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05.04.2012

10:54 Uhr

Altbundeskanzler

Gerhard Schröder verordnet Deutschland Agenda 2030

VonGabor Steingart, Sven Afhüppe

Um das Land auf Wachstumskurs zu halten, sind weitere Reformen nötig, sagt der Altkanzler. Im Handelsblatt-Interview spricht er über die Kandidaten der SPD und erklärt, warum Deutschland für Griechenland bezahlen muss.

Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder. ap

Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Handelsblatt: Herr Bundeskanzler, Europa steckt in seiner schwersten Krise. Wären Sie nicht in dieser bewegten Zeit lieber Kanzler als ehemaliger Kanzler?

Gerhard Schröder: Krisenzeiten sind immer eine Herausforderung, und jetzt ist sicher eine besondere Krise. Und, Sie haben Recht: Für jemanden, der wie ich gerne Politiker war, ist das ein besonderer Reiz. Aber ich denke nicht darüber nach. Meine politische Karriere ist beendet. Wie heißt es beim Boxen: They never come back!

Aber wenn Sie Zeitungen lesen, muss es Ihnen doch eher wie bei einem Fußballspiel gehen. Da sitzt man ja auch nicht teilnahmslos dabei, sondern hat klare Vorstellungen, wie die Flanke hätte kommen müssen und welcher Spieler eingewechselt werden müsste.
Richtig. Deshalb bin ich auch davon überzeugt, dass auf dem EU-Gipfel im vergangenen Dezember die richtigen Maßnahmen zur Euro-Rettung angestoßen wurden. Mit den Beschlüssen wurde die Grundlage für eine stärkere Integration Europas gelegt, an dessen Ende die politische Union Europas stehen kann, die zu meiner Zeit als Bundeskanzler politisch noch nicht möglich war. Dafür werden alle Länder zwar auf nationale Souveränität verzichten müssen, aber im Gegenzug gewinnt Europa insgesamt an Stärke und Stabilität.
Sie meinen, künftig sollte nicht nur die Geldpolitik….
…. sondern auch die Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik in Europa koordiniert werden. Ich sehe mit Genugtuung, dass Union und FDP den Widerstand aufgegeben haben gegen eine Wirtschaftsregierung in Europa, die wir schon lange gefordert haben. Den Anfang könnte beispielsweise ein Euro-Finanzminister machen.

Gerade wird ein neuer Chef der Euro-Gruppe gesucht. Wäre Wolfgang Schäuble der richtige Kandidat für die Aufgabe?

Schäuble ist ein überzeugter Europäer, der in den vergangenen zwei Jahren viel früher als andere gesehen hat, was nötig ist zur Stabilisierung der Euro-Krise und zur politischen Weiterentwicklung Europas. Insofern spielt er im Moment zu Recht eine wichtige Rolle. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker die Aufgabe weiter ausführt, da er in schwieriger Zeit einen hervorragenden Job gemacht hat.

In den eigenen Reihen hätte die SPD mit Peer Steinbrück einen Kandidaten, der viel von Europa- und Finanzpolitik versteht. Könnte Steinbrück die Aufgabe ausfüllen?

Keine Frage, das könnte er. Aber Steinbrück wird ja noch für andere Aufgaben gebraucht.

Als SPD-Kanzlerkandidat?

Das ist eine gute Frage, auf die Sie von mir keine Antwort bekommen.

Kommentare (88)

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Bj@rn

05.04.2012, 11:03 Uhr

Gibt es ein Menschenrecht auf Wichtigtuerei? Für Politikhansel aus Hannover scheint dies exklusiv zu gelten.

parzeval

05.04.2012, 11:05 Uhr

So ist das halt mit den Sozialisten: Transferleistungen für die halbe Welt auf Kosten Deutschlands. Und sowas war einmal ein deutscher Bundeskanzler.

Account gelöscht!

05.04.2012, 11:12 Uhr

"They never come back!" Da bin ich aber beruhigt!!!

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