieder erschossen worden.

Die Bundeswehr betreibt in der Kleinstadt Talokan mit etwa 40 Soldaten eine Außenstelle des großen, 70 Kilometer entfernten Feldlagers Kundus, wo über 1100 deutsche Soldaten in einem stark befestigten Camp außerhalb der Stadt stationiert sind. Der Bundeswehr-Posten im normalerweise friedlichen Talokan liegt anders als an anderen Standorten mitten in der Stadt und ist entsprechend angreifbar. Während der Proteste hatte sich eine schätzungsweise 3000 Mann starke Menschenmenge dicht gedrängt auf der Straße vor dem Außenposten versammelt.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Peter

20.05.2011, 17:22 Uhr

Demonstranten mit Handgranaten und Kalaschnikows ???
Ich finde den Ausdruck "Demonstranten" in dem Zusammenhang problematisch, das waren Angreifer.
Der Demonstrant (von der lateinischen Wortbedeutung her) zeigt einen Missstand auf, mit Plakaten, Spruchbändern, Megaphonen.
Wenn Waffen eingesetzt werden um der eigenen Unzufriedenheit Nachdruck zu verleihen ist das eine wesentliche Eskalationsstufe weiter, das sind dann feindliche Kämpfer.
- Frage ist wer das war ? Waren das wirklich die Nachbarn aus der Stadt ???

Thomas-Melber-Stuttgart

20.05.2011, 19:39 Uhr

Erinnert ein wenig an den Film "Rules of engagement". Übrigens ist so ein Posten auch schnell überrannt, es muß auch nicht immer die ganze Besatzung im Camp sein. Das wird dann ganz eng. Davon ab legen es die Rädelsführer darauf an, daß die Bw schießt um dies dann medial und propagandistisch zu verwerten.

W.T.

20.05.2011, 21:28 Uhr

Richtig, und am Ende zahlt Deutschland dann auch noch Geld für die "Opfer".

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