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07.01.2015

19:22 Uhr

Alexander Gauland

AfD-Vize rechtfertigt Pegida mit Paris-Terror

VonDietmar Neuerer

Als die AfD eine Geiselnahme in Sydney als Rechtfertigung für Pegida heranzog, war die Empörung groß. Jetzt legt die rechtskonservative Partei nach – und nimmt Bezug zum Terroranschlag in Paris.

AfD-Vize Alexander Gauland: Forderungen von Pegida erhalten besondere Aktualität und Gewicht. Reuters

AfD-Vize Alexander Gauland: Forderungen von Pegida erhalten besondere Aktualität und Gewicht.

BerlinDie Alternative für Deutschland (AfD) benutzt erneut einen mutmaßlich islamistisch motivierten Terrorakt als Rechtfertigung für die Anti-Islam-Bewegung Pegida. Nachdem Konrad Adam, einer der drei AfD-Vorsitzenden der rechtspopulistischen Partei, die Geiselnahme im australischen Sydney im Dezember dafür herangezogen hatte, die Anliegen der „Pegida“-Bewegung zu verteidigen, nimmt nun AfD-Vize Alexander Gauland Bezug zum Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ mit mindestens zwölf Toten.

Das „Massaker von Paris“ zeige, wie „fragil und schutzbedürftig“ die Grundwerte unserer Gesellschaft seien. „All diejenigen, die bisher die Sorgen vieler Menschen vor einer drohenden Gefahr durch den Islamismus ignoriert oder verlacht haben, werden durch diese Bluttat Lügen gestraft“, sagte Gauland. Vor diesem Hintergrund erhielten die Forderungen von Pegida besondere Aktualität und Gewicht, fügte der Chef der AfD-Fraktion im Potsdamer Landtag hinzu. „Die Altparteien sollten sich sehr gut überlegen, ob sie bei ihrer Haltung, die Menschen von Pegida weiterhin zu diffamieren, bleiben wollen.“

Die Dresdner Pegida-Bewegung wertete die Terrorattacke ebenfalls als Bestätigung für ihre These vor einer angeblich drohenden Islamisierung Europas. „Die Islamisten, vor denen Pegida seit nunmehr 12 Wochen warnt, haben heute in Frankreich gezeigt, dass sie eben nicht demokratiefähig sind, sondern auf Gewalt und Tod als Lösung setzen! Unsere Politiker wollen uns aber das Gegenteil glauben machen“, hieß es am Mittwochabend auf der Facebook-Seite der Bewegung.

Die Bewegung der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ rief für den kommenden Montag zu einer weitere Demonstration in Dresden auf. Die Teilnehmer des „12. Großen Abendspaziergangs“ sollten mit Trauerflor für die Terroropfer von Paris erscheinen.

Bei dem Anschlag auf das Magazin in Paris waren am Mittwoch mindestens zwölf Menschen getötet worden. Die Täter schossen unter anderem mit einer Kalaschnikow in den Redaktionsräumen um sich.

Anschläge von Islamisten in Frankreich

Dezember 2014

Polizisten erschießen im zentralfranzösischen Joué-lès-Tours einen Mann, der mit „Allahu Akbar“-Rufen („Gott ist groß“) in ein Kommissariat stürmt und mit einem Messer drei Polizisten verletzt. Die Ermittler gehen von einer radikalislamisch motivierten Tat aus. Der Überfall erinnere an Taten, zu denen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aufrufe.

Oktober 2012

Bei einem Anti-Terroreinsatz in mehreren französischen Städten erschießt die Polizei den 33-jährigen Dschihadisten Jeremy Sidney in Straßburg und nimmt elf weitere mutmaßliche Islamisten fest. Sidney und seine Kumpane werden für einen Anschlag auf ein jüdisches Geschäft verantwortlich gemacht.

März 2012

Der Attentäter Mohamed Merah erschießt in einer Mordserie insgesamt sieben Menschen. Unter ihnen waren drei Kinder und ein Lehrer einer jüdischen Schule. Augenzeugen berichten, der Täter habe mit einer Minikamera gefilmt und sei geflohen. Bevor der Mann nach rund 32-stündiger Polizeibelagerung seiner Wohnung bei einer Schießerei getötet wurde, hatte er sich als Al-Kaida-Anhänger und Mudschaheddin (Gotteskrieger) bezeichnet.

November 2011

Unbekannte verüben einen Brandanschlag auf die Redaktion des französischen Satireblattes „Charlie Hebdo“. Es brachte am gleichen Tag ein Sonderheft zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien heraus und hatte sich dazu in „Scharia Hebdo“ umbenannt. Als Chefredakteur war „Mohammed“ benannt worden. Das Magazin hatte 2006 die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark nachgedruckt und bereits in dem Zusammenhang Drohungen und eine Klage erhalten.

Der Anschlag löste international Bestürzung aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer abscheulichen Tat. Der Angriff richte sich nicht nur gegen die innere Sicherheit Frankreichs, sondern auch gegen die Meinungsfreiheit und sei durch nichts zu rechtfertigen. Der britische Premierminister David Cameron bezeichnete den Anschlag als barbarisch und erklärte, Großbritannien lehne jegliche Form von Terrorismus ab. Ähnlich äußerte sich Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sicherte Frankreich Unterstützung zu. US-Präsident Barack Obama sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. Die Regierung in Washington sei bereit, bei der Aufklärung der Tat zu helfen. Der russische Präsident Wladimir Putin betonte, Terrorismus sei durch nichts zu rechtfertigen. Auch die Arabische Liga verurteilte das Attentat.

Kommentare (64)

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Herr Peter Delli

07.01.2015, 17:31 Uhr

Ein echter Volkstribun der Opa. Die Zukunft fest im Blick.

Herr Helmut Paulsen

07.01.2015, 17:31 Uhr


Zu so einem frischen, tragischen Thema würde ich lieber nichts sagen an Herrn Gauland Stelle. Da ist Trauer und schweigendes Erschrecken an erster Stelle angesagt.

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Was Herr Hans-Olaf Henkel sagt zur Ausländerfeindlichkeit 0-Toleranz gegen Ausländerhass bei PEGIDA, da stimme ich zu.

Aber sieht Herr Hans-Olaf Henkel auch bei den geforderten Kontingenten zum Asyl-Zuzug und Kontingenten zur Zuwanderung insgesamt eine "Ausländerfeindlichkeit" ?

Dann stimme ich ihm nicht zu !

Wir brauchen geordnete Zuwanderung mit einem Einwanderungsgesetz in Deutschland !!!

NIcht Asyl mit Bleiberecht als uderlose Masseneinwanderung.

Das kann doch Hans-Olaf Henkel auch nicht gut finden, oder ?? Fragt ihn doch mal danach in der AfD !

Frau Frauke Müller

07.01.2015, 17:31 Uhr

Die AfD wäre gut beraten nicht allzu weit nach Rechts zu rücken. Ein bisschen Verständnis für Pegida ist OK, aber keine Verbrüderung!

Wer die Masse der aggressiven Anti-Pegida Demonstranten in Köln oder Bonn gegen das kleine Pegida-Häufchen erlebt hat, der weiß, dass mit "Rechts" in den alten Bundesländern kein Blumentopf zu gewinnen ist.

Paris hin oder her, HAmburg könnte für die AfD ein Debakel werden.

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