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03.11.2014

18:00 Uhr

Altkanzler stellt Europa-Buch vor

Kohl fürchtet um sein Lebenswerk

VonNils Rüdel

„Sind wir alle verrückt geworden?“ Das fragt sich Helmut Kohl, wenn er an Europa denkt. So heißt auch sein neues Buch: „Aus Sorge um Europa“. Es ist eine Abrechnung – und zugleich lenkt es von einem anderen Buch ab.

Buchvorstellung

Kohl: "Ich habe nie aufgehört an Europa zu glauben."

Buchvorstellung: Kohl: "Ich habe nie aufgehört an Europa zu glauben."

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FrankfurtEuropa ist in Gefahr – und Helmut Kohl will davor warnen. Deshalb hat der 84-Jährige ein neues Buch geschrieben, deshalb ist er an diesem Montag in den Adenauer-Saal der Frankfurter Villa Kennedy gekommen. „Aus Sorge um Europa“ (Droemer-Verlag) heißt das Werk, das der Altkanzler vorstellt. Es ist eine Mahnung – und der Versuch, die Deutungshoheit über sein Lebenswerk zurückzugewinnen.

Das Sprechen fällt dem 84-jährigen Altkanzler sichtlich schwer, als er nach der überschwänglichen Laudatio des neuen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker selbst ein paar Worte sagen will. „Es ist ein schönes Buch geworden, ein wichtiges Buch in einer ganz schweren Zeit“, sagt Kohl, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt, an der Seite von Ehefrau Maike Kohl-Richter. Nach dem neu verlegten dritten Teil seiner Memoiren hat er nun ein 119-seitiges Plädoyer für das europäische Projekt nachgelegt – eine Analyse des Zustands der Union, eine Erinnerung an seinen eigenen Anteil am europäischen Projekt, und eine Abrechnung mit seinen Nachfolgern.

Es ist auch eine Ablenkung vom zermürbenden Streit um ein anderes Werk. Tauchen doch die Wörter „Kohl“ in Verbindung mit „Buch“ seit Wochen vor allem im Zusammenhang mit dem umstrittenen Werk seines Ex-Ghostwriters Heribert Schwan auf, das auf Tonbandmitschnitten beruht, die Kohl lieber im Giftschrank gelassen hätte und nun dagegen klagt. Darin geht es etwa um Angela Merkel, die angeblich „nicht richtig mit Messer und Gabel essen“ konnte oder um Christian Wulff, der ein „ganz großer Verräter“ gewesen sei. Auch die Größen der deutschen Wirtschaft bekommen ihr Fett weg.

Jetzt soll Schluss sein mit solchem Kleinkram, jetzt, im neuen Buch, geht es statt um die Essgewohnheiten der Kanzlerin oder die Charakterfestigkeit des Ex-Bundespräsidenten um das große Ganze: um Europa.

Ist das noch Kohls Europa? Eine seit Jahren wütende Wirtschaftskrise, Arbeits- und Perspektivlosigkeit fast überall, Zugewinne EU-kritischer Parteien, Großbritannien mit einem Bein draußen, schwindender Identifikation der Unionsbürger und einer brüchigen deutsch-französischen Achse. Wie denkt Kohl, der große Europäer, über den beklagenswerten Zustand seines Projekts?

„Europa befindet sich seit dem Übergang vom 20. ins 21. Jahrhundert in keinem guten Zustand“, heißt es in dem Buch an einer Stelle. „Wir waren in Europa schon einmal sehr viel weiter.“

Kommentare (19)

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Herr Walter Schimpf

03.11.2014, 18:09 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

03.11.2014, 18:20 Uhr

Sein Wille zur Widervereinigung in relativ kurzer Zeit bedingte sein Eingehen auf die Wünsche Mitterands, mit einer gemeinsamen Währung der Dominierung Deutschlands entgegenwirken zu können.

Leider bedachte keiner die essentiellen Voraussetzungen einer EWU: die gemeinsame Staatlichkeit.

An ihr fehlt es - wohl noch auf viele Hundert Jahre.
Solange ist der Euro ein Bastard, der nur Unheil anrichten kann, nichts sonst.

Account gelöscht!

03.11.2014, 18:24 Uhr

Korrektur:

In dem Kommentar von mir muß es heißen:

...der Dominierung durch Deutschland entgegen wirken zu können.

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