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09.03.2018

16:49 Uhr

„Aggressive verbale und tätliche Gewalt“

Sorge wegen zunehmendem Antisemitismus im Osten

VonDietmar Neuerer

Forscher registrieren zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. Nun soll die Politik einschreiten und Antisemitismusbeauftragte einsetzen.

Deutschland: Sorge wegen zunehmendem Antisemitismus im Osten dpa

Antisemitismus

Antisemitismus ist vor allem in Ostdeutschland ein immer größeres Problem.

BerlinDie Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat die Einsetzung von Antisemitismusbeauftragten in den Bundesländern gefordert. „Ich halte das leider für eine notwendige Maßnahme“, sagte Knobloch dem Handelsblatt. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Kampf gegen Antisemitismus nicht entschieden und systematisch genug geführt wurde.“

Antisemitismusbeauftragte seien „ein wichtiger Schritt um zu zeigen, dass man die besondere historisch und gegenwärtige Verantwortung für jüdischen Leben und den Kampf gegen Antisemitismus – aller Art – ernstnimmt und anpackt“.

Knobloch beklagte einen zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. „Jetzt zeigt sich aggressiver Antisemitismus von rechts, links aus der Mitte und seitens hier lebender Muslime immer offener und ungenierter“, sagte sie. „Aggressive verbale und tätliche Gewalt sind keine Einzelfälle sondern Alltag. Es mehren sich die Sorgen und Zukunftsängste in der jüdischen Gemeinschaft.“

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Die FDP plädiert für ein deutschlandweites Vorgehen gegen Antisemitismus. Die Entscheidung aber, ob ein Antisemitismus-Beauftragter in den einzelnen Bundesländern eingesetzt werden solle, müsse von jedem Bundesland autonom getroffen werden“, sagte der FDP-Fraktionsvize Stephan Thomae dem Handelsblatt. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hätten bereits einen Beauftragten berufen.

„Antisemitismus können wir in Deutschland nicht dulden“, betonte Thomae. „Die Bekämpfung des deutschlandweit bestehenden Antisemitismus als gesamtgesellschaftliche Aufgabe muss unabhängig von der Herkunft und ihrer Erscheinungsform vorangehen.“ Das Problem, so Thomae weiter, „reicht von den Randgruppen bis in die Mitte unserer Gesellschaft und es macht insbesondere an der Grenze eines Bundeslandes nicht halt“.

Forscher registrieren vor allem im Osten Deutschlands einen zunehmenden Antisemitismus. „Wir sind alle irritiert über die Zunahme antisemitischer Vorfälle“, sagte der Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien, Julius Schoeps, am Freitag nach einem Workshop mit Experten in Potsdam.

An dem Treffen hatten 40 Experten teilgenommen, darunter waren auch Vertreter von jüdischen Gemeinden und von den Ländern. Organisiert worden war das Treffen vom Zentrum und der F.C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz. Auch das Bundesfamilienministerium war einbezogen worden.

Wie Knobloch forderte auch Schoeps, in allen Bundesländern Antisemitismusbeauftragte zu berufen. „Es fehlen die Ansprechpartner“, befand er.

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Der Bundestag hatte im Januar die Bundesregierung aufgefordert, einen Antisemitismusbeauftragten auf Bundesebene einzusetzen. Mit großer Mehrheit mahnten die Parlamentarier damals einen entschlossenen Kampf gegen jede Form des Antisemitismus in Deutschland an. Wo dieser Beauftragte angesiedelt wird, etwa im Kanzleramt oder im Innenministerium, ist aber noch strittig.

Deutschland trage vor dem Hintergrund der Ermordung von sechs Millionen europäischer Juden eine besondere Verantwortung, hieß es in einem Antrag, der von Union, SPD, FDP und Grünen gemeinsam eingebracht worden war. Auch die AfD stimmte für die Resolution, die Linke enthielt sich und sprach sich für weitere Beratungen im zuständigen Ausschuss aus.

In Deutschland gebe es „nach wie vor ein beschämendes Maß an Antisemitismus“, heißt es in der Resolution, die auf der Basis eines Expertenberichts formuliert worden ist. Der größte Teil antisemitischer Delikte sei weiterhin rechtsextrem motiviert. Durch Zuwanderung sei aber ein verstärkter Antisemitismus aus den Ländern Nordafrikas, des Nahen und Mittleren Ostens hinzugekommen.

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Unions-Fraktionschef Volker Kauder kritisierte seinerzeit besonders Übergriffe auf jüdische Mitbürger und das Verbrennen israelischer Flaggen wie kurz vor Weihnachten vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Jüdisches Leben in Deutschland müsse sich frei und unbedrängt entfalten können. Es gebe aber viele Länder, in denen Hass auf Israel und Antisemitismus gepflegt würden.

Für die AfD sagte die Abgeordnete Beatrix von Storch: „Antisemitismus in jeder Form ist eine Schande.“ Die Bedrohung jüdischen Lebens durch Islamisten dürfe aber nicht statistisch verschleiert werden. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt warf der AfD vor, sie habe ein „krasses Problem mit Antisemitismus“.

Neue Zahlen zum Ausmaß des Antisemitismus wurden auf dem jetzigen Workshop in Potsdam nicht vorgelegt, allerdings schilderten Teilnehmer ihre Eindrücke. „Antisemitismus hat in allen gesellschaftlichen Bereichen zugenommen – bis weit in die Mitte der Gesellschaft“, sagte Susanne Krause-Hinrichs, Geschäftsführerin der F.C. Flick Stiftung. An vielen Stellen müsse intensiv gearbeitet werden, damit die Stimmung in der Gesellschaft nicht kippe.

Investitionen in Bildung seien zentral, um antisemitischen Tendenzen entgegenzuwirken, urteilten die Experten. Es gebe sowohl bei Lehrern als auch Schülern eine große Unkenntnis über Juden, jüdisches Leben und den Staat Israel, sagte Krause-Hinrichs. Auch die Polizei müsse besser geschult werden im Umgang mit antisemitischen Straftaten. „Zentral ist Schulung, Weiterbildung – in allen Bereichen“, sagte Schoeps.

Der Wissenschaftler Gideon Botsch vom Moses Mendelssohn Zentrum sagte, die Agitation der im Osten besonders starken AfD habe auch den Antisemitismus befördert. „Hier sind Schleusen des Hasses bewusst geöffnet worden.“ Die AfD müsse in den neuen Ländern als rechtsextrem bezeichnet werden.

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Kommentare (2)

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Herr Hans Henseler

09.03.2018, 17:03 Uhr

ich bin klar gegen Rassismus. Antisemitusmus gehoert dazu. Daher sollte eines keinen
gesonderten Antisemitismusbeauftragten geben sondern einen Rassisbeauftragten, der
sich um alle solche Probleme kuemmert.

Herr Peter Spiegel

09.03.2018, 18:48 Uhr

Und wo sind die Juden oder müssen sie erst welche schaffen ?
Judenfeindlichkeit bezeichnet eine pauschale Ablehnung der Juden und des Judentums. Dieses Phänomen erscheint seit etwa 2500 Jahren und hat besonders die Geschichte Europas über weite Strecken begleitet.

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