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25.07.2014

19:47 Uhr

Al-Kuds-Tag

Mehr als tausend Teilnehmer bei Anti-Israel-Demo in Berlin

Begleitet von starken Sicherheitsvorkehrungen sind am Freitag mehrere tausend Anti-Israel-Demonstranten durch Berlin gezogen. Die Veranstalter warnten vor antisemitischen Parolen.

Demonstranten in Berlin: Einige Teilnehmer riefen in Sprechchören „Kindermörder Israel“. AFP

Demonstranten in Berlin: Einige Teilnehmer riefen in Sprechchören „Kindermörder Israel“.

BerlinAm symbolträchtigen Al-Kuds-Tag haben Demonstranten in zahlreichen deutschen Großstädten erneut gegen das Vorgehen Israels im Gazastreifen protestiert. Die Stimmung war aufgeheizt und teils aggressiv, Ausschreitungen oder - wie bei vergangenen Protesten - judenfeindliche Sprechchöre blieben aber weitgehend aus. Polizei und Politik hatten zuvor die Veranstalter in mehreren Bundesländern aufgefordert, antisemitische Propaganda bei den Kundgebungen zu verhindern. Gleichwohl gab es anderswo teils gewalttätige Zwischenfälle mit möglicherweise antisemitischem Hintergrund.

In Berlin gingen rund 1200 Menschen gegen die Politik Israels auf die Straße. Es wurde „Kindermörder Israel“ gerufen und laut „Tagesspiegel“ am Rande auch „Israel vergasen“. Die Polizei nahm zwei Demonstranten wegen kleinerer Delikte fest. Den Teilnehmern standen insgesamt etwa 600 Gegendemonstranten gegenüber, auf deren Seite „Lang lebe Israel“ erscholl und Israel-Fahnen geschwenkt wurden. Immer wieder versuchten Pro-Palästinenser, Gegendemonstranten anzugreifen. Die Polizei, die mit 1000 Beamten im Einsatz war, konnte beide Lager aber voneinander getrennt halten.

Sie hatte vor der Demonstration Auflagen erteilt: Die Tötung, Verletzung oder Entführung von Menschen durfte nicht gutgeheißen werden. Es durften keine Gegenstände - etwa israelische Flaggen - verbrannt werden: ein in anderen Ländern übliches Al-Kuds-Ritual.

Die Führungsriege der Hamas

Führer der radikal-islamischen Hamas

Sie leben gefährlich - und häufig im Exil. Die Führer der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas müssen ständig Angriffe Israels fürchten. Viele hochrangige Mitglieder wurden von Israel getötet. Wer sind derzeit die bekanntesten Führer?

Chaled Maschaal

Der Kopf des Exil-Politbüros wurde 1956 nahe Ramallah im Westjordanland geboren. Seine Familie floh während des Sechs-Tage-Krieges 1967 nach Kuwait, wo Maschaal Physik studierte. Als Teenager schloss er sich der Muslimbruderschaft, später auch der Hamas an. 1990 zog er nach Jordanien, wo er die Leitung der Hamas übernahm. Israel wirft ihm vor, die erste Intifada (palästinensischer Volksaufstand) mitorganisiert zu haben. 1997 überlebte Maschaal in Amman einen Tötungsversuch des israelischen Geheimdienstes. Im Dezember 2012 besuchte er nach der letzten Konfliktrunde den Gazastreifen - zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Tausende Palästinenser jubelten ihm zu. Er lebt heute in Katar.

Ismail Hanija

Hanija kam in einem Flüchtlingslager in Gaza zur Welt, wo er auch heute lebt. Er studierte an der Islamischen Universität in Gaza arabische Literatur. Als einer von etwa 400 Aufständischen wurde Hanija 1992 von Israel in den Südlibanon ausgewiesen. Nach seiner Rückkehr wurde er Büroleiter der Hamas, 2006 Ministerpräsident in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Hanija gilt als vergleichsweise pragmatisch. In einigen Interviews deutete er die Bereitschaft zu einem Kompromiss über eine Zwei-Staaten-Lösung an.

Mussa Abu Marsuk

Die Nummer zwei der Hamas-Führung im Exil studierte in Ägypten und den USA. Marsuk soll gute Beziehungen zu muslimischen Spendern unterhalten, die die Hamas immer wieder finanziell unterstützten. Er soll außerdem an der Planung mehrerer Attentate in Israel beteiligt gewesen sein. In den vergangenen Monaten trieb er die Versöhnung mit der rivalisierenden Fatah voran. Der 63-Jährige lebt derzeit in Kairo.

Mahmud al-Sahar

Der ausgebildete Chirurg gehört zu den Gründungsvätern der Hamas. Als Sohn einer Ägypterin und eines Palästinensers wurde er 1945 in der Stadt Gaza geboren. Seine Jugend verbrachte er in Ägypten, wo er auch studierte. Nach seiner Rückkehr nach Gaza lehrte er an der örtlichen Islamischen Universität. In den 1970er-Jahren gründete er erst die Muslimbruderschaft im Gazastreifen und später zusammen mit Scheich Ahmed Jassin die Hamas. Die israelische Armee versuchte, Al-Sahar 2003 mit einer Bombe zu töten; er überlebte leicht verletzt, verlor aber einen Sohn. Nachdem Israel Scheich Jassin ein Jahr später gezielt getötet hatte, stieg Al-Sahar in den Führungszirkel der Hamas auf. Vor wenigen Tagen wurde sein Haus von der israelischen Armee zerstört.

Der von den iranischen Ajatollahs initiierte Al-Kuds-Tag soll an die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechstagekrieges 1967 erinnern und zur Befreiung motivieren. Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem.

Der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, verteidigte auf einer der beiden Gegenkundgebung die Angriffe seines Landes auf den Gazastreifen. „Es ist unser Recht und unsere Pflicht, uns zu verteidigen gegen Provokationen.“

Kommentare (3)

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Herr Wolfgang Trantow

25.07.2014, 18:43 Uhr

Wo bleiben die Demonstrationen gegen den Islam? Täglich schießen Sie Raketen auf Israel und töten, ermorden Israelis! Die deutschen Politiker schweigen dazu. Verdienen Sie an den Raketen?

Herr Billyjo Zanker

25.07.2014, 18:58 Uhr

Sind es doch zum großen Teil Ausländer, ob mit oder ohne deutschen Paß, warum wird so etwas überhaupt zugelassen das Ausländer ihren Frust und Langeweile hier abreagieren dürfen.
Wenn sie die Dummheit der Palästinenser unterstützen wollen wäre das vor Ort besser aufgehoben

Herr Peter Dirnberger

25.07.2014, 19:12 Uhr

Herr Trantow, die Abnicker haben die Leute doch geholt und
gefördert. Es war falsch aber das darf nicht sein.
Also weiterhin dem Islam huldigen und hoffen, daß die eigenen Kinder diesen Fehler überleben. Der Bürgerkrieg grüßt.

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