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07.07.2015

15:32 Uhr

Allensbach-Studie zur Familienpolitik

Die Angst vor der Rabenmutter

VonPeter Thelen

Der Mann arbeitet, die Frau kümmert sich um die Kinder: Dieses alte Familienbild gehört, wie eine Studie zeigt, noch nicht der Vergangenheit an. Besonders im Westen nicht. Dabei wünschen sich auch Väter neue Wege.

56 Prozent der befragten Mütter und Väter in den alten Bundesländern der Meinung, dass es besser ist, wenn die Mutter zugunsten der Betreuung des Kindes im Beruf kürzer tritt. dpa

Frauen schieben ihre Kinderwagen

56 Prozent der befragten Mütter und Väter in den alten Bundesländern der Meinung, dass es besser ist, wenn die Mutter zugunsten der Betreuung des Kindes im Beruf kürzer tritt.

BerlinIn Westdeutschland dominiert auch 25 Jahre nach der Einheit noch das traditionelle Familienbild, nachdem der Mann Vollzeit arbeitet und für den Unterhalt der Familie sorgt und sich die Frau überwiegend um die Kinder kümmert. Das ist das überraschende Ergebnis einer Allensbach-Studie, die das Familienministerium in Auftrag gegeben hat.

Demnach sind 56 Prozent der befragten Mütter und Väter in den alten Bundesländern der Meinung, dass es besser ist, wenn die Mutter zugunsten der Betreuung des Kindes im Beruf kürzer tritt. Dagegen plädierten 66 Prozent der Paare in Ostdeutschland dafür, dass beide Elternteile berufstätig bleiben und die Kinder möglichst früh in Krippe und Kindergarten betreut werden.

Wo Frauen ähnlich wie Männer verdienen und wo nicht

Insgesamt

Frauen verdienen noch immer weniger als Männer - das ist keine Überraschung. Je nach Branche unterscheiden sich die Diskrepanzen aber enorm. Während in manchen Berufssparten die Gehaltsspanne 30 Prozent beträgt, sind es in einer Branche nur noch vier Prozent unterschied. Insgesamt verdienten Frauen 2010 durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Techniker und nichttechnische Berufe

Die größten Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen immer noch bei Techniker-Berufen und gleichrangigen Jobs. Wer hier als Frau seine Berufung gefunden hat, muss mit einem 30 Prozent geringeren Einkommen rechnen als der männliche Kollege mit der gleichen Ausbildung.

Führungskräfte

Genauso benachteiligt sind Frauen in Führungspositionen. Auch hier liegt die Gehaltsdiskrepanz bei 30 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt.

Akademische Berufe

Wer als Frau einen akademischen Beruf ergreift, steht etwas besser da - aber nicht viel. Akademikerinnen müssen aktuell noch damit leben, dass der männliche Kollege am benachbarten Schreibtisch 28 Prozent mehr verdient.

Handwerks- und verwandte Berufe

Bei Schreiner, Bäcker, Friseur und Co. sieht es etwas besser aus, auch wenn die Gehaltsspanne ebenfalls noch groß ist: Frauen in Handwerksberufen bekommen durchschnittlich 25 Prozent weniger als der Kollege - immer noch ein stärkerer Gehaltsunterschied als im gesamtdeutschen Durchschnitt.

Bediener von Anlagen und Maschinen und Montageberufe

Knapp unter dem Durchschnitt liegt der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen, die etwa Maschinen bedienen oder als Monteure arbeiten: 19 Prozent verdient ein männlicher Mitarbeiter hier mehr als ein Weiblicher.

Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei

Einen Sprung nach unten gibt es bei der Gehaltsspanne in der Land- und Forstwirtschaft. Wer sich in diesem Bereich ausbilden lässt oder wen es aufs Meer zieht, der verdient als Frau verhältnismäßig besser - bzw. ähnlich viel wie der männliche Kollege: Der Unterschied liegt hier bei 13 Prozent - zwar deutlich weniger als etwa bei den Akademikern, aber immer noch deutlich.

Hilfsarbeitskräfte

Gleiches gilt für Arbeitskräfte ohne branchenspezifische Berufsausbildung: Auch hier haben Frauen durchschnittlich 13 Prozent weniger in der Lohntüte als Männer.

Dienstleistungsberufe und Verkäufer

Kaum geringer ist der Unterschied bei Servicekräften, Verkäufern und Co.: Frauen müssen sich mit einem durchschnittlich 12 Prozent geringeren Einkommen begnügen.

Bürokräfte und verwandte Berufe

Das beste Gehaltsniveau für Frauen findet sich bei den Bürojobs und ähnlichen Berufen. Hier beträgt der Gehaltsunterschied zu den männlichen Kollegen nur noch 4 Prozent - 18 Prozent unter der durchschnittlichen Diskrepanz.

Und genau so wird’s auch gemacht: Fast drei Viertel der Mütter und Väter arbeiten vor der Geburt des ersten Kindes Vollzeit. Nach der Geburt des ersten Kinds schrumpfen diese Quoten auf elf Prozent in Westdeutschland, aber nur 34 Prozent in den neuen Bundesländern.

Die jungen Väter arbeiten vor der Geburt des ersten Kindes 42 (Ost) und 43 (West) Stunden im Durchschnitt. Bei den Ostfrauen schrumpft die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit zwar auch nach der Geburt des ersten Kindes, aber nur auf 31 Stunden. Bei den Westfrauen sind es nur noch 21. Hier dominiert die Halbzeitstelle oder der Minijob.

„Die alten traditionellen Leitbilder sind noch sehr mächtig“, kommentiert Allensbach-Chefin Renate Köcher die Ergebnisse. „Ich hätte nie gedacht, dass der Unterschied ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung noch so groß ist.“

Das alte falsche Bild von der Rabenmutter, dass auch von der Familienpolitik der alten Bundesrepublik lange gepflegt wurde, sei offenbar bei vielem immer noch nicht überwunden, kommentierte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD).

Kommentare (1)

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Herr Holger Narrog

07.07.2015, 16:35 Uhr

Eine wesentliche Errungenschaft des Cromagnon Menschen gegenüber dem Neandertaler ist die arbeitsteilige Familie.

Auch im Industriezeitalter ist die Arbeitsteilung Mann Ernährung, Frau Kinder und Haushalt optimal. Eine solche Familie kann auch ohne Überforderung eine grössere Anzahl Kinder grossziehen und meist erfolgreich erziehen. Eine nachhaltige Gesellschaft ist ohne Weiteres möglich. Der Nachteil einer solchen arbeitsteiligen Familie ist dass die Freiheit der Beteiligten durch Verantwortung und Pflichten eingeschränkt ist.

Für die destruktiven Linken ist ein solch autonomes funktionierendes System ein Graus. Im Sinne der linken Ideologie soll der Staat mehr Macht über die Menschen haben, die Kinder möchte man von klein auf indoktrinieren.

So propagiert man den Radikalfeminismus einer dominanten, karriereorientierten Frau die falls sie Kinder hat diese in staatliche Verwahrung gibt. Männer kommen in dieser Ideologie als Hilfsernährer, Hilflshausmänner vor.

In diesem Sinne hat man ein grausames Scheidungsunrecht geschaffen, benachteiligt Männer durch Quoten und Präferenzen im Beruf. Man benachteiligt Familien im Steuersystem gibt ihnen Pflichten und nimmt die Rechte.

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