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20.02.2016

21:28 Uhr

Altersvorsorge

Top-Ökonomen fordern Abschaffung der Riester-Rente

Macht die staatlich subventionierte Riester-Rente angesichts des EZB-Dauerzinstiefs noch Sinn? Nein, meinen führende Ökonomen in Deutschland. Und auch der CDU-Arbeitnehmerflügel fordert einer Ende von Riester.

Was ist die beste Altersvorsorge? Experten zweifeln, ob die Riesterrente wirklich einen Nutzen bringt. dpa

Rentner.

Was ist die beste Altersvorsorge? Experten zweifeln, ob die Riesterrente wirklich einen Nutzen bringt.

BerlinFührende Ökonomen in Deutschland halten die staatlich subventionierte Riester-Rente für entbehrlich. „Die Riester-Rente ist hochgradig ineffizient. Ein Großteil der Beiträge geht für Verwaltung und Provisionen drauf“, sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) dem „Spiegel“. Auch der künftige Chef des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sagte dem Nachrichtenmagazin, die private Altersvorsorge sei „grundlegend falsch aufgestellt“.

Fuest bemängelte, dass durch die Riester-Rente die Ersparnisse von Leuten subventioniert würden, die sowieso sparten. „Es ist eine Umverteilung zugunsten der Gutverdienenden und Finanzdienstleister.“

Stattdessen fordern die Ökonomen, andere Formen der privaten Altersvorsorge zu fördern. Der Würzburger Wirtschaftsprofessor Peter Bofinger schlägt vor, einen „Schäuble-Bond“ aufzulegen: „eine Staatsanleihe mit ein bis zwei Prozentpunkten Zinsaufschlag, aber nur für Sparer, die in diese Anleihe für die private Altersvorsorge investieren“. Finanziert werden solle dies zum Teil mit den Haushaltsüberschüssen, die der deutsche Staat derzeit auch aufgrund der Niedrigzinsen erzielt.

Möglichkeiten bei der Altersvorsorge

Betriebliche Altersvorsorge (1)

Jeder Arbeitnehmer hat das Recht, bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung – 2011 sind das 2640 Euro - steuer- und sozialabgabenfrei in die betriebliche Altersvorsorge einzuzahlen.

Betriebliche Altersvorsorge (2)

Zusätzlich können weitere 1800 Euro lohnsteuerfrei investiert werden. Insgesamt können 4440 Euro in eine Direktversicherung oder eine Pensionskasse fließen. Der Verbreitungsgrad der Betriebsrenten ist in Deutschland noch immer gering. Vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen führt die Betriebsrente noch immer ein Schattendasein.

Riester-Rente (1)

Der Staat bezuschusst die private Altersvorsorge mit Zulagen und Steuervorteilen. Riester-Sparer erhalten derzeit 154 Euro Grundzulage pro Person und 185 Euro für jedes Kind. Für Nachwuchs, der nach 2008 geboren ist, gibt es sogar 300 Euro.

Riester-Rente (2)

Voraussetzung für die volle Förderung ist, dass der Sparer vier Prozent seines jährlichen Bruttolohns einzahlt, wobei bis zu 2100 Euro gefördert werden. Außerdem können Beiträge bis zu dieser Höhe steuerlich geltend gemacht werden. Förderberechtigt sind grundsätzlich Angestellte sowie Beamte und deren Ehepartner.

Rürup-Rente (1)

Die Rürup-Rente richtet sich in erster Linie an Selbstständige. Sparer können einen wachsenden Teil der Einzahlungen von der Steuer absetzen.

Rürup-Rente (2)

Aktuell sind es 72 Prozent, bis 2025 soll der Anteil auf 100 Prozent ansteigen. Pro Jahr sind steuerbegünstigte Einzahlungen von bis zu 20.000 Euro (40.000 Euro für Verheiratete) möglich.

DIW-Chef Fratzscher kann sich eine Reform nach US-Vorbild vorstellen: „Dort erhält jeder Arbeitnehmer attraktive staatliche Anreize, aber er kann weitgehend selbst bestimmen, wie er die Vorsorge gestaltet.“

Auch der CDU-Arbeitnehmerflügel stellt die Riester-Rente infrage. Der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, plädierte für eine Rückabwicklung. „Die Riester-Rente ist spätestens mit der Niedrigzinsphase an die Wand gefahren“, sagte Bäumler dem Handelsblatt. „Riester hat das Niveau der gesetzlichen Rente um vier Prozent gesenkt und damit der Altersarmut bei Normalverdienern den Weg bereitet.“ Der CDU-Politiker fordert daher, das Rentenniveau schrittweise wieder um vier Prozent anzuheben.

Fallstricke bei der Altersvorsorge

Inflation einkalkulieren (1)

Bei einer langfristigen Finanzplanung ist die Inflation ein wesentlicher Faktor. „100 Euro sind in 20 Jahren bei einer angenommenen jährlichen Inflationsrate von zwei Prozent nur noch 67 Euro wert“, rechnet Finanzexperte Siebold vor.

Inflation einkalkulieren (2)

„Steigt die Inflationsrate auf drei Prozent, sind es nur noch rund 55 Euro.“ Nach 30 Jahren seien 100 Euro bei zwei Prozent Teuerung nur 55 Euro und bei drei Prozent nur rund 41 Euro wert, so der Experte. Einen Inflationsschutz bieten nach Expertenansicht Sachwerte wie Aktien oder Immobilien.

Zu niedrige Verzinsung (1)

Die Deutschen scheuen das Risiko, doch das kann bei der Altersvorsorge unangenehme Folgen haben. „Viele Deutsche fühlen sich mit Bar- und Festgeld sowie mit sicheren Rentenpapieren wohl“, sagt Finanzplaner Christian Siebold.

Zu niedrige Verzinsung (2)

„Aber wirklich riskant ist es, langfristig nicht auch chancenorientierte Investments beizumischen, damit die Rendite stimmt“, meint der Fachmann. Experten empfehlen Aktien, Anleihen und Fonds als chancenorientierte Anlagen. Auch alternative Investments wie Private Equity (außerbörsliche Beteiligungen), Rohstoffe oder Hedge-Fonds können ein Baustein des langfristig orientierten Altersvorsorgeportfolios sein.

Auf die Details achten (1)

Wer sich für ein Produkt entscheidet, sollte sich die Details genau anschauen. Private Rentenversicherungen bieten Flexibilität, die Einzahlungen lassen sich anpassen.

Auf die Details achten (2)

Wird aber beispielsweise die Riester-Rente nicht hoch genug bespart, zahlt der Staat auch nicht die volle Förderung. Grundsätzlich sollten Verbraucher unabhängigen Rat einholen und dafür auch Geld investieren.

Von

dne

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