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02.02.2015

11:12 Uhr

Alexander Gauland

AfD-Vize hält Parteichef Lucke „Schwachsinn“ vor

Die Arbeit der AfD-Spitze sei stümperhaft gewesen, sagt Parteichef Lucke und erntet dafür Kritik. Sein Vize Gauland wirft ihm unkollegiales Verhalten vor. Die Hamburger AfD mahnt, nicht alles auf die Goldwaage zu legen.

AfD-Parteitag

Lucke: "Man kann nicht drei Häuptlinge haben"

AfD-Parteitag: Lucke: "Man kann nicht drei Häuptlinge haben"

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Heidelberg/BerlinDer Chef der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, ist für Teile seiner Rede beim Bundesparteitag in Bremen heftig aus den eigenen Reihen kritisiert worden. Der stellvertretende AfD-Sprecher Alexander Gauland bezeichnete in der Rhein-Neckar-Zeitung vom Montag Luckes Aussage, die Arbeit der bisherigen Parteispitze sei stümperhaft gewesen, als Schwachsinn. Diese Einschätzung sei „völlig falsch, unsinnig und unkollegial“, kritisierte Gauland.

Der Vize-Sprecher der Partei bezeichnete Luckes Rede als „nicht sehr zielführend und für die Einheit der Partei nicht klug und nicht glücklich“. Er selbst habe den Satzungskompromiss mitgetragen, obwohl er die Argumente von Lucke nicht für tragfähig halte, sagte Gauland.

Die AfD – neue Volkspartei oder kurze Protestepisode?

Wie viel Union steckt in der AfD?

Es steckt einiges von der Union früherer Zeiten in der Alternative für Deutschland (AfD). Nur in der Europapolitik grenzt sich die AfD klar von dem ab, was Helmut Kohl zu seinen Kanzlerzeiten wichtig war. Die AfD besetzt aber andere zentrale Themen der Union wie Familie, Kriminalität und Zuwanderung. Die Warnungen der AfD vor einer Überlastung der Sozialsysteme durch Asylbewerber erinnern an die aufgeheizte Das-Boot-ist-voll-Debatte Anfang der 90er Jahre. Die AfD knüpft zudem an die konservative Gedankenwelt von Bundesministern wie Manfred Kanther (CDU) und Theo Waigel (CSU) an.

Kümmern sich CDU und CSU um solche Themen nicht mehr?

Doch. Auch heute sind das Schwerpunkte der Union. Doch die CSU war im Europa-Wahlkampf mit ihrer auf Ausländer gemünzten Parole „Wer betrügt, der fliegt“ und dem Herziehen über die EU-Kommission nicht erfolgreich. Und CDU und CSU bekamen unter Angela Merkel und Horst Seehofer bei der Bundestagswahl 41,5 Prozent - mit einer liberaleren Einstellung zu Homosexuellen, mit einer neuen Definition von Familie, aber ohne einen Law-and-Order-Mann als Bundesinnenminister. So machte die Union die Erfahrung, dass ein Kurs der Mitte mehr Stimmen bringt als das Beharren auf konservativen Positionen.

Was steckt noch in der AfD?

Die AfD setzt sich für mehr Basisdemokratie ein – und steht damit im Kontrast zur CDU. Einige ihrer Mitglieder stammen außerdem aus der Konkursmasse kleinerer rechter, liberaler und konservativer Parteien. Ehemalige Angehörige von NPD und DVU können dagegen nicht Mitglied der AfD werden. Im Osten wirbt die Partei um DDR-Nostalgiker, die zwar den Sozialismus nicht zurückhaben wollen, aber zum Beispiel Elemente des alten Bildungssystems gut finden.

Ist die AfD denn eine Gefahr für die Union?

Ja - auch wenn die CDU in Brandenburg und Thüringen trotz Stimmenverlusten an die AfD zulegen konnte. Erstens hat die Union durch ihren Wandel hin zu einer modernen, urbanen Partei eine Flanke an ihrem rechten Rand aufgemacht und könnte weiter Konservative, die in der Union keine Heimat mehr sehen, verlieren. Und zweitens wirbelt die AfD die Parteienlandschaft so durcheinander, dass die Machtoptionen für die Union schwinden. Eine Koalition mit der AfD schließt die CDU genauso aus wie mit der Linken, und auf die FDP kann sie nicht mehr zählen. Unabhängig davon, dass Schwarz-Grün im Bund ein Novum wäre, könnte es mit den Grünen knapp werden - wenn die AfD denn 2017 in den Bundestag einzöge. Bliebe ein Bündnis mit der SPD - das sollte aber aus Sicht beider Parteien kein Dauerzustand sein.

Wie wehrt sich die Union gegen die AfD?

Nicht einheitlich. CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagt: „Wir wollen die Wähler zurückgewinnen.“ Fraktionschef Volker Kauder (CDU) will die AfD ignorieren und sich mit ihren Politikern nicht einmal in eine Talkshow setzen. Wolfgang Bosbach vom konservativen „Berliner Kreis“ der CDU hält das für falsch. Viele Unionspolitiker raten inzwischen, sich intensiv mit der AfD auseinanderzusetzen. Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel ging im Brandenburger Wahlkampf deutlich auf die Grenzkriminalität ein, nachdem die AfD bei der Sachsen-Wahl damit punktete. Koalitionen mit der AfD schließt sie aber aus.

Was macht die AfD attraktiv?

Die AfD stellt sich als Partei der braven Sparer und Steuerzahler dar, deren Wohlstand durch die Rettung maroder Banken und überschuldeter Euro-Länder gefährdet ist. Sie fordert, dass außer Flüchtlingen nur noch „qualifizierte und integrationswillige“ Ausländer nach Deutschland kommen dürfen und bemüht dafür gerne das Beispiel des Einwanderungslandes Kanada. Die AfD, die sich seit ihrem guten Abschneiden bei drei Landtagswahlen als „kleine Volkspartei„ bezeichnet, wettert gegen die in Deutschland inzwischen weit verbreitete Kultur der „politischen Korrektheit“. Ihrer Führungsriege gehören etliche Ex-Mitglieder von CDU und FDP an. Deshalb finden einige wertkonservative Wähler die Strategie der CDU, die AfD wie eine nicht-salonfähige Randgruppe zu behandeln, wenig glaubwürdig.

Droht der AfD das selbe Schicksal wie den Piraten?

Nein. „Eintagsfliege“, „Protestpartei“ – diese Etiketten wurden der AfD in den ersten Monaten oft aufgeklebt. Doch im Gegensatz zu den Piraten, die sich lange vor allem der Selbstzerfleischung widmeten, halten sich die internen Streitereien noch im Rahmen. Außerdem hat sich die AfD rasch von einer Ein-Thema-Partei (Eurorettung) zu einer gemausert, die verschiedene Politikfelder besetzt.

Die bisherige Co-Vorsitzende Frauke Petry sagte der Zeitung, Lucke müsse integrativ wirken, an dieser Stelle müsse er noch nacharbeiten. Die stellvertretende Parteivorsitzende Patricia Casale sagte zu Luckes Äußerungen, diese seien „sicher nicht persönlich gemeint“ gewesen, aber sie lasse sich nicht als Stümper bezeichnen.

Lucke selbst sagte der Rhein-Neckar-Zeitung zu seiner Äußerung, diese sei vielleicht etwas missverständlich gewesen. „Ich habe nicht die Vorstandsmitglieder, sondern die Bedingungen, unter denen wir gearbeitet haben, als stümperhaft bezeichnet.“

Kommentare (4)

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Herr wulff baer

02.02.2015, 11:03 Uhr

Könnte ein Artikel von den L-Medien sein.

Herr Torsten Scholz

02.02.2015, 16:11 Uhr

Der Video-Spot trägt uns dankenswerter Weise Gedanken vor, die wir noch niemals gehört haben und die völlig wider den Mainstream unserer Medien gebürstet sind.. Dafür grossen Dank.

Herr Torsten Scholz

02.02.2015, 16:19 Uhr

Ausschliesslich Berufstätige in einem Bundesparteivorstand können nicht professionell sein. Auch nicht bei der AfD. Sie haben alle ihren eigenen Beruf und arbeiten ehrenamtlich und ausschliesslich in der Freizeit für den Parteivorstand. Die im Aufbau befindliche AfD ist damit absolut unterlegen gegenüber den Altparteien, die hunderte Millionen jährlich - auch über ihre äusserst merkwürdigen Stiftungen - aus der Steuerkasse "entwenden". In den Zentralen der Altparteien arbeiten Berufspolitiker in Masse, die nichts, ausser "Politiker" gelernt und angewendet haben. Aus dem Kreisssal in den Hörsaal und dann in den Plenarsaal - das ist vieler Nahles-artiger PolitikerInnen Herkunft und Metier. Für's Grobe draussen beißt ihnen die - teils staatlich finanzierte! - Anti-, besser: Neofa die Wege von ewaigen Konkurrenten frei. So luxuriös hat es die AfD nicht und damit sind laut Lucke die Arbeitsbedingungen stümperhaft. Bei der AfD ist reichlich viel unerledigt geblieben, eben wegen fehlender Manpower. Und noch eines. Die bisherigen 3 gleichberechtigten Sprecher sind in den Jahren 2012 / 2013 allesamt als Freunde und Gründer zusammengekommen. Wenn das, laut Lucke, nicht richtig funktioniert, wie sollte es dann erst aussehen, wenn ein Parteitag drei einander fremde und womöglich sich bekämpfende als gleichberechtigte Sprecher gewählt haben würde? Das wäre der Exitus, den die jetzige Regelung ausschliessen soll. Es geht also keineswegs nur um Lucke.

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