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26.01.2005

16:03 Uhr

Amateur-Video hat kaum Beweiskraft

Richter im Terrorprozess fordern neue US-Akten an

Kein Fortschritt im Prozess gegen den mutmaßlichen Terrorhelfer Mounir El Motassadeq: Das Hamburger Oberlandesgericht will weitere Ermittlungsakten aus den USA anfordern, ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen werde gestellt, sagte der Vorsitzende Richter des 4. Strafsenats, Ernst-Rainer Schudt, am Mittwoch.

HB HAMBURG. Am Dienstag hatte ein FBI-Agent vor Gericht ausgesagt, die US-Behörden hätten weitere Erkenntnisse zum Fall des in Hamburg angeklagten Marokkaners.

Während er Verhandlung am Mittwoch sahen sich die Beteiligten ein Hochzeitsvideo eines der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA an. Laut Anklage hat der Film keinen großen Beweiswert im Verfahren gegen den angeklagten Marokkaner. Grund sei die frühe Veröffentlichung in den Medien gewesen. Das Video der Hochzeit von Said Bahaji - aufgenommen in einer Hamburger Moschee im Oktober 1999 - war häufig als Beleg für eine Kampfversammlung interpretiert worden.

Motassadeqs Verteidiger Ladislav Anisic betonte, das Video zeige keineswegs eine Kampfversammlung zur Vorbereitung einer Verschwörung. „Diese Leute hatten gute Laune, die haben eine Hochzeit gefeiert“, sagte er.

Motassadeq, der sich wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten muss, war auf dem Video nur kurz zu sehen. Er hatte nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft bei der Hochzeit in der Küche der Moschee gearbeitet. Zu den Hochzeitsgästen zählten Ramzi Binalshibh, der als einer der Organisatoren der verheerenden Anschläge gilt, sowie weitere mutmaßliche Mitglieder der Hamburger Gruppe um den Todespiloten Mohammed Atta.

Mottasadeqs Verteidiger widersprachen der Aussage des FBI-Ermittlers Matthew Walsh vom Dienstag, wonach die Anschläge in Hamburg geplant worden seien. Dafür gebe es keine Beweise. Walsh hatte vom US-Justizministerium nur eine beschränkte Aussagegenehmigung bekommen und die Quelle für die vorgetragenen Ermittlungsergebnisse des FBI vielfach nicht nennen dürfen.

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