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30.03.2017

18:50 Uhr

Alternative für Deutschland

Ist Frauke Petry AfD-müde?

Verwirrung um Frauke Petry: In einem Interview denkt die AfD-Chefin laut über ein Leben nach der Politik nach. Ein Hinweis auf einen möglichen Rückzug? Petrys Sprecher dementiert umgehend.

AfD-Chefin

Bye bye Petry? Diese Gründe könnten für einen Rücktritt sprechen

AfD-Chefin: Bye bye Petry? Diese Gründe könnten für einen Rücktritt sprechen

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BerlinAfD-Chefin Frauke Petry hat mit einem Interview Spekulationen über einen Rückzug aus der Politik ausgelöst. „Weder die Politik noch die AfD sind für mich alternativlos“, sagte die Parteivorsitzende, die im Frühsommer ihr fünftes Kind erwartet, dem Berliner „Tagesspiegel“ (Freitag). Es sei sinnvoll, das eigene Leben von Zeit zu Zeit zu überdenken und neu zu justieren. „So halte ich das auch jetzt, nach mehr als vier Jahren in der AfD, die einen enormen Kraftaufwand bedeutet haben und den Abschied von einem geregelten Leben“, erklärte Petry.

Der „Tagesspiegel“ und andere Medien interpretieren die Aussagen dahingehend, dass Petry einen Rückzug aus der AfD erwägt. Die AfD-Chefin wollte sich zunächst nicht dazu äußern. Aus der Partei hieß es, ihre Äußerung könne auch eine verschleierte Warnung an ihre Gegner in der AfD sein. „Ich glaube nicht, dass Frauke Petry jetzt die Flinte ins Korn wirft“, sagte Dirk Driesang, Beisitzer im AfD-Bundesvorstand, der Deutschen Presse-Agentur. Petry sei aus seiner Sicht auch „sehr wichtig für den Erfolg der AfD“.

Vielleicht habe die Parteichefin mit ihrer Äußerung andeuten wollen, dass es für sie auch eine Grenze gebe, sagte Driesang. Für eine AfD, die den Ideen des Thüringer AfD-Rechtsaußens Björn Höcke folge, stünden Petry, er selbst und auch einige andere AfD-Funktionäre nicht zur Verfügung.

Petry hatte nach internen Diskussionen um die Spitzenkandidatur für den Bundestag in den vergangenen Wochen mehrfach betont, sie wolle mit einer geschlossenen Partei in den Wahlkampf ziehen. Anzeichen von Amtsmüdigkeit ließ die Vorsitzende der sächsischen AfD-Landtagsfraktion aber nicht erkennen.

Die Sprüche der AfD

Immer wieder im Mittelpunkt

Ob Flüchtlingspolitik oder Fußball - mit markigen Sprüchen sorgen führende AfD-Politiker immer wieder für Kopfschütteln und Empörung, wie jetzt die stellvertretende Bundesvorsitzende Beatrix von Storch. Einige Zitate.

Quelle:dpa

Undeutsches Nationalteam

„Eine deutsche oder eine englische Fußballnationalmannschaft sind schon lange nicht mehr deutsch oder englisch im klassischen Sinne.“ (Der AfD-Bundesvize Alexander Gauland am 3. Juni im „Spiegel“)

Unerwünschter Nachbar

„Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ (Gauland in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vom 29. Mai über Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng)

Bitte abschotten

„Wir müssen die Grenzen dichtmachen und dann die grausamen Bilder aushalten. Wir können uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen.“ (Gauland am 24. Februar im Magazin der Wochenzeitung „Die Zeit“ über Flüchtlinge)

Schießbefehl dringend erwünscht

„Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt.“ (Die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry in einem Interview des „Mannheimer Morgen“ vom 30. Januar 2016. Angesichts des Flüchtlingszustroms forderte sie im Notfall auch den Einsatz von Schusswaffen.)

Der Flüchtling als Angreifer

„Wer das HALT an unserer Grenze nicht akzeptiert, der ist ein Angreifer. Und gegen Angriffe müssen wir uns verteidigen. (...) Es gibt keinen Grund, mit Gewalt unsere Grenze zu überqueren.“ (Die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch Ende Januar auf ihrer Facebook-Seite über Flüchtlinge)

Nachhilfe in Rassenkunde

„Im 21. Jahrhundert trifft der lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp auf den selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp.“ (Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke am 21. November 2015 in einem Vortrag über Asylbewerber aus Afrika)

Flucht als Naturkatastrophe

„Das ist ungefähr so, als würden Sie mit Plastikeimern einen Tsunami stoppen wollen.“ (Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen am 24. Oktober 2015 bei einem Landesparteitag in Baden-Württemberg über die Maßnahmen der Bundesregierung zur Bewältigung der Flüchtlingskrise)

Mit Blick auf Anfeindungen auch aus den eigenen Reihen sagte Petry dem „Tagesspiegel“, man dürfe diese nicht persönlich nehmen, „sonst hält man es nicht lange aus“. Allerdings müsse jeder Politiker zugeben, dass ihn die Auseinandersetzungen auch persönlich berührten. „Alles andere wäre gelogen.“ Petry ist mit dem Vorsitzenden der nordrhein-westfälischen AfD, Marcus Pretzell, verheiratet.

Bei einer Podiumsdiskussion mit Vertretern anderer Parteien am Mittwochabend in Berlin hatte Petry gesagt: „Wir müssen es wieder schaffen, als Menschen miteinander umzugehen.“ Sie kritisierte die Wortwahl ihres Parteikollegen Nicolaus Fest. Der ehemalige Journalist hatte die Menschen, die einst über die „Gastarbeiter“-Anwerbung nach Deutschland gekommen waren, in seinem Blog als „Gesindel“ bezeichnet.

Von

dpa

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