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01.06.2011

11:38 Uhr

AKW-Laufzeiten

Plant Schwarz-Gelb ein Hintertürchen ein?

Der geplante Atomausstieg von Schwarz-Gelb kommt dem von Rot-Grün beim Enddatum 2022 zwar sehr nahe. Die Betriebszeit der Meiler ist aber laut einer Studie um bis zu 60 Prozent länger. Die Pläne im Vergleich.

Die Reststrommengen des AKW Krümmel sollen laut schwarz-gelben Plänen noch übertragen werden dürfen. Quelle: dpa

Die Reststrommengen des AKW Krümmel sollen laut schwarz-gelben Plänen noch übertragen werden dürfen.

BerlinBeim Atomausstieg von Union und FDP gibt es einer Berechnung des Öko-Instituts zufolge jede Menge Fallstricke. Wegen der weiterhin möglichen Übertragung von Reststrommengen von stillgelegten auf noch laufende Meiler werde die Betriebszeit letztlich um knapp 60 Prozent über den im rot-grünen Ausstieg vereinbarten Restlaufzeiten liegen. Ein Vergleich.

ROT-GRÜNER AUSSTIEGSPLAN 2001

Für jedes Atomkraftwerk wurden zu verbrauchende Reststrommengen festgelegt. Die Betriebszeit sollte 32 Kalenderjahre pro AKW betragen, durch entsprechende Strommengen war eine stufenweise Abschaltung gesichert, weil die Meiler ja bei ihrem Start alle meist im Abstand von einigen Jahren ans Netz gegangen waren. Durch Drosselung, Wartungsarbeiten und die Übertragung von Strommengen von alten auf neue AKW verzögerte sich das Abschalten vieler Meiler immer weiter nach hinten. Demnach wäre mit Neckarwestheim II der letzte Meiler nicht vor 2023 vom Netz gegangen. Die 2001 unterzeichnete Vereinbarung wurde im Einvernehmen mit den Konzernen getroffen, 2002 trat das neue Atomgesetz in Kraft.

SCHWARZ-GELBER ATOMAUSSTIEGSPLAN 2011

Acht AKW sollen stillgelegt werden und damit mehr, als nach dem rot-grünen Beschluss bisher vom Netz wären. Aber: Die Übertragung von Reststrommengen soll entgegen ersten Überlegungen nun weiter möglich sein. Also können Strommengen der Alt-AKW, die nun nicht mehr produziert werden dürfen, auf die noch laufenden Meiler übertragen werden. Dies sind in der Summe zwar nur einige Jahre, hinzu kommen aber zwei Sonderfälle: Das AKW Krümmel und das AKW Mülheim-Kärlich (1988 nach kurzem Betrieb wegen einer fehlerhaften Genehmigung wieder vom Netz gegangen) verfügen noch über Reststrommengen von insgesamt bis zu 18 Jahren - auch diese dürfen noch übertragen werden. Dadurch laufen zwar nur noch neun AKW, diese dafür aber fast alle wohl bis 2021/2022. Sind bis dahin nicht alle Strommengen verbraucht, werden die Meiler dennoch abgeschaltet.

Von

dpa

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