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16.05.2013

15:46 Uhr

Alternative für Deutschland

Anti-Euro-Partei bringt Spitzenpolitiker in Rage

Die SPD will sich nicht von der neuen Anti-Euro-Partei vereinnahmen lassen. Steinbrück spricht von einer gefährlichen Gruppierung, die seiner Partei Stimmen kosten könne. Zornig reagierte FDP-Außenminister Westerwelle.

Das Logo der Partei Alternative für Deutschland (AfD). dpa

Das Logo der Partei Alternative für Deutschland (AfD).

BerlinNach anfänglicher Zurückhaltung warnen Spitzenpolitiker der großen Parteien jetzt vor der Anti-Euro-Partei AfD. "Das ist hochgefährlich", sagte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück am Donnerstag auf dem WDR-Europaforum in Berlin. Die AfD spiele mit Vorurteilen und Ressentiments in einer Zeit, in der eine weitere europäische Integration nötig sei. Auch wenn die AfD nicht über fünf Prozent komme könne sie "auch bei bestimmten SPD-Wählerschichten Stimmen sammeln", sagte Steinbrück.

Drastisch äußerte sich auch Außenminister Guido Westerwelle. "Sind wir eigentlich verrückt geworden, dass wir das, was in Jahrzehnten gebaut worden ist, in einem Jahr einreißen wollen?", fragte er mit Blick auf die AfD-Forderung zur Aufgabe des Euro. Es treibe ihm die "Zornesröte ins Gesicht", wenn er Forderungen nach der Aufgabe der Gemeinschaftswährung höre. Dann würden auch andere europäische Errungenschaften fallen, warnte der FDP-Politiker.

Zuvor hatte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die AfD kritisiert: "Der Vorschlag, aus dem Euro auszutreten, ist geradezu kindisch", sagte er der "Welt". "Ein Zurück zur D-Mark würde zu einem ökonomischen Schiffbruch führen." Bouffier steht vor Landtagswahlen im Herbst, bei denen die AfD wie auch zur Bundestagswahl erstmals antreten will.

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Der europapolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Roth, setzte sich mit Kritik der AfD an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) auseinander. AfD-Chef Bernd Lucke hatte im Handelsblatt (Donnerstagausgabe) Zweifel an der ökonomischen Kompetenz Merkels und Schäubles geäußert und deren Euro-Rettungspolitik mit einer „Enteignung der Bürger auf Raten“ gleichgesetzt.

Roth sagte dazu: „Nicht nur die ökonomische Kompetenz der Bundeskanzlerin, sondern auch die der sogenannten Alternative für Deutschland halte ich für äußerst begrenzt. Wer eine geordnete Abwicklung und einen freiwilligen Austritt der Südländer aus der Währungsunion für beherrschbar hält und keine gravierenden Folgen für den deutschen Mittelstand, Kleinsparer und Steuerzahler erwartet, dem fehlt ganz offensichtlich der nötige Sachverstand.“

Kommentare (233)

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Michael

16.05.2013, 15:59 Uhr

"Wer eine geordnete Abwicklung und einen freiwilligen Austritt der Südländer aus der Währungsunion für beherrschbar hält und keine gravierenden Folgen für den deutschen Mittelstand, Kleinsparer und Steuerzahler erwartet, dem fehlt ganz offensichtlich der nötige Sachverstand.“


Äh...Geht es nicht gerade durch die Nachrichten, dass..hm, wer war's doch gleich...ach ja, der "Mittelstand" und die Kleinsparer mehr belastet werden sollen? So rein politisches Wahlkampfgerede? Und die Steuerzahler werden sowieso schon seit Jahren mehr und mehr geschröpft. Auf einmal ist es denen "wichtig"?

Und die breite Masse wird diesen Unfug aufsaugen und wieder CDU und CO wählen (40% Union waren's gestern?)

JEB

16.05.2013, 16:00 Uhr

"Anti-Euro-Partei bringt Spitzenpolitiker in Rage"

Ich kann kaum audrücken, wie mich das freut.

Was werden diese Spitzenpolitiker nun tun?
Ein Verbotsverfahren einleiten, damit ihre schädliche Politik alternativlos bleibt?

Account gelöscht!

16.05.2013, 16:00 Uhr

Spitzenpolitiker ?

diese Bande hat eine Sandburg gebaut in der viele nicht leben wollen, der Preis für den Euro ist jetzt schon so hoch das Jahrzehnte diese Schulden nicht senken können ohne das Wachstum! aber wo ist denn Wachstum in der EU ? bei den Konten einiger weniger Betrüger vielleicht!

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