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27.07.2016

16:32 Uhr

Ali David S.

Amokläufer von München war ein Rechtsextremist

Der Amokläufer von München war ein Rassist mit rechtsextremistischem Weltbild. Das geht aus einem Medienbericht hervor, der sich auf Sicherheitskreise beruft. Ali David S. soll sich selbst als „Arier“ bezeichnet haben.

Der Amokläufer soll Rechtsextremist gewesen sein. dpa

Nach Schießerei in München

Der Amokläufer soll Rechtsextremist gewesen sein.

Düsseldorf/FrankfurtÜber den Münchener Amokläufer sind neue Erkenntnisse ans Licht gekommen: So soll der 18-jährige Deutsch-Iraner Ali David S., der am vergangenen Freitag neun Menschen am Olympia-Einkaufszentrum erschossen und zahlreiche weitere verletzt hat, ein Rassist mit rechtsextremistischem Weltbild gewesen sein. Das erfuhr die „FAZ“ aus Sicherheitskreisen.

Aus den Informationen geht hervor, dass Ali David S. stolz gewesen sein soll, wie Adolf Hitler am 20. April geboren zu sein. Er soll sich selbst als „Arier“ bezeichnet haben. Außerdem soll er Türken und Araber gehasst und ein „Höherwertigkeitsgefühl“ ihnen gegenüber gehegt haben. Entsprechende Aussagen stammen laut FAZ aus dem engsten Umfeld von S.

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Der Amoklauf von München hat eine neue Sicherheitsdebatte ausgelöst. Im Interview spricht der bayrische Innenminister Herrmann über neue Herausforderungen, mangelhaften Grenzschutz und Bundeswehr-Einsätze im Inneren.

Aus diesem Grund prüfen die Ermittler auch, ob S. bei seiner Tat bewusst Menschen mit ausländischen Wurzeln getötet hat. Dafür spricht, dass alle neun Opfer einen Migrationshintergrund hatten und er genug Munition dabei hatte, um noch mehr Menschen zu töten. In Strukturen der rechtsextremistischen Szene in München war S. nicht eingebunden.

Die Nationalsozialisten erklärten in ihrer Rassenideologie die Deutschen als Arier zu einer überlegenen Menschengruppe, ursprünglich bezeichnete der Begriff Angehörige eines der frühgeschichtlichen Völker mit indogermanischer Sprache in Indien und im Iran. Als weitere mögliche Erklärungen für die Bluttat gelten die psychischen Probleme des Schützen sowie ein etwaiger Racheakt wegen Mobbings durch Gleichaltrige.

Das plant die Politik gegen den Terror

Was kann man gegen illegalen Waffenhandel tun?

Der Amokläufer von München besorgte sich seine Pistole vom Typ Glock 17 im Darknet, einem abgeschotteten Bereich des Internets. Es gibt Forderungen nach zusätzlichen Fahndungsmöglichkeiten der Behörden, um den Waffenhandel dort zu verhindern Außerdem ist gerade eine neue EU-Richtlinie in Arbeit.
Prognose: Die Fahndung im Internet nach Waffenhändlern wird ausgeweitet, aber kein Gesetz geändert.

Werden Computerspiele verboten?

Schon die Amokschützen von Erfurt, Winnenden und Emsdetten waren Fans von Computerspielen, die Gewaltakte simulieren. Jetzt trifft das auch für den Täter von München zu. Bundesinnenminister Thomas De Maizière würde sich des Themas gerne annehmen. Am Wochenende sprach er von einem „unerträglichen Ausmaß“ von Gewaltverherrlichung im Internet. Verbote hält er nicht für sinnvoll, wünscht sich aber eine gesellschaftliche Debatte.
Prognose: Konkrete Änderungen wird es nicht geben.

Muss die Bundeswehr im Inneren eingesetzt werden?

Im aktuellen Weißbuch zur Sicherheitspolitik haben sich die Koalitionspartner auf den Kompromiss verständigt, dass die Bundeswehr bei größeren Anschlägen auch ohne Grundgesetzänderung eingesetzt werden kann.
Prognose: Der Streit geht weiter, eine Klarstellung im Grundgesetz wird es aber mit Sicherheit nicht geben. Im Fall eines großen Terroranschlags in Deutschland ist ein Hilfseinsatz der Bundeswehr trotzdem wahrscheinlich.


Brauchen wir mehr Videoüberwachung?

Diese Forderung wurde bereits nach der Axt-Attacke von Würzburg erhoben. Die Befürworter erhoffen sich eine Abschreckung von Straftätern und eine leichtere Aufklärung. Kritiker fürchten den Überwachungsstaat.
Prognose: Eine Ausweitung der Videoüberwachung ist gut möglich.

Brauchen wir mehr Polizei?

In München waren 2300 Sicherheitskräfte aus ganz Deutschland im Einsatz - allen voran Spezialkräfte des Bundes und der Länder. Die Operation stieß auf viel Lob. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Leistung der Sicherheitskräfte „großartig“. Eine Stärkung der Polizei hält nicht nur die Union für sinnvoll. Die SPD hat sich für 3.000 zusätzliche Bundespolizisten ausgesprochen.
Prognose: Die Polizei kann mit Verstärkung rechnen.

Das bayerische Landeskriminalamt wollte die Informationen der „FAZ“ auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP weder bestätigen noch dementieren. „Spiegel Online“ zitierte unterdessen einen 17-Jährigen, der mit dem Todesschützen befreundet gewesen sei. Demnach soll S. einen „Riesenhass auf die meisten Ausländer“ entwickelt haben, weil ihn einige Jungen in der Schule „richtig zerpflückt“ hätten. So habe er seinen Freunden verboten, ihn weiter bei seinem Spitznamen Ali zu rufen. Er habe nicht als Muslim angesehen werden wollen.

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