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24.04.2013

15:25 Uhr

Allensbach-Studie

Chancengleichheit in der Schule? Mangelhaft

VonMaike Freund

Eine Chance auf gute Bildung hat in Deutschland längst nicht jeder. Entscheidend ist, aus welchem Milieu die Schüler kommen, belegt eine neue Studie. Und dass sich jemand um die Kinder kümmert. Doch genau da hapert es.

Immer noch habe die besserer Chancen, die aus einer höheren Schicht kommen. dpa

Immer noch habe die besserer Chancen, die aus einer höheren Schicht kommen.

DüsseldorfKevin ist einer, der es geschafft hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass es hätte anders kommen können, war groß, erzählt Arndt Hilse, Schulleiter der Karl-Simrock-Hauptschule in Bonn. Denn noch immer ist es für Hauptschüler besonders schwer, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Doch Kevin hat es geschafft, er wird Bäcker. Dass er einen Platz ergattern konnte, hat auch viel mit dem Engagement seiner Lehrer zu tun, die immer wieder neue Ideen haben, um den Schülern Ausbildungsplätze zu vermitteln. Sie wissen, ihre Schüler haben es sowieso schon schwer.

Das hat etwas mit Bildungschancen zu tun, die in Deutschland noch immer ungleich verteilt sind. Die Mehrheit der Lehrer glaubt nicht daran, so eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung, dass es an deutschen Schulen in Sachen Chancengleichheit gut bestellt ist. 61 Prozent meinen sogar, Gerechtigkeit im deutschen Bildungssystem sei fast gar nicht oder gar nicht gegeben. Der Grund dafür: die soziale Herkunft der Schüler.

Chancen durch Veränderung der Schulstruktur

Verlängerung der Grundschule

33 Prozent der Lehrer und 27 Prozent der Eltern meinen mit einer Verlängerung der Grundschule auf sechs Jahre kann man benachteiligte Kinder am besten fördern.

Quelle: Allensbach

Einzelunterricht in der Schule

26 Prozent der Lehrer und 33 Prozent der Eltern meinen, der Einzelunterricht in der Schule verbessere die Situation der Kinder.

Bildung von Klassen mit ähnlich leistungsstarken Schülern

Die Bildung von Klassen mit ähnlich leistungsstarken Schülern ist für 21 Prozent der Lehrer und 40 Prozent der Eltern maßgeblich für eine verbesserte Förderung.

Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems

21 Prozent sowohl der Lehrer als auch Eltern meinen, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems ist die beste Lösung.

Abschaffung der Noten

Lediglich sieben Prozent der Lehrer und acht Prozent der Eltern würden die Abschaffung der Noten als eine verbessere Förderung benachteiligter Kinder betrachten.

Abschaffung des Sitzenbleibens

Zehn Prozent der Lehrer und zwölf Prozent der Eltern denken, die Abschaffung des Sitzenbleibens ist am besten.

Die repräsentative Studie untersucht die Einstellung von Lehrern, Schülern und Eltern zur Bildungszufriedenheit. Abgefragt wurden neben der Chancengerechtigkeit zum Beispiel die Gründe für unterschiedliche Chancen der Kinder, die Einstellungen zu Schulempfehlungen und die Meinung der Schüler über ihr Lehrer. Die Ergebnisse zeigen: Es gibt einige Baustellen - und eine davon ist schwerwiegend.

Das ist die soziale Herkunft. Laut Studie glauben 96 Prozent der Lehrer, dass der soziale Hintergrund des Elternhauses die Leistung von Schulkindern beeinflusst. 83 Prozent halten ihn sogar für groß bis sehr groß.

Bildungserfolg und soziale Schichten

Schulerfolg hängt von sozialer Herkunft ab

Die Lehrer sind sich einig: Der Schulerfolg hängt maßgeblich von der sozialen Herkunft ab.

Der Einfluss der sozialen Schicht des Elternhauses auf die Leistung von Schülern ist sehr groß, sagen 33 Prozent der Lehrer, groß sagen 49 Prozent der Lehrer und gar nicht groß sagen 15 Prozent. Unentschieden sind drei Prozent der Lehrer.

Lehrer sehen zunehmende soziale Differenzierung

18 Prozent der Lehrer haben den Eindruck, dass die Leistungsunterschiede zwischen den Kindern aus verschiedenen sozialen Schichten zu 60 Prozent an Grundschulen zugenommen haben, 17 Prozent haben den Eindruck, die Unterschiede haben zu 63 Prozent an Haupt/Realschulen zugenommen, 37 Prozent meinen, der Unterschied habe an Gymnasien zu 45 Prozent zugenommen.

Mittlere soziale Schichten

Von Kinder aus mittleren sozialen Schichten besuchen 52 Prozent ein Gymnasium, 33 Prozent eine Realschule, sieben Prozent eine Hauptschule, acht Prozent eine Mischform aus Haupt- und Realschule und 13 Prozent eine Gesamtschule.

Schwächere soziale Schichten

Von Kindern, deren Eltern aus schwächeren sozialen Schichten sind, besuchen 30 Prozent ein Gymnasium, 34 Prozent eine Realschule, 17 Prozent eine Hauptschule, elf Prozent eine Mischform aus Haupt- und Realschule und 18 Prozent eine Gesamtschule.

Höhere soziale Schichten

Von Kindern aus höheren sozialen Schichten besuchen 70 Prozent ein Gymnasium, 25 Prozent eine Realschule, fünf Prozent eine Hauptschule, ein Prozent eine Mischform aus Haupt- und Realschule und 14 Prozent eine Gesamtschule.

Kommentare (29)

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Account gelöscht!

24.04.2013, 15:54 Uhr

Die Chancen der Bildung der Kinder steht und fällt mit dem Engagement der Eltern; dann kommt lange gar nichts und dann, weit hinten, die Schule und die Lehrer. Wer Kinder in die Welt setzt MUSS (Nicht: sollte!) wissen: ab jetzt dreht sich ALLES um die Kinder. Egal ob Kindergarten, Schule, Lehre/Studium, etc. Erst mit dem festen Beruf ist die Aufgabe vorbei und man kann sich um die Enkeln Gedanken machen. Kinder müssen ständig zum Lernen angehalten werden, aber auch Freiraum bekommen , um ihre Hobbies (nicht die der Eltern!) ausüben zu können. Kinder MÜSSEN Fehler machen dürfen, ohne dass ihnen der Kopf abgerissen wird. Im Kindergarten lasse ich die Kinder raufen und greife erst dann ein, wenn´s unfair wird. Läßt man die Kinder "balgen" wissen sie selbst, wann sie aufhören müssen. Es gibt dann kein "Nachtreten"! OK, viel auf einmal, aber mit etwas gesunden Menschenverstand wird dann aus den Kindern was! Wer bei schönen Wetter Kinder Vokabeln büffeln lässt, dem ist nicht mehr zu helfen. Sozialschwache Eltern (NICHT "mit Migrationshintergrund!") packen es in der Regel nicht, weil sie selbst nie gelernt haben Dinge auf die Reihe zu bringen. Über mich: mein Vater war Flüchtling aus Schlesien und Vertreter, meine Mutter Verkäuferin und wir haben in Miete gewohnt. Ich selbst habe Abi & Studium und meine beiden Kinder sind auf dem Weg dahin.

holyowly

24.04.2013, 15:56 Uhr

Grund für die Ungleichheit: Mangelnde Fürsorge.

LOL - echt jetzt? Natürlich kümmert sich Mami nach ihrer Zwangsarbeit auch noch um die Hausaufgaben der Kinder. Sie hat zwar keine Ahnung was die Kinder da überhaupt tun, denn das was sie Lernen müssen ist für Mamis und Papis ein Buch mit sieben Siegeln, aber ein bisschen reinreden kann sie ja trotzdem. Dumm nur dass es für die qualifizierte Nachhilfe finanziell leider auch nicht reicht. Kinder aus besseren Häusern geniessen da natürlich eine ganz andere 'Fürsorge'.

Klar müssen sich jetzt Eltern wieder 'mangelndes Interesse' vorwerfen lassen, aber wundert das denn??? Wenn mir meine Tochter etwas von binomischen Formeln erzählt hab ich wirklich keine Ahnung und ICH muss das auch nicht wissen. Vielleicht sollte ganz grundsätzlich einmal hinterfragt werden WAS unsere Kinder lernen.

Ich kann mich noch gut erinnern, dass meine Tochter zwar die weltweiten Vorkommnisse von Rohstoffen und völlig veraltete Bevölkerungszahlen pauken musste. Ein Problem hat sie allerdings wenn sie nach Hamburg, Nizza, Oslo soll. Sie wüsste erstmal nicht wo sie suchen soll.

Zum Interesse an der Schule kann ich nur sagen wie das abläuft:
Mutter: Na, wie war's heut in der Schule?
Kind: Geht so... (Abgang)

Ganz ehrlich, die beiden Sätze kann man sich auch noch sparen.
Sollte wieder erwarten ein Kind doch mal was über die Schulstunden erzählen, dann VERSTEHEN die Eltern nicht was sie meinen.

Und zum Thema Bildung:
In unseren Schulen findet keine Bildung statt. In unseren Schulen gibt es nur eine mehr oder weniger erfolgreiche Dressur.

Privatier

24.04.2013, 16:23 Uhr

@arroganzza
bei uns in Deutschland läuft es exakt so wie Sie schreiben.
Vollste Zustimmung.
Will man eine chancenausgleiche Bildung, unabhängig vom Engagement der Eltern, müsste das System radikal geändert werden.
Aber das ist wahrscheinlich gar nicht gewollt. Gutbetuchte Eltern schicken ihre Kinder auf Privatschulen, wo man unter sich bleibt. Das gibt dann später die "Elite". Der Rest kann schauen wo er bleibt.
Abitur für die Masse, das nichts wert ist!

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