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03.09.2014

20:25 Uhr

Alterspräsident verzichtet

Personal der Sachsen-AfD offenbart rechte Vergangenheit

Die AfD sieht sich mit einer heftigen Personaldebatte konfrontiert. Die Vergangenheit einiger Mitglieder bringt die Partei nach ihrem Erfolg bei der Sachsen-Wahl in Erklärungsnot. Ein erster Amtsverzicht ist die Folge.

dpa

DresdenDie Alternative für Deutschland (AfD) hat schon kurz nach ihrem Wahlerfolg in Sachsen ein Personalproblem – es geht um die politische Vita einiger Mitglieder und ihre Nähe zum Rechtsextremismus. Aus diesem Grund will der AfD-Abgeordnete Detlev Spangenberg (70) das Amt des Alterspräsidenten im neu gewählten Landtag nicht antreten, wie Parteisprecher Julien Wiesemann am Mittwoch mitteilte.

Zuvor hatte der Sender MDR 1 Radio Sachsen über den Amtsverzicht berichtet. Der 70-Jährige habe seine bisherige politische Arbeit verschwiegen, sagte Uwe Wurlitzer, Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD im Landtag, dem Sender. Nach Angaben der Fraktion behält Spangenberg aber sein Mandat.

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Die Grünen hatten Spangenberg am Nachmittag aufgefordert, das Amt des Alterspräsidenten nicht anzutreten. „Mit Detlev Spangenberg soll ausgerechnet jener AfD-ler Alterspräsident werden, der in der Vergangenheit die offensten Verbindungen in rechtsextreme Kreise gepflegt hat“, erklärte die Fraktion.

Auch Sicht von SPD-Landeschef Martin Dulig ändert Spangenbergs Verzicht „nichts daran, dass wir uns mit dieser rechtskonservativen Partei inhaltlich auseinandersetzen müssen“. „Die AfD instrumentalisiert Ängste von Menschen“, sagte Dulig der dpa.

Die Hacker-Gruppe Anonymous Austria veröffentlichte im Internet Dokumente, die bei der Ausarbeitung des AfD-Landtagswahlprogramms entstanden waren und ein schlechtes Licht auf die Partei werfen. Darin wird unter anderem weniger Kindergeld für nichtdeutsche Kinder gefordert. Die Passagen fanden allerdings keine Berücksichtigung im offiziellen Programm. Wiesemann bestätigte auf dpa-Anfrage die Echtheit der Dokumente.

Die Partei habe von einem Teil der Forderungen Abstand genommen. „Es ist so, dass wir hinter bestimmten Sätzen, die so zu lesen sind, nicht mehr stehen“, sagte der AfD-Sprecher dem Leipziger Lokalradio mephisto 97.6.

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