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30.12.2016

13:32 Uhr

Agrarminister Christian Schmidt

Weniger Preiskampf, mehr Qualität

Glückliche Kühe auf der Weide, so sieht Landwirtschaft im Bilderbuch aus – die Realität ist meist trister. Der Agrarminister will artgerechte Tierhaltung sichtbar machen. Dahinter steckt auch Sorge um die Agrarbranche.

Bundesagrarminister Christian Schmidt setzt auf Qualität statt Quantität. Er hofft, dass es in Zukunft nicht mehr um den billigsten Preis geht, sondern um die beste Qualität. Er fordert deswegen unter anderem ein nationales Gütesiegel. dpa

Buchvorstellung Christian Schmidt

Bundesagrarminister Christian Schmidt setzt auf Qualität statt Quantität. Er hofft, dass es in Zukunft nicht mehr um den billigsten Preis geht, sondern um die beste Qualität. Er fordert deswegen unter anderem ein nationales Gütesiegel.

BerlinDas geplante Tierschutzlabel für Lebensmittel soll nach dem Willen von Agrarminister Christian Schmidt die Qualität anstelle des Preises in den Mittelpunkt rücken. Der Wettbewerb für Nahrungsmittel in Deutschland sei relativ schwierig, sagte der CSU-Politiker am Freitag. Er hoffe auf eine „Abkehr vom reinen Preiswettbewerb hin zu einem Qualitätswettbewerb“. Das Label solle „eine verständliche und einfache Kaufentscheidungshilfe“ bieten, heißt es im „Grünbuch Ernährung, Landwirtschaft, Ländliche Räume“, das Schmidt in Berlin vorstellte.

Ein nationales Gütesiegel in diesem Bereich hält der Minister für wichtig, um eigene Label großer Konzerne zu verhindern, die wenig objektiv und für Verbraucher schwer vergleichbar wären. Das Tierwohllabel soll Schmidt zufolge mehrere Stufen haben und einen „signifikanten Marktanteil“ erreichen. Welche Kriterien Tierhalter und Schlachthöfe erfüllen müssen, ist noch nicht bekannt. Details will Schmidt im Januar auf der Grünen Woche in Berlin präsentieren. Davor werde er noch „intensive Gespräche“ mit den Beteiligten führen, sagte Schmidt. Es sei nicht einfach, die Interessen unter einen Hut zu bringen, „es geht aber.“

Was wirklich hinter den Siegeln steckt

Bio

Das Bio-Siegel der EU wurde im Juli 2010 eingeführt. Ein Produkt, das dieses Label trägt, darf höchsten 0,9 Prozent gentechnisch verändertes Material enthalten und muss zu mindestens 95 Prozent aus ökologischer Landwirtschaft kommen. Vielen Bio-Herstellern sind die Kriterien an das Bio-Siegel nicht scharf genug, deswegen haben sie eigene Siegel wie Demeter oder Naturland, die höhere Anforderungen erfüllen müssen.

Fairtrade

Das Label steht für weltweit gültige Standards, die Kleinbauern stabile und auskömmliche Preise und möglichst direkte Handelsbeziehungen sichern. Dazu gehören auch die Vorfinanzierung der Produktion und ein garantierter Mindestpreis. Bei einem Produkt, das dieses Siegel trägt, müssen alle Zutaten, die unter Fairtrade-Bedingungen erhältlich sind, zu 100 Prozent Fairtrade-zertifiziert sein.

FSC

Die Non-Profit-Organisation Forest Stewardship Council vergibt dieses Siegel, um nachhaltige Forstwirtschaft zu zertifizieren. Die Produzenten müssen dafür zehn Kriterien erfüllen, die die ökonomischen, ökologischen und sozialen Standards bei den Forstbetrieben verbessern sollen. Umweltverbände kritisieren aber immer wieder, das Siegel würde zu leichtfertig vergeben.

MSC

Die private Organisation Marine Stewardship Council, die das Label für nachhaltigen Fischfang vergibt, wurde vom Konzern Unilever und der Naturschutzorganisation WWF gegründet. Betriebe die das Label bekommen, müssen unter anderem Überfischung vermeiden und das Ökosystem schützen. Auch hier gibt es Kritik an der Vergabe, beispielsweise rügt Greenpeace, dass nur 60 bis 80 Prozent der Standards erfüllt sein müssten, damit eine Fischerei das Gütesiegel erhält.

PEFC

Auch dieses Siegel soll die nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellen. Im Gegensatz zum FSC, das Betriebe zertifiziert, vergibt PEFC das Siegel an Regionen. Die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung wird dann auf regionaler Ebene kontrolliert. Die Einhaltung der Standards wird regelmäßig stichprobenartig überprüft. Während das FSC-Siegel meist für Tropenholz verwendet wird, zertifiziert PEFC in der Regel europäische Wälder.

UTZ

Mit dem Label werden nachhaltig angebaute Agrarprodukte gekennzeichnet, speziell Kaffee, Tee und Kakao. Die Produzenten müssen soziale Kriterien festlegen, Anforderungen an die Umweltverträglichkeit erfüllen und eine effiziente Bewirtschaftung sicherstellen. Ein Label für fairen Handel ist UTZ jedoch nicht.

V

Das V-Siegel, das vom Vegetarierbund Deutschland (VEBU) vergeben wird, kennzeichnet vegetarische Lebensmittel. Produzenten müssen für die Zertifizierung ihre Zutatenliste offenlegen und ihre Produktion vor Ort überprüfen lassen. Sie müssen auf jegliche Tierkörperbestandteile, also auch etwa auf Gelatine, verzichten. Es wird inzwischen von über 250 Lizenzpartnern verwendet, zum Beispiel von Alpro, Frosta, Katjes, Valensina und Voelkel.

Die bereits bestehende Brancheninitiative Tierwohl sehe er als „Baustein“, nicht als eine Alternative für das neue Label, sagte Schmidt. Auch bestehende Bio- oder Ökolabel sollen nicht ersetzt werden. 38 Prozent der Deutschen glauben, dass den meisten Bauern das Wohl der Tiere nicht so wichtig ist, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Agrarministeriums Anfang Dezember ergab. „Die deutsche Landwirtschaft kann langfristig nur dann erfolgreich sein, wenn sie von einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz getragen ist“, sagte Schmidt. Diese sei aus seiner Sicht „derzeit nicht durchgängig festzustellen.“

Mit Blick auf Grabenkämpfe zwischen Öko- und konventioneller Landwirtschaft forderte der Minister, eine Diskussionskultur „für besseres Verständnis und mehr Akzeptanz“ zu entwickeln. Die Landwirtschaft dürfe nicht „Opfer politisch-ökologischer Glaubenskriege“ werden. Zugleich will Schmidt sich für in den Regionen verwurzelte und von Familien geführte Betriebe stark machen. Nicht-landwirtschaftlichen und ausländischen Investoren müsse der Zugriff auf Boden erschwert werden.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

30.12.2016, 17:23 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

"Herr Fritz Porters23.12.2016, 12:25 Uhr
Liebe komödiantische Kommentatorengemeinde,

es ist mal wieder ein Fest wie lustig hier kommentiert wird ...was wäre mein Tag ohne diese wunderbaren Geistesblitze, die hier gepostet werden. Herrlich :-)"


@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

das ist unser geliebter

SPIEGEL

Danke

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