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12.01.2010

08:05 Uhr

Afghanistan

Käßmann erneuert Kritik an Einsatz

Auch nach ihrem Treffen mit Verteidigungsminister zu Guttenberg hält die EKD-Ratsvorsitzende Käßmann an ihrer Kritik fest. In einem Talkshow-Auftritt nach dem Gespräch erklärte sie, dass sie an der umstrittenen Predigt festhalte.

Bischöfin Käßmann: Kritik am Bundeswehreinsatz bleibt. dpa

Bischöfin Käßmann: Kritik am Bundeswehreinsatz bleibt.

HB BERLIN. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, hat ihre Kritik am deutschen Afghanistan-Einsatz im Grundsatz verteidigt. Sie sagte in der ARD - Sendung "Beckmann" am Montagabend zu ihrer umstrittenen Neujahrspredigt: "Ich würde sie nochmal so halten, weil ich sie in aller Freiheit so gehalten habe und voll hinter dem Wortlaut stehe."

Ihre Sätze über die Lage in Afghanistan hätten in einem bestimmten Zusammenhang gestanden, den auch jeder nachlesen könne. Sie habe "eine sehr seelsorgerische Predigt mit einer kleinen Passage zum politischen gesellschaftlichen Geschehen" gehalten, sagte die Bischöfin. "Die ist mir um die Ohren gehauen worden, dies habe ich nicht vorhergesehen, aber ich stehe zu dem, was ich gesagt habe."

Die EKD-Vorsitzende war mit ihrer Kritik bei Union und SPD sowie dem Bundeswehrverband auf Ablehnung gestoßen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte Käßmann nach einem Gespräch am Montag zu einem Truppenbesuch am Hindukusch eingeladen. Die Theologin soll auch zur Führungsakademie der Bundeswehr nach Hamburg kommen, während der Minister eine Akademietagung der Evangelischen Kirche besucht. Das Treffen in Berlin war vereinbart worden, nachdem sich Käßmann mehrfach öffentlich vom Afghanistan-Einsatz distanziert hatte. Einer gemeinsamen Pressemitteilung zufolge bestand Einigkeit, dass für die Soldaten der Rückhalt der Gesellschaft wichtig sei. Eine offene Debatte könne dem nur dienlich sein.

Zu Weihnachten hatte die hannoversche Landesbischöfin in einem Zeitungsinterview gesagt, nach den Maßstäben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sei "dieser Krieg so nicht zu rechtfertigen". In ihrer Neujahrspredigt ergänzte sie: "Nichts ist gut in Afghanistan." Zuletzt warf ihr der Bundestags-Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD) Naivität und "populistische Fundamentalkritik" vor. Als Konsequenz aus der Debatte wollen Guttenberg und Käßmann den Kontakt intensivieren.

Der EKD-Militärbischof Martin Dutzmann, der ebenfalls an dem Berliner Treffen teilnahm, berichtete von der übereinstimmenden Einschätzung der Gesprächspartner, dass es bei der Afghanistan- Politik "Nachbesserungsbedarf" gebe. Alle seien sich einig gewesen, dass das zivile Engagement verstärkt und die Zielsetzung des Einsatzes genauer beschrieben werden müssten, sagte Dutzmann dem Radiosender NDR Info.

EKD-Vize Nikolaus Schneider hatte zuvor erklärt, ein Militäreinsatz sei aus Sicht der Evangelischen Kirche "nicht grundsätzlich abzulehnen". Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland forderte allerdings ein "realistisches Ausstiegsszenario" für Afghanistan. Ein Abzug der Bundeswehr "Hals über Kopf" sei unverantwortlich. Auch Käßmann hatte sich in ihrem umstrittenen Interview gegen einen überhasteten Abzug ausgesprochen.

Der Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, betonte, Terrorismus und Krieg ließen sich durch soziale Gerechtigkeit und den Einsatz gegen Hunger besser bekämpfen als mit militärischen Mitteln. Beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Karlsruhe forderte er: "Wir brauchen Solidarität und Gerechtigkeit - national wie global.

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