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09.02.2015

15:16 Uhr

AKW Brunsbüttel

Rostende Atommüll-Fässer werden geborgen

Beispiellose Umpackaktion im AKW Brunsbüttel: Dort rosten Hunderte Atommüllfässer seit Jahren vor sich hin. Nun sollen sie geborgen werden. Allerdings ist ein Endlager noch in weiter Ferne.

In unterirdischen Lagerräumen im AKW Brunsbüttel befinden sich 632 Atommüll-Fässer, 154 davon sind schwer beschädigt. dpa

632 Fässer

In unterirdischen Lagerräumen im AKW Brunsbüttel befinden sich 632 Atommüll-Fässer, 154 davon sind schwer beschädigt.

KielMit aufwendiger Spezialtechnik sollen im stillgelegten Atomkraftwerk Brunsbüttel Hunderte teils verrostete Fässer mit schwach- bis mittelradioaktivem Abfall geborgen werden. Die Atomaufsicht in Kiel stimmte dem Konzept des Betreibers Vattenfall jetzt zu. Die Fässer hätten viel zu lange nahezu unbeobachtet vor sich hin gerostet, sagte Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) am Montag.

In unterirdischen Lagerräumen befinden sich 632 Fässer. 573 wurden mit einer Spezialkamera untersucht, 154 davon sind schwer beschädigt. Vattenfall darf sie nun aus sechs Lagerräumen herausholen und zur Endlagerung verpacken. Die Aktion soll in diesem Herbst beginnen und etwa drei Jahre dauern.

Als vor rund drei Jahren in Brunsbüttel ein stark verrostetes Fass entdeckt wurde, erregte das Foto großes Aufsehen. Die Behälter liegen dort zum Teil schon seit mehr als 30 Jahren. Sie sollten eigentlich seit Mitte der 1990er Jahre in Niedersachsen im Endlager Schacht Konrad sein. Doch dessen Inbetriebnahme hat sich immer wieder verzögert. Nun steht 2022 als Eröffnungstermin im Raum.

Bei dem Abfall handelt es sich um Filterharze und Verdampferkonzenrate, die während des Kraftwerksbetriebs bis 2007 angefallen waren. Sie sind in sogenannten Kavernen gelagert, von oben abgeriegelt durch 1,1 Meter dicke Betonriegel.

Der Fahrplan zum Atommüll-Endlager

2014 bis Mitte 2016:

Eine 33-köpfige Kommission mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erarbeitet mit Expertenanhörungen die Grundlagen der Suche. Danach muss das Endlagersuchgesetz eventuell noch einmal modifiziert werden.

2015/2016:

Um nicht weitere Fakten für ein Endlager in Gorleben (Niedersachsen) zu schaffen, sollen keine Atommülltransporte mehr in das nahe des Salzstocks gelegene oberirdische Zwischenlager gehen. Sie müssen in andere Zwischenlager in Deutschland gebracht werden.

Ab 2016:

Zunächst werden bundesweit alle ungeeigneten Regionen ausgesiebt. Regionen mit guten Gesteinsformationen werden ausgewählt und mehrere Standorte erkundet, auch mittels Probebohrungen.

Bis 2023:

Am Ende sollen die besten Standorte aufwendig unter Tage erkundet werden. Welche Standorte ausgewählt werden, soll mit einem weiteren Bundesgesetz beschlossen werden. Die Kosten pro Erkundung werden mit einer halben Milliarde Euro pro Standort veranschlagt.

2031

Bundestag und Bundesrat sollen endgültig über den Standort entscheiden, der Klageweg soll nicht eröffnet werden. Die Kosten der Endlagersuche werden mindestens zwei Milliarden Euro betragen.

Ferngesteuerte Spezialgreifer sollen die Fässer herausheben. Dafür wird um einen Portalkran aus Gerüstteilen und Aluminiumplatten ein mit Folien verkleideter Schutzraum errichtet. Dieser steht unter Unterdruck, so dass laut Vattenfall keine Radioaktivität austreten kann. Die Vorrichtung koste etwa elf bis 15 Millionen Euro.

Noch dringender als die Bergung dieses Atommülls ist aus Sicht von Habeck und Vattenfall, aus dem Reaktordruckbehälter die Brennelemente herauszuholen – als Voraussetzung für den geplanten Rückbau des Kraftwerks. Für die Zwischenlagerung der Brennelemente, die Habeck 2016 heraus haben will, werden zehn bis zwölf Castor-Behälter benötigt. Diese dürfen nach einem Gerichtsurteil nicht in Brunsbüttel abgestellt werden. Habeck liebäugelt mit dem nur rund 20 Kilometer entfernten Brokdorf als „standortnaher“ Alternative.

Von

dpa

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