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29.06.2015

13:41 Uhr

Alternative für Deutschland

Lucke will schwulen Deutsch-Türken als Generalsekretär

Ein Deutsch-Türke bei den Rechtspopulisten: AfD-Chef Lucke hat André Yorulmaz als Generalsekretär vorgeschlagen. Damit nicht genug: Er ist homosexuell. Emanzipiert sich die Protest-Partei von ihren rechten Überzeugungen?

Der AFD-Kandidat für den Posten des Generalsekretärs, Andre Yorulmaz. dpa

Der neue AfD-Generalsekretär?

Der AFD-Kandidat für den Posten des Generalsekretärs, Andre Yorulmaz.

BerlinAfD-Parteichef Bernd Lucke hat den Deutschtürken André Yorulmaz (32) als Kandidaten für das Amt des Generalsekretärs vorgeschlagen. Yorulmaz gehört dem Kreisverband Recklinghausen an. Der selbstständige Versicherungs- und Finanzberater ist Sprecher der nordrhein-westfälischen AfD für Verbraucherschutz.

Zu den Gründen für seine Mitgliedschaft in der Alternative für Deutschland sagte Yorulmaz am Montag bei einer Pressekonferenz mit Lucke in Berlin: „Es gibt sehr wohl Parallelgesellschaften in Deutschland und darüber muss auch gesprochen werden.“ Dies habe er als Sohn einer deutschen Mutter und eines liberal denkenden türkischen Vaters selbst erlebt.

Wer hält bei der AfD die Fäden in der Hand?

Bernd Lucke

Parteigründer Bernd Lucke (52) ist der mächtigste Mann in der AfD. Mit der bisher eher basisdemokratischen Führungsstruktur tut sich das ehemalige CDU-Mitglied schwer. Gerne würde er deutschnationale Kräfte und Mitglieder, die radikale Systemkritik wollen, loswerden. Lucke ist gläubiger Christ. Mit der provinziellen Deutschtümelei einiger AfD-Mitglieder kann er nichts anfangen.

Frauke Petry

Frauke Petry (39) stand als Co-Vorsitzende im Bundesvorstand anfangs im Schatten von Lucke. Seitdem die AfD 2014 mit 9,7 Prozent in den sächsischen Landtag eingezogen ist, hat sie an Profil gewonnen. Petry ist Politikneuling. Sie setzt sich im Landtag und auch in der eigenen Partei für mehr Basisdemokratie ein. Die Chemikerin wird dem rechten Flügel zugeordnet. Im Vergleich zu den Forderungen anderer Vertreter dieses Flügels sind ihre Positionen aber eher moderat. Petry ist mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet und hat vier Kinder.

Alexander Gauland

Alexander Gauland (74) gehört dem AfD-Bundesvorstand als Stellvertreter an. Sein Landesverband hatte im vergangenen Jahr mit 12,2 Prozent das bislang beste Landtagswahl-Ergebnis für die Partei eingefahren. Gauland ist ehemaliges CDU-Mitglied. Von 1987 bis 1991 leitete er die hessische Staatskanzlei. Gaulands Schwerpunkt ist die Asylthematik. Er will die AfD zu einer Partei machen, die sich vor allem den Sorgen der „kleinen Leute“ widmet.

Konrad Adam

Konrad Adam (73) ist ein konservativer Publizist. Er arbeitete unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Welt“. Lucke schätzt Adams rhetorische Fähigkeiten, reibt sich aber häufig an seinen Positionen, vor allem beim Thema Einwanderungspolitik. Adam gehört dem rechten Flügel an. Radikale Kräfte will er in er AfD nicht haben.

Björn Höcke

Björn Höcke (43) ist Wortführer einer Gruppe von rechten AfD-Mitgliedern, die sich eine Anti-Mainstream-Politik wünschen. Der Lehrer für Sport und Geschichte ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Im März veröffentlichte er die „Erfurter Resolution“. Darin heißt es, viele Mitglieder wünschten sich die AfD als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“. Nachdem Höcke vor einigen Tagen erklärt hatte, nicht alle NPD-Mitglieder seien extremistisch, forderte ihn Lucke zum Austritt aus der AfD auf.

Luckes Wunschkandidat sagte, er lebe zwar in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung, sei aber gegen eine Gleichstellung homosexueller Paare im Adoptionsrecht.

Lucke erklärte, er habe sich für Yorulmaz entschieden, weil dieser im NRW-Landesverband seine „Fähigkeit zum Brückenbauen“ unter Beweis gestellt habe, eine Fähigkeit, die derzeit in der AfD sehr wichtig sei. Ein außerordentlicher Bundesparteitag der AfD soll am kommenden Wochenende über den neuen Parteivorsitzenden und den Generalsekretär entscheiden.

Von

dpa

Kommentare (15)

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29.06.2015, 14:15 Uhr

Seitwann ist die AfD "schwulenfeindlich" und seit wann ist die AfD "ausländerfeindlich" und seit wann ist die AfD Rechtskonservativ....die deutschen Medien können nur eines Hetze und "Lügen" unter das Volk bringen. Unter den zwei Diktaturen (braun und rote) waren die Medien immer mit vorn dabei und bei der dritten (grünen) ist es nicht anders.
Übrigends ist Bernd Lucke überhäupt noch kein gewählter Parteiführer. Dies wird sich noch entscheiden. Und ich hoffe, dass Bernd Lucke durch Fr. Petry abgesetzt wird. Dann kann Hr .Lucke mit seinen Weckruf Verein eine neue Partei grunden, die stromlinienförmig den etablierten Bundestagsparteienbrei mit unterstützt. Lucke will eine zweite Union. Das kann er sich aber abschminken. Die AfD bleibt eine Alternative gegen das etablierten Bundestagsparteiensystem. Bernd Lucke hat bei der AfD ausgedient und kann seinen Gedankenverbot für die Wähler und Mitglieder in seiner neuen Weckruf Partei nachkommen. Der Führungsstil von Bernk Lucke ist unter "aller Sau". Danke!

Eugen Prinz

29.06.2015, 14:33 Uhr

Eigentlich ein geiler Schachzug ... wer will da noch gegen die AfD sein!? ... denn wer hat schon was gegen Türken, erst recht wenn sie auch noch schwul sind!?

Herr Thomas Schulz

29.06.2015, 14:38 Uhr

Bernd Lucke muss sich nicht von irgendetwas emanzipieren. Wie die gemäßigte Mehrheit in der AfD, die seine Anhänger sind, ist er weder schwulen- noch ausländerfeindlich.

Ich begrüße die Entscheidung für Herrn Yorulmaz. Er kommt aus NRW und wurde wegen seiner „Fähigkeit, Brücken zu bauen“, für diesen Posten ausgewählt. Das braucht die AfD gerade dringender denn je, nachdem Petry, Höcke und Konsorten alles tun, um die Stimmung aufzuheizen und die Parteispaltung, die sie mit der Erfurter Resolution angefangen und mit Petrys Angriffen gegen Lucke fortgesetzt haben, zu vollenden.

Herr Yorulmaz kann wegen seiner ausländischen Wurzeln auch leichter Kritik an Auswüchsen unserer Ausländerpolitik wie den Parallelgesellschaften üben als andere, ohne dass die Presse gleich über ihn und die AfD herfällt. Eine sehr kluge Wahl.

Lucke hat hier wieder bewiesen, dass er integrieren kann und will. Anders als Petry und ihr "Flügel", die trotz der Bundesvorstandsentscheide und Schiedsgerichtsurteile an der Unvereinbarkeit von "Weckruf"-Mitgliedschaft und AfD-Mitgliedschaft festhalten. Deshalb wurden schon Parteimitglieder aus der AfD hinausgeworfen - tolle Integration.

Lucke wird sich in Essen durchsetzen. Sonst hätte die AfD keine Zukunft.

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