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05.04.2011

09:47 Uhr

Altersvorsorge

Die Rente reicht im Alter nicht mehr

VonPeter Thelen

Die Rente kann den Lebensstandard für immer weniger Deutsche sichern. Weil immer weniger Kinder geboren werden und es immer mehr Rentner gibt, droht im Alter Armut - trotz eines langen Arbeitslebens.

Sie haben ihr ganzes Leben gearbeitet - trotzdem droht vielen Rentnern im Alter Armut. Quelle: dpa

Sie haben ihr ganzes Leben gearbeitet - trotzdem droht vielen Rentnern im Alter Armut.

Berlin2,4 Prozent der Rentenbezieher laut dem Statistischen Bundesamt so arm, dass ihre Rente vom Sozialamt aufgestockt wird. Die Mehrzahl dieser Rentner sind Frauen, die oft wegen der Kinder auf Erwerbsarbeit verzichtet haben. Doch es besteht die Gefahr, dass es mehr werden, sehr viel mehr. „Künftig droht deutlich mehr Altersarmut. Die zentrale rentenpolitische Aufgabe in dieser Legislaturperiode bestehe darin, eine Antwort auf dieses wachsende Risiko zu finden“, meint Bert Rürup, der ehemalige Chef der „Wirtschaftsweisen“.

Rürup hat als Berater der Bundesregierung maßgeblich mitgewirkt an den Reformen, die dieses Risiko erst heraufbeschworen haben. Mit den Reformen leitete die Politik einen Paradigmenwechsel ein. Das Jahrzehnte lang gültige Prinzip, wonach die Rente den im Erwerbsleben erreichten Lebensstandard im Wesentlichen Teil sichern soll, gilt nicht mehr. Dieses Ziel können Erwerbstätige jetzt nur noch erreichen, wenn sie zusätzlich in eine staatlich geförderte Vorsorge wie die Riester-Rente oder in eine Betriebsrente einzahlen.

Dies gilt um so mehr, als das Nettorentenniveau vor Steuern Jahr für Jahr sinkt – von heute 52 auf 43 Prozent im Jahr 2030. Nur so kann der Beitragssatz auch dann noch unter 22 Prozent gehalten werden. Denn aus demographischen Gründen wächst die Zahl der Rentner, während die der Erwerbstätigen sinkt. Statt wie heute 27 Jahre lang wird dann ein Durchschnittsverdiener 30 Jahre lang Beiträge zahlen müssen, um eine Rente in Höhe der Grundsicherung zu erhalten.

Das bedeutet nicht nur, dass die Rendite der eingezahlten Beiträge deutlich sinkt. Für Bezieher kleiner Einkommen wird bald nicht einmal mehr ein lückenloses Erwerbsleben von 45 Jahren reichen, um mit 67 Jahren eine Rente in Höhe der Grundsicherung zu erhalten. Es spielt keine Rolle, wie sehr sie sich anstrengen – sie können keinen höheren Rentenanspruch erzielen, als ihnen auch ohne einen einzigen Tag Arbeit über die Grundsicherung ohnehin gewährt wird.

„Das erhöhte Risiko von Niedriglohnbeschäftigten und Langzeitarbeitslosen, trotz Beitragsleistungen nicht ausreichend vor Altersarmut geschützt zu sein, gefährdet die verfassungsrechtliche Legitimität der gesetzlichen Rentenversicherung“, warnt Adolf Bauer, Chef des Sozialverbands Deutschland. „Gleiches gilt für das besondere Risiko, im Fall einer Erwerbsminderung nicht mehr hinreichend vor Armut geschützt zu sein.“ Denn damit werde der Rentenbeitrag zu einer „verfassungswidrigen Abgabe ohne Gegenleistung“, weil die Betroffenen am Ende ebenso nur die Grundsicherung erhalten wie jemand, der nie Beiträge gezahlt habe.

Die Handelsblatt-Serie "Deutschland ungeschminkt" läuft vom 1. bis zum 8. April. Den vollständigen Text des aktuellen Serienteils lesen Sie in der heutigen Zeitungsausgabe. Den jeweils aktuellen Serienteil zum Download finden Sie auch im Handelsblatt Shop.

Zusätzliche Studien und Analysen zu diesem Thema bietet das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung.

Kommentare (35)

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Morchel

05.04.2011, 11:03 Uhr

Also nichts wie zu Rathiopharm das ist die neue Zahlstelle für Rentenempfänger.

KriminelleMachenschaften

05.04.2011, 11:04 Uhr

"Weil immer weniger Kinder geboren werden und sich die Deutschen immer früher zur Ruhe setzen droht im Alter Armut - trotz eines langen Arbeitslebens.

Deutschland darbt aber auch mehr und mehr an einer inkompetenten Journaille die als kontrollierende Macht komplett ausfaellt. Das Gegenteil ist der Fall. Letztlich werden die Verbechen der Politik nur noch propagandistisch begleitet.

Wie sonst kann solch ein offensichtlicher Widerspruch in einem Satz stehen bleiben?

Journalismus von Bloeden fuer Bloede.

MikeM

05.04.2011, 11:17 Uhr

Schön blöd, wer jetzt auch noch privat vorsorgt - nur um dann festzustellen, dass die Rente trotz privater Vorsorge auch dann nicht über der Grundsicherung liegen wird. Lieber die Moneten vor dem Staat in Sicherheit bringen und im Alter die Grundsicherung genießen!

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