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24.05.2013

09:18 Uhr

Alternative für Deutschland

CDU-Politikerin Lengsfeld unterstützt die AfD

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Union tut sich schwer mit der neuen Anti-Euro-Partei. Da passt es schlecht ins Bild, dass eine prominente CDU-Politikerin die AfD unterstützt. Denn die Partei hat es auch auf Wähler im bürgerlichen Lager abgesehen.

Im letzten Bundestagswahlkampf warb Vera Lengsfeld mit diesem Plakat. ap

Im letzten Bundestagswahlkampf warb Vera Lengsfeld mit diesem Plakat.

BerlinDie CDU-Politikerin und frühere DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld tritt als Unterstützerin der neuen Anti-Euro-Partei Alternative für Deutschland (AfD) auf. Sie habe die AfD „um der Fairness willen gegen unseriöse Anschuldigungen wegen angeblicher Rechtslastigkeit“ in dem Blog „Die Achse des Guten“ in Schutz genommen. „Das kann man als Unterstützung ansehen“, sagte die heute als Publizistin tätige Lengsfeld Handelsblatt Online. Auf der Webseite der AfD wird Lengsfeld offiziell als Unterstützerin gelistet.

Ein Austritt aus der CDU kommt für sie deshalb jedoch nicht in Betracht. „Meine kritische Haltung zur Eurorettungspolitik ist auch hinlänglich bekannt. Deshalb werde ich aber nicht die Partei wechseln“, sagte Lengsfeld. Auch an ihrer Haltung zur CDU ändere sich damit nichts. „Nur habe ich die Hoffnung, dass die CDU durch den von der AfD erzeugten Druck zur Ordnungspolitik zurück findet“, betonte die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete.

Das offene Eintreten Lengsfelds für die AfD ist pikant, zumal die Partei auch Wähler im bürgerlichen Lager im Visier hat. Aus diesem Grund hatten die CDU-Fraktionschefs von Hessen, Sachsen und Thüringen jüngst die Parteivorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einer klareren Positionierung gegen die neue Gruppierung aufgefordert. Die AfD sei eine Herausforderung für die Union, schrieben Christean Wagner, Steffen Flath und Mike Mohring. Ihrer Ansicht nach könnte ein signifikanter Verlust von Stimmen an die AfD bei der Bundestagswahl im September SPD und Grünen zur Macht verhelfen.

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Lengsfeld, die in Berlin-Pankow lebt, stört das offenbar wenig. Bei der letzten Bundestagswahl sorgte die ehemalige Bundestagsabgeordnete noch als Berliner CDU-Direktkandidatin für bundesweite Schlagzeilen, als sie im Wahlkampf mit einem Plakat warb, das sie und Angela Merkel tief dekolletiert zeigte mit dem Satz: „Wir haben mehr zu bieten.“

In diesem Jahr tritt Lengsfeld erstmals nicht mehr für den Bundestag an. Parteipolitik überlässt sie ihrem Sohn Philipp, der CDU-Direktkandidat in Berlin-Mitte ist. Aber um weiter politisch mitzumischen, betätigt sie sich als Autorin und nutzt dabei auch „Die Achse des Guten“ – ein Blog, das von Henryk M. Broder, Dirk Maxeiner und Michael Miersch betrieben wird.

Kommentare (66)

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Eddie

24.05.2013, 06:46 Uhr

Schon wieder AfD? Gestern 1 Artikel, heute schon 2. Gibt es keine anderen Themen oder ist das HB Wahlkampfhelfer des Professoren-Vereins? Jedenfalls ganz witzig die Vera: "In diesem Jahr tritt Lengsfeld erstmals nicht mehr für den Bundestag an. Parteipolitik überlässt sie ihrem Sohn Philipp, der CDU-Direktkandidat in Berlin-Mitte ist." "Lengsfeld (...) wetterte gegen die „politisch-mediale Klasse“.

Ihren Posten hat sie also ihrem Sohn vererbt, wettert aber gegen die politische Klasse (Kaste), die sie ja selbst als Negativ-Beispiel darstellt... Ganz schoen schizo...

Account gelöscht!

24.05.2013, 06:46 Uhr

Es gibt anscheinend doch Politiker, die so intelligent sind, dass sie die Machenschaften des Springer-Verlags durchschauen.

zappzero

24.05.2013, 07:21 Uhr

draghi sieht den euro fast gerettet, laut einer nicht repräsentativen umfrage ist deutschland das beliebteste land der welt und vor einer stunde noch ein artikel im hb, dass die afd an unterstūtzung verliert. was hat diese propaganda noch mit journalismus zu tun?
und jetzt ein artikel, dass die allseits unbeliebte lengsfeld die afd unterstūtzt. reicht es dem hb denn nicht, dass sich der chefredakteur hier neulich lächerlich gemacht hat ("you made my day") als er einen unseriösen, die tatsachen verdrehenden artikel ūber lucke verteidigt hat? ich bin kein afd-anhänger, aber ich schätze mal, die etablierten parteien werden sich im herbst wundern, trotz - oder vielleicht auch gerade wegen solcher manipulativen berichterstattung, es wird zeit, dass wir uns die demokratie zurūckholen.

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