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28.05.2015

16:58 Uhr

Alexander Dobrindt

Der Modeminister

VonSabina Wachtel

Vorbei sind die Zeiten, in denen unsere Volksvertreter Grau in Grau durch den Bundestag staksten. Wir haben einen Modeminister! Endlich! Alexander Dobrindt zeigt seinen Kollegen, wie es geht. Ein Kommentar.

Der Verkehrsminister fällt auch durch seine Mode auf. Reuters

Alexander Dobrindt

Der Verkehrsminister fällt auch durch seine Mode auf.

Gerhard Schröder galt zu seiner Amtszeit als der modischste deutsche Regierungschefs überhaupt. Kunststück: Vielen gilt es ja immer noch als anrüchig, wenn Männer darauf achten, was sie tragen. Aber es sieht so aus, als könnten die Zeiten, in denen unsere Volksvertreter sich Grau in Grau kaum vom graublauen Hintergrund der Parlamente abheben, bald vorbei sein. Denn wir haben endlich einen Modeminister! Schluss mit unsichtbar, Schluss mit Mittelmaß.

Viele Frauen befällt nach ihrem vierzigsten Geburtstag das Gefühl unsichtbar zu sein. Und da ist sogar was dran: Blasse Farben, halblange altenblonde Haare, schlaffe Haltung – Mittelmaß durch und durch, und Mittelmaß macht unsichtbar. Was dagegen hilft? Gas geben, raus aus dem Mittelmaß!

Ja, liebe Frauen. Ihr müsst wirklich Gas geben. Denn offenbar gilt dieser Satz jetzt auch den Männern. Bestes Beispiel ist unser Verkehrs- und Internetminister Alexander Dobrindt. Ich kenne noch Fotos von vor Jahren, da sah man ihn mit beigem ausgeleiertem Langweiler-Jackett, Lieblingsfarben Grau und Braun oder kränkliches Beige. Dazu der herausgewachsene Haarschnitt, richtig fade. Typ: unscheinbarer Nichtschwimmer.

Sabina Wachtel ist Buchautorin und Expertin für Dresscode & Style. Guido Werner

Sabina Wachtel

Sabina Wachtel ist Buchautorin und Expertin für Dresscode & Style.

Und jetzt? Ist er einer, der Gas gibt. Und zwar richtig. Natürlich gibt das Anlass zu Spekulationen. Was ist los? Hat er Beratung? Hat er sonst keine Sorgen? Kaum macht einer optisch ein bisschen Wind, wird er dem Boulevard schon suspekt.

Typisch. Dabei ist die wundersame Wandlung des Herrn Dobrindt aus professioneller Sicht ausgesprochen gelungen. Er wirkt nicht mehr langweilig, sondern dynamisch, er wirkt voller Energie. Längst bemerk nicht mehr nur Jil Sander: „Mode spielt auch in der Politik eine wichtige Rolle“. Wie einer sich kleidet, hat entscheidenden Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung. Die Kleidung und das gesamte Erscheinungsbild sind hierbei ein integraler Bestandteil.

Politiker sind exponierte Personen des öffentlichen Lebens. Ihre Position verlangt einen Dresscode, der ihre Persönlichkeit und ihre Rolle in Auftritt und Erscheinung übereinbringt. Und dass da einer ist, der sich Gedanken über seine Kleidung macht, der gut aussehen will, das ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Es geht schließlich nicht um den persönlichen Geschmack von Herrn Dobrindt, sondern um seine Bereitschaft, seinen Auftritt an Zielen und Werten zu orientieren.

Das ist Alexander Dobrindt

Herkunft

Geboren wurde Alexander Dobrindt am 7. Juni 1970 in Peißenberg in Oberbayern.

Werdegang

Nach dem Abitur 1989 am Gymnasium Weilheim absolvierte Dobrindt ein Studium der Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, das er 1995 als Diplom-Soziologe beendete. Anschließend war er von 1996 bis 2001 kaufmännischer Leiter und von 2001 bis 2005 Geschäftsführer und stiller Gesellschafter der mittelständischen Maschinenbau-Firma Holzner & Sanamij (heute: Holzner Druckbehälter GmbH) in Peißenberg.

Partei-Laufbahn

Dobrindt trat 1986 in die Junge Union und 1990 in die CSU ein. Von 1990 bis 1997 war er Vorsitzender des JU-Kreisverbandes Weilheim-Schongau und von 1993 bis 1997 auch stellvertretender JU-Bezirksvorsitzender. Seit 1996 war er Mitglied im Marktgemeinderat Peißenberg und seit 2001 Ortsvorsitzender der CSU Peißenberg. Außerdem gehörte er dem Kreistag des Landkreises Weilheim-Schongau an. Seit 2009 ist er Vorsitzender des Kreisverbandes Weilheim-Schongau der CSU.

CSU-Generalsekretär

Als der bisherige CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg im Februar 2009 das Amt des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie übernahm, wurde Dobrindt vom CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer für das Amt des Generalsekretärs vorgeschlagen. Ab dem 9. Februar 2009 übte Dobrindt dieses Amt aus, das er am 15. Dezember 2013 wegen seiner bevorstehenden Ernennung zum Bundesminister niederlegte.

Bundesverkehrsminister

Am 17. Dezember 2013 wurde Alexander Dobrindt durch Bundespräsident Joachim Gauck zum Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur ernannt.

Vergleichen wir Alexander Dobrindt mit dem pummeligen Wollpulli-Träger von früher, so sehen wir ja nicht jemanden, der einen besonders exklusiven Geschmack hat, und eben gerade mal wieder teuer einkaufen war. Wir sehen vielmehr eine strukturierte, langsame Veränderung hin zu einem anderen „Typ“, zu einer Persönlichkeit, die das Individuelle nicht tilgt, sondern sogar stärker hervorhebt und dabei die Rolle integriert. Das kann professionelle Stilberatung nur erreichen, wenn sie mit Methode und langfristig herangeht. Gut gemacht, Herr Dobrindt.

Kommentare (4)

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Herr Joly Joker

28.05.2015, 17:10 Uhr

Wer keinen Geschmack hat, nur negatives Feedback verursacht und auch sonst nur als Lachnummer dient, der greift auch beim Erscheinungsbild gerne mal daneben. Nach dem Motto: Ist der Ruf erst mal ruiniert, ..... .

Herr A. Friend

28.05.2015, 17:17 Uhr

Wir alle kennen das Kobe Rind.
Doch bitte was ist denn ein Dobe Rind.

Herr Marc Otto

28.05.2015, 18:31 Uhr

Lackaffen, die von ihrer Umfähigkeit ablenken wollen, gehen also modisch.

d.h., wer noch Ehre und Gewissen hat, kleidet sich wie ein normaler Geschäftsmann - rund um die Welt--

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