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17.05.2011

16:35 Uhr

Afghanistan-Konflikt

Kein Kommentar zu angeblichen Taliban-Treffen in Deutschland

Die Bundesregierung gibt keinen Kommentar zu der Frage, ob es in Deutschland Treffen zwischen US-Regierungsvertretern und Taliban gegeben hat. Dies hatte die "Washington Post" berichtet.

US-Soldaten auf der Suche nach Taliban in Afghanistan. Quelle: Reuters

US-Soldaten auf der Suche nach Taliban in Afghanistan.

Berlin/SingapurDie Bundesregierung will Berichte weder dementieren noch bestätigen, dass es in Deutschland ein Treffen eines US-Regierungsvertreters mit Taliban-Abgesandten gegeben hat. Dies hatte die "Washington Post" zuvor berichtet. "Die internationale Gemeinschaft bemüht sich um Fortschritte um eine politische Lösung im Afghanistan-Konflikt", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes lediglich auf die Frage, ob der Bundesregierung dieses Treffen bekannt sei und ob sich auch deutsche Diplomaten mit der Taliban getroffen hätten. "Dafür muss der innerafghanische Friedensprozess unterstützt werden und dafür müssen die Konfliktparteien an einen Tisch kommen", hieß es.

Die "Washington Post" hatte berichtet, dass die USA auf der Suche nach einer politischen Lösung für Afghanistan ihre direkten Kontakte zu den Taliban intensiviert hätten. Ein Vertreter der US-Regierung habe sich in Katar und Deutschland mindestens dreimal mit Taliban-Abgesandten getroffen, berichtete die Zeitung am Dienstag unter Berufung auf einen afghanischen Vertreter. An einem der Treffen vor acht oder neun Tagen habe ein enger Vertrauter des Taliban-Chefs Mullah Mohammad Omar teilgenommen. Die USA hofften, bis Juli Fortschritte in den Gesprächen erzielen zu können. Dann will Präsident Barack Obama den Abzug der ersten US-Truppen aus dem Land am Hindukusch verkünden.

Nach Einschätzung politischer Analysten hat die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden durch US-Elitesoldaten vor gut zwei Wochen die Chancen für eine politische Lösung des Afghanistan-Konflikts erhöht. Die radikal-islamischen Taliban hatten bin Laden bis zu ihrer Vertreibung aus der Regierung durch US-Truppen im Jahr 2001 Unterschlupf gewährt.

Dem Zeitungsbericht zufolge bestanden die Taliban auf direkte Gespräche mit US-Vertretern, für die sie eine Liste mit Forderungen übermittelt hätten. Unter anderem verlangten sie die Freilassung von bis zu 20 Insassen aus dem Sondergefängnis Guantanamo, den Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan und die Zusage, dass die Taliban eine substanzielle Rolle in der Regierung spielen würden. Zudem hätten sie vorgeschlagen, eine Repräsentanz zu eröffnen, möglicherweise in Katar. Die USA und die afghanische Regierung verlangen ihrerseits von den Taliban Gewaltverzicht und die Beachtung der afghanischen Verfassung, darunter die Achtung der Minderheiten- und Frauenrechte.

Offenbar wird von westlichen Regierungen auch darüber nachgedacht, Taliban-Vertreter zu der Afghanistan-Konferenz auf dem Bonner Petersberg im Dezember einzuladen. Auch hier hielt sich das Auswärtige Amt bedeckt: Die Afghanistan-Konferenz werde unter afghanischem Vorsitz auf Außenminister-Ebene stattfinden, sagte ein Sprecher. Die Teilnehmer würden zu gegebener Zeit eingeladen. An Spekulationen wolle man sich nicht beteiligen.

Von

rtr

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