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15.09.2013

16:13 Uhr

Am Weißwurst-Äquator – Tag 6

Es gehen wieder mehr Bayern wählen

VonMaike Freund

Die Spannung steigt: Die beiden Spitzenkandidaten Horst Seehofer (CSU) und Christian Ude (SPD) haben gewählt, jetzt warten sie im Maximilianeum – wie auch unsere Reporterin Maike Freund – auf die ersten Hochrechnungen.

+++ Unsere Reporterin unterwegs: Bayern in sechs Tagen +++
Maike Freund, Politikredakteurin bei Handelsblatt Online, hat den Koffer gepackt und sich auf die Reise gemacht. Von Düsseldorf, wo die Redaktion beheimatet ist, nach Bayern, wo am kommenden Sonntag gewählt wird. Sie hat den Weißwurst-Äquator überquert, besucht Dörfer, in denen die SPD eine treue Wählerschaft hat und trifft Bayerns einzige FDP-Bürgermeisterin. Sie wird den gemeinsamen Wahlkampfauftritt von Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Horst Seehofer in Würzburg beobachten und mit der Ex-Familienministerin Renate Schmidt beim Kaffee über die Wahlchancen der bayerischen Sozialdemokraten sprechen. Und am Tegernsee spürt sie den Folgen der Hoeneß-Steueraffäre nach. In Tagebuchbeiträgen berichtet Maike Freund von ihrer Tour, die am Wahlsonntag im Landtag in München endet.

+++ Tag 6: Auf nach München +++

Meine Tage in Bayern gehen zu Ende. Was habe ich gelernt? Dass mehr Menschen hier Trachten tragen als gedacht. Dass es immer und überall Fleisch gibt. Dass das Bier tatsächlich sehr gut schmeckt. Und dass die Franken zu Recht für ihre Würste geliebt werden.

Und politisch? Dass auch traditionell der SPD zuneigende Gegenden wie Oberfranken eher blassrot sind. Dass der Frauenanteil in den Ämtern, egal ob Landtag oder als Stadtoberhaupt, verschwindend gering ist. Dass Christian Ude in live besser wirkt als im Radio oder Fernsehen. Dass es den meisten Bayern gut geht. Dass Seehofer und die CSU geliebt werden, Affären hin oder her. Dass die absolute Mehrheit – trotz Umfragen – nicht gewiss ist. Dass die Freien Wähler unkalkulierbar sind.

Auf nach München, auf ins Maximilianeum, den bayrischen Landtag, um zu sehen, wie die Wahl wirklich ausgeht.

+++ Das bayerische Bundes-Barometer +++

Dass die Parteien mit Spannung nach Bayern blicken, ist nicht neu. Auch nicht, dass es in den Prognosen eher schlecht für die FDP aussieht. Auf Bundesebene schießen sich die Liberalen daher immer mehr auf die Zweitstimme ein, schließlich soll Gelb als Fraktion im Berliner Reichstag vertreten bleiben. Nach einem „Focus“-Bericht will die FDP daher in den kommenden Tagen vier Millionen Postwurfsendungen an Haushalte verschicken, bei denen eine Nähe zur Partei, nach welchen Kriterien auch immer, angenommen wird. Darüber hinaus sollen gezielt Handwerker, Landwirte, Selbstständige, Ärzte oder Ingenieure angeschrieben werden. In den 60 größten Einkaufszentren Deutschlands sollen zwei Tage vor der Wahl animierte Motive mit Spitzenkandidat Rainer Brüderle zu sehen sein, die mit „Zweitstimme FDP“ auf Wählerfang gehen. Ob die Schnittmenge auf Bundesebene dann größer ist als nur auf Bayern bezogen? Übrigens: Nach der Landtagswahl in Bayern wollen alle Parteien die Ergebnisse auswerten und entsprechende Schlüsse ziehen. Schließlich geht es am nächsten Wochenende um mehr als die sprichwörtliche Weißwurst.

+++ Die Ersten haben schon gewählt +++

Heute ist Wahltag: Ministerpräsident Horst Seehofer geht mit seiner Frau Karin in Ingolstadt zum Wahllokal. dpa

Heute ist Wahltag: Ministerpräsident Horst Seehofer geht mit seiner Frau Karin in Ingolstadt zum Wahllokal.

Seit 8 Uhr morgens sind die Wahllokale in Bayern geöffnet. Rund 9,5 Millionen Bürger sind aufgerufen, über die Zusammensetzung des Landesparlaments für die nächsten fünf Jahre zu entscheiden. Insgesamt 180 Sitze sind zu vergeben. Darum bewerben sich 15 Parteien mit insgesamt 1769 Kandidaten. Die Bayernwahl gilt auch als wichtiger Stimmungstest für die Bundestagswahl am kommenden Sonntag.

Kein Geheimnis, an wen seine Stimmen gehen. dpa

Kein Geheimnis, an wen seine Stimmen gehen.

Erfreulich: Bei der Landtagswahl zeichnet sich eine etwas höhere Wahlbeteiligung als vor fünf Jahren ab. In den Wahllokalen der größeren bayerischen Städte lag die Beteiligung bis zum Mittag zwar ähnlich niedrig wie bei der Landtagswahl 2008. Da aber deutlich mehr Wähler ihre Kreuze per Briefwahl gemacht hätten, sei insgesamt ein etwas besseres Ergebnis als vor fünf Jahren zu erwarten, hieß es beispielsweise aus München. 2008 hatte die Beteiligung bei der Bayern-Wahl am Ende bei 57,9 Prozent gelegen – dies war der zweitniedrigste Wert seit Gründung der Bundesrepublik.

Der SPD-Spitzenkandidat Christian Ude erscheint mit seiner Frau Edith von Welser-Ude (l.) und seiner Stieftochter Susanne Jell. dpa

Der SPD-Spitzenkandidat Christian Ude erscheint mit seiner Frau Edith von Welser-Ude (l.) und seiner Stieftochter Susanne Jell.

Die Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien wählten bereits am Vormittag. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kam am Morgen in Begleitung seiner Frau Karin und seiner Tochter Susanne ins Wahllokal in Ingolstadt.

Sein SPD-Herausforderer Christian Ude wählte etwa zwei Stunden später in München, begleitet von seiner Frau Edith von Welser-Ude. Dort traf er auch Grünen-Spitzenkandidatin Margarete Bause - beide gaben im gleichen Wahllokal ihre Stimme ab.

Christian Ude wählt in München – und hofft auf ein gutes Ergebnis für die SPD. Reuters

Christian Ude wählt in München – und hofft auf ein gutes Ergebnis für die SPD.

Kommentare (21)

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kohlhas

10.09.2013, 15:09 Uhr

hoffentlich kommt die AfD in den BUNDESTAG! dann wäre endlich wieder KOMPETENZ in diesen HEILGEN HALDEN!

EurichLobenstein

10.09.2013, 15:35 Uhr

sie verehren ihren Kienie, der Bayern für 25 Millionen Mark an Bismarck verkauft hat, haben den ersten Weltkrieg für die Preiß´n gekämpft, widmen dem Generalstaatssekretär von 1923, Gustav v. Kahr eine lange Münchner Straße, haben Adolf Hitler gewählt und die Opposition nach Dachau geschafft und dann Franz Josef Strauß, der den langen leeren Main Donau Kanal baute, warum sollten sie jetzt jemand anders passen lassen als Seehofer, damit sie alle eine Autobahnmaut bekommen? Nirgends in Europa hängt der Verstand so tief ois wia in Bayern

W123h

10.09.2013, 17:02 Uhr

Also ich glaube bei ihnen hängt der Verstand etwas tief.
Die Verehrung von Ludwig II ist nur ein dummes Klischee.
Im WK I haben alle gekämpft, ich weiß also nicht warum die Bayern da besonders sind.
Es gibt in vielen deutschen Städten Straßen, welche nach zwiefelhaften Persönlichkeiten benannt sind.
Abgesehen davon, dass Deutschland Hitler gewählt hat, rate ich Ihnen einmal Wahlstatistiken zu betrachten und sie werden erkennen, dass in Bayern als auch im Rheinland die NSDAP bei weitem nicht den Zuspruch hatte wie in anderen Teilen Deutschlands.
Die Opposition wurde von den Nazis nach Dachau geschafft und nicht durch die Bayern.
FJS mag viele Fehler gemacht haben - wie so viele andere Politiker - aber er hat das Fundament geliefer, damit Bayern heute da steht, wo es steht.
Und Seehofers Aussage ist nur Wahlkampfgeplänkel.
Von Ihnen nur billige Polemik oder Neid. Suchen sie sich eins aus.

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