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10.10.2014

14:46 Uhr

Alternative für Deutschland

Lucke begeistert von Ansturm auf AfD-Goldshop

Die AfD ist knapp bei Kasse. Um ihre Finanzen aufzubessern, greift die Partei jetzt zu skurrilen Mitteln – und verkauft Goldbarren und -münzen über das Internet. Von dem Erfolg ist selbst die Partei-Spitze überrascht.

Gold-Werbung auf der AfD-Webseite.

Gold-Werbung auf der AfD-Webseite.

BerlinDer von der Alternative für Deutschland (AfD) in dieser Woche begonnene Verkauf von Goldmünzen – und Barren läuft besser als gedacht. „Der AfD-Goldshop ist hervorragend gestartet. Wir setzen Zeichen für eine stabile Währung und wir generieren Einnahmen für die Partei“, sagte AfD-Chef Bernd Lucke dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Die große Nachfrage zeigt, dass viele Deutsche die Euro-Krise für nicht überwunden halten und ihr Vermögen krisenbeständig diversifizieren wollen.“

Eine der fünf Münzen, die von der eurokritischen Partei seit Mittwoch in ihrem Online-Shop verkauft werden, war nach Angaben der AfD am Freitag bereits ausverkauft. Die Partei habe in den ersten 48 Stunden bereits Gold für mehr als 210.000 Euro verkauft.

Die AfD – neue Volkspartei oder kurze Protestepisode?

Wie viel Union steckt in der AfD?

Es steckt einiges von der Union früherer Zeiten in der Alternative für Deutschland (AfD). Nur in der Europapolitik grenzt sich die AfD klar von dem ab, was Helmut Kohl zu seinen Kanzlerzeiten wichtig war. Die AfD besetzt aber andere zentrale Themen der Union wie Familie, Kriminalität und Zuwanderung. Die Warnungen der AfD vor einer Überlastung der Sozialsysteme durch Asylbewerber erinnern an die aufgeheizte Das-Boot-ist-voll-Debatte Anfang der 90er Jahre. Die AfD knüpft zudem an die konservative Gedankenwelt von Bundesministern wie Manfred Kanther (CDU) und Theo Waigel (CSU) an.

Kümmern sich CDU und CSU um solche Themen nicht mehr?

Doch. Auch heute sind das Schwerpunkte der Union. Doch die CSU war im Europa-Wahlkampf mit ihrer auf Ausländer gemünzten Parole „Wer betrügt, der fliegt“ und dem Herziehen über die EU-Kommission nicht erfolgreich. Und CDU und CSU bekamen unter Angela Merkel und Horst Seehofer bei der Bundestagswahl 41,5 Prozent - mit einer liberaleren Einstellung zu Homosexuellen, mit einer neuen Definition von Familie, aber ohne einen Law-and-Order-Mann als Bundesinnenminister. So machte die Union die Erfahrung, dass ein Kurs der Mitte mehr Stimmen bringt als das Beharren auf konservativen Positionen.

Was steckt noch in der AfD?

Die AfD setzt sich für mehr Basisdemokratie ein – und steht damit im Kontrast zur CDU. Einige ihrer Mitglieder stammen außerdem aus der Konkursmasse kleinerer rechter, liberaler und konservativer Parteien. Ehemalige Angehörige von NPD und DVU können dagegen nicht Mitglied der AfD werden. Im Osten wirbt die Partei um DDR-Nostalgiker, die zwar den Sozialismus nicht zurückhaben wollen, aber zum Beispiel Elemente des alten Bildungssystems gut finden.

Ist die AfD denn eine Gefahr für die Union?

Ja - auch wenn die CDU in Brandenburg und Thüringen trotz Stimmenverlusten an die AfD zulegen konnte. Erstens hat die Union durch ihren Wandel hin zu einer modernen, urbanen Partei eine Flanke an ihrem rechten Rand aufgemacht und könnte weiter Konservative, die in der Union keine Heimat mehr sehen, verlieren. Und zweitens wirbelt die AfD die Parteienlandschaft so durcheinander, dass die Machtoptionen für die Union schwinden. Eine Koalition mit der AfD schließt die CDU genauso aus wie mit der Linken, und auf die FDP kann sie nicht mehr zählen. Unabhängig davon, dass Schwarz-Grün im Bund ein Novum wäre, könnte es mit den Grünen knapp werden - wenn die AfD denn 2017 in den Bundestag einzöge. Bliebe ein Bündnis mit der SPD - das sollte aber aus Sicht beider Parteien kein Dauerzustand sein.

Wie wehrt sich die Union gegen die AfD?

Nicht einheitlich. CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagt: „Wir wollen die Wähler zurückgewinnen.“ Fraktionschef Volker Kauder (CDU) will die AfD ignorieren und sich mit ihren Politikern nicht einmal in eine Talkshow setzen. Wolfgang Bosbach vom konservativen „Berliner Kreis“ der CDU hält das für falsch. Viele Unionspolitiker raten inzwischen, sich intensiv mit der AfD auseinanderzusetzen. Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel ging im Brandenburger Wahlkampf deutlich auf die Grenzkriminalität ein, nachdem die AfD bei der Sachsen-Wahl damit punktete. Koalitionen mit der AfD schließt sie aber aus.

Was macht die AfD attraktiv?

Die AfD stellt sich als Partei der braven Sparer und Steuerzahler dar, deren Wohlstand durch die Rettung maroder Banken und überschuldeter Euro-Länder gefährdet ist. Sie fordert, dass außer Flüchtlingen nur noch „qualifizierte und integrationswillige“ Ausländer nach Deutschland kommen dürfen und bemüht dafür gerne das Beispiel des Einwanderungslandes Kanada. Die AfD, die sich seit ihrem guten Abschneiden bei drei Landtagswahlen als „kleine Volkspartei„ bezeichnet, wettert gegen die in Deutschland inzwischen weit verbreitete Kultur der „politischen Korrektheit“. Ihrer Führungsriege gehören etliche Ex-Mitglieder von CDU und FDP an. Deshalb finden einige wertkonservative Wähler die Strategie der CDU, die AfD wie eine nicht-salonfähige Randgruppe zu behandeln, wenig glaubwürdig.

Droht der AfD das selbe Schicksal wie den Piraten?

Nein. „Eintagsfliege“, „Protestpartei“ – diese Etiketten wurden der AfD in den ersten Monaten oft aufgeklebt. Doch im Gegensatz zu den Piraten, die sich lange vor allem der Selbstzerfleischung widmeten, halten sich die internen Streitereien noch im Rahmen. Außerdem hat sich die AfD rasch von einer Ein-Thema-Partei (Eurorettung) zu einer gemausert, die verschiedene Politikfelder besetzt.

Die rechtskonservative Partei will mit dem Verkauf von Goldbarren und -münzen ihre Parteifinanzen sanieren. Sie hofft, dadurch zwei Millionen Euro zu erlösen. Denn nur dann würde sie nicht nur drei Millionen Euro an staatlichen Zuschüssen für 2014 erhalten, sondern die ihr maximal zustehende Summe von fünf Millionen Euro. Maßstab für die Verteilung der staatlichen Zuschüsse ist neben dem Wahlerfolg und den Mitgliedsbeiträgen einer Partei auch die Summe der eingenommenen Spenden.

Viele Anhänger der AfD sind für einen Ausstieg aus dem Euro und wünschen sich die D-Mark zurück. Deshalb bietet die Partei unter anderem D-Mark-Goldmünzen an.

Kommentare (20)

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Herr Thomas Albers

10.10.2014, 14:46 Uhr

"AfD-Sprecher Christian Lüth sagte, die Partei habe in den ersten 48 Stunden bereits Gold für mehr als 210.000 Euro verkauft."

Ganz unabhängig von der AfD: Eigentlich darf man so etwas als Partei nicht machen, weil man so Parteispenden verschleiern kann. Ich glaube nicht, dass das bei der AfD der Fall ist, dennoch ist der Goldverkauf mit Marge als Partei eher kritisch zu sehen.

Angenommen ich möchte einer Partei anonym 100.000 Euro spenden und die Partei spielt bei meinem Vorhaben mit. Dann muss ich doch nur zum Goldshop rennen, einen Koffer Bargeld übergeben, Käufer und Verkäufer tun als hätte ich Einzelbarren mit Aufschlag ge- bzw. verkauft. Dann bringe ich das Gold zum einschmelzen oder lagere es selbst... Die Partei hat mein Geld und ich Gold und mein Name taucht nirgends auf. ;)

Herr Jens Großer

10.10.2014, 14:58 Uhr

Ich gehe mal davon aus das die AfD dieses Vorhaben im Vorfeld hat prüfen lassen. So dumm sind die nun auch nicht, das sie hier offen ins Messer laufen!

Herr Theo Gantenbein

10.10.2014, 14:59 Uhr

Die 1/10 Unze ist bei der AfD nur rund 3 Euro teurer als bei der seriösen Konkurrenz.

Um auf ihrem Wege Geld anonym an die Partei zu bringen müssen man schon mit Kleinlastern voll Gold handeln ;-)

Und warum auch? Wenn Sie ein paar hundert oder ein paar Tausend Euro offiziell an die AfD spenden, bekommen Sie eine schöne Spendenquittung mit der Sie kräftig Steuern sparen können.

Anonyme Millionenspenden sind eher ein Ding für die CDU!

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