Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2015

10:28 Uhr

Alternative für Deutschland in der Krise

Henkel warnt vor dem Untergang der AfD

VonHans-Olaf Henkel

Einheits-Euro, Zuwanderung, Islam: Weil in Deutschland darüber nicht offen diskutiert wird, ist die AfD so erfolgreich. Doch es droht Gefahr – auch durch „Pegida“. Ein Gastbeitrag.

Handelsblatt in 99 Sekunden

Eine rechtspopulistische AfD braucht wirklich niemand!

Handelsblatt in 99 Sekunden: Eine rechtspopulistische AfD braucht wirklich niemand!

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Als Segler vergleiche ich die AfD gern mit einem Schiff. Bei ihrem Parteitag am Wochenende in Bremen soll sich die AfD eine Satzung geben, damit fortan das Steuer von der ruhigen Hand eines Kapitäns geführt werden kann.

Im Überschwang erfolgreicher Wahlergebnisse haben einige Offiziere auf der Kommandobrücke den Kurs des Schiffes nicht mehr an den Sternen, sondern immer öfter an den Lichtern vorbeifahrender Schiffe orientiert (zum Beispiel „Pegida“).

Weitere Griffe in die Speichen des Steuerrades hätten den Schlingerkurs noch verstärkt und unser Schiff in Seenot gebracht. Damit ist es aber noch lange nicht auf Kurs. Wären Versuche erfolgreich, die ganze Mannschaft nach Steuerbord zu lotsen, könnte eine Schlagseite das ganze Schiff gefährden.

Netzwerk der AfD-Hardlinerin von Beatrix von Storch

„Freie Welt“ und „Abgordneten-Check.de“

Beatrix von Storch und ihr Mann Sven von Storch steuern die vielfach als rechts eingestufte Internet- und Blogzeitung FreieWelt.net und das Internetportal www.Abgordneten-Check.de, über die laut Lobbypedia für marktradikal-rechtspopulistische Positionen und eine christlich-konservative Familienpolitik geworben wird. Daher wird die Strömung auch als deutsche Tea-Party bezeichnet.

Quellen: Konrad-Adenauer-Stiftung; FH Düsseldorf; Lobbypedia; Handelsblatt-Recherchen

„Allianz für den Rechtsstaat“

Gründung 1966. Verantwortlich laut der Webseite: Beatrix von Storch. Initiierte die Kampagne der Studenten, die die Rückgabe der in der DDR beschlagnahmten Adelsgüter fordern sowie Aufklärung über den Verfassungsbruch der Regierung Kohl-Schäuble.

„Zivile Koalition“

2004 gegründet. Im Vorstand sitzen Beatrix von Storch und ihr Mann Sven von Storch. Kritiker verweisen auf die „marktfundamentalistischen und erzkonservativen“ Positionen der „Zivilen Koalition“ und sprechen von einer „deutschen Tea-Party-Bewegung“.

„Institut für Strategische Studien“

Öffentlich bemerkbar macht sich die „Zivile Koalition“ vor allem als Netzwerk verschiedener Initiativen, die sie von ihrem Sitz in Berlin aus betreibt; Berichten zufolge mit insgesamt 14 Angestellten. Bedeutsam sind hierbei das Institut für Strategische Studien Berlin (ISSB), welches von Beatrix' Ehemann Sven von Storch geleitet wird, sowie „Die Freie Welt“.

„BürgerKonvent“

Gründung 2003. Vorstand: Beatrix von Storch, Vera Lengsfeld, Klaus Peter Krause. Setzt sich als „Apo von rechts“ ein für die Rückführung des Staates auf Kernkompetenzen und den Abbau von Sozialleistungen zugunsten privater Vorsorge. Auf Politiker soll Druck in diese Richtung ausgeübt werden. Eingekaufte und professionelle Kampagnenpolitik, der so „von oben“ zum Protest aufruft. Die Strukturen sind intransparent und nicht demokratisch.

„Bürgerrecht Direkte Demokratie“

Verantwortlich laut der Webseite: Sven von Storch. Sprecherin: Vera Lengsfeld. Die Initiative „Bürgerrecht Direkte Demokratie“ ist eine Gemeinschaftsaktion von Lengsfeld und der der „Zivilen Koalition“ und startete im Januar 2013. Nach eigenen Angaben setzt sich die Initiative für die unmittelbare Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungen ein.

„Familienschutz.de“

Die Initiative Familienschutz ist nach eigenen Angaben Teil einer organisierten bürgerlichen Basisbewegung der „Zivilen Koalition“. Eine zentrale Forderung an die Familienpolitik ist, dass die Ehe zwischen Mann und Frau Vorrang vor anderen Lebensgemeinschaften haben soll. Die Sprecherin der Initiative, Hedwig Freifrau von Beverfoerde, Initiatorin der Aktion „Staatliche Sexualisierung der Kindheit – Schützt uns davor!“, bemängelte einst in der „Freien Welt“, dass im Sexualkundeunterricht für sexuelle Selbstbestimmung geworben wird und nicht für sexuelle Enthaltsamkeit.

In der AfD gibt es konservative – also bewahrende – und liberale – eher reformorientierte – Kräfte, die sich gegenseitig beharken. Die Partei wird sich auf stürmischer See aber nur dann behaupten können, wenn sie keine Schlagseite bekommt. Aktuell heißt das, auch weiterhin „Blinde Passagiere“, die sich zum Beispiel in Gestalt von Ausländer- und Demokratiefeinden an Bord geschlichen haben, im nächsten Hafen wieder abzusetzen.

Es heißt aber auch, gegen die für einige Liberale typische Intoleranz gegenüber Andersdenkenden vorzugehen. So ist nicht jeder, der sich gegen die Homo-Ehe ausspricht, gleich ein Schwulenfeind, und nicht jeder Kritiker eines ausgeuferten „Gender-Mainstreaming“ ein Gegner der Gleichstellung von Mann und Frau.

Dass „reformorientiert“ und „konservativ“ durchaus harmonieren können, erleben die sieben Abgeordneten der AfD heute im Europäischen Parlament. Sie sind Teil der Fraktion, die sich auch so nennt: „Europäische Konservative und Reformer“ (EKR).

Dort sieht kaum jemand einen Widerspruch zwischen notwendiger Kritik an der Europapolitik auf der einen Seite und der Zuwanderungspolitik zum Beispiel auf der anderen. Die Protagonisten beider Richtungen haben eines gemeinsam: Sie lassen sich den Mund nicht mehr verbieten und treten für neue Lösungen alter Probleme ein.

Kommentare (70)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Jürg Walter Meyer

30.01.2015, 10:47 Uhr

Schade, dass Herr Hans-Olaf Henkel ein so großes Bedürfnis hat, sich an die Öffentlichkeit zu drängen und sein Innerstes nach außen zu kehren. Wenn die AfD untergeht, dann ist dies zu einem großen Teil diesem inkontinenten Verhalten zuzuschreiben. Leider erkennt Herr Hans-Olaf Henkel seine Grenzen nicht.

Frau Erich Merkel

30.01.2015, 10:51 Uhr

Die Überschrift - wohl vom Schlussredakteur mit gesamtpolitischer "Verantwortung" ausgesucht - passt nicht zum Inhalt und zur Zielrichtung des Artikels. Man wird leider immer wieder erneut an das Unwort des Jahres erinnert, wenn es um die 3 Henkel-Punkte geht. Henkel hat einen sehr guten zusammenfassenden und zusammenFÜHRENDEN Artikel geschrieben. Prognostizierter Untergang sieht nun wahrlich anders aus !

Herr Marco Fiala

30.01.2015, 10:53 Uhr

HENKEL SPRICHT SICH UNFREIWILLIG GEGEN LEUTE WIE IHN SELBST AUS:

>>Schon seit vielen Jahren beklage ich das Versagen der deutschen Elite, wenn es um eine ehrliche und unverkrampfte Diskussion dreier Themen geht, die hierzulande mit einem Tabu belegt wurden:
1.) Die Wahrheit über die politischen und ökonomischen Folgen des Einheitseuro.
2.) Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen einer nicht am Interesse des Landes orientierten Zuwanderung.
3.) Die Schattenseiten des Islams, (die man hierzulande höchstens unter vier Augen, am Stammtisch oder von Henryk M. Broder serviert bekommt)
<<

[b]UND EINZIG ALLEIN DER RECHTE ODER KONSERVATIVE FLÜGEL der AfD hat diese Tabu-Themen angesprochen und auf die Agenda gebracht . während der liberale Flügel diese Themen in bester FDP und CDU-Manier umschiffte, und sobald ein Protagonist des rechte Flügels diese Themen ansprach eifrig zurückruderte.


Die Aussagen von Herrn Henkel sind absolut widersprüchlich. Einerseits ätzt dieser Mann schon seit Monaten unentwegt und immer schamloser gegen den rechten Flügel der Partei und fordert jetzt eine Säuberung von "Ausländerfeinden" während er im selben Artikel Tabus in Sachen Euros, der Zuwanderung und des Islams beklagt, obwohl jeder, der zumindest die letzen beiden Tabus anrührt, regelmäßig als Ausländerfeind verunglimpft wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×