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05.08.2016

18:36 Uhr

Amoklauf von München

Täter soll im Iran schießen geübt haben

Vor zwei Wochen erschoss ein 18-Jähriger neun Menschen in einem Münchner Einkaufszentrum, die Waffe hatte er im Internet gekauft. Das Schießen soll er einem Bericht zufolge mit seinem Vater im Iran-Urlaub geübt haben.

Der 18-Jährige, der in München neun Menschen mit einer Pistole des selben Typs erschoss, soll mit seinem Vater im Iran einen Schießstand besucht haben. dpa

Waffe vom Typ „Glock 17“

Der 18-Jährige, der in München neun Menschen mit einer Pistole des selben Typs erschoss, soll mit seinem Vater im Iran einen Schießstand besucht haben.

MünchenDer Amokläufer von München soll nach Medienberichten mit seinem Vater das Schießen geübt haben. Der „Focus“ berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, der junge Mann habe im Dezember 2015 während eines Urlaubs im Iran Schießübungen absolviert.

Laut Informationen der „Bild“-Zeitung soll er mit seinem Vater einen Schießstand besucht haben. Weder Staatsanwaltschaft noch das bayerische Landeskriminalamt wollten die Berichte am Freitag kommentieren. Derzeit würden „sehr viele und große Datenmengen“ ausgewertet, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München I.

Vor zwei Wochen hatte der 18-jährige Deutsch-Iraner in einem Münchner Schnellrestaurant und einem Einkaufszentrum ein Blutbad angerichtet. Er erschoss neun Menschen mit einer Waffe, die er sich im Darknet besorgt hatte. Nach der Bluttat erschoss er sich selbst.

Die Ermittlungen gegen einen Mann, der den Amokläufer von seinem Balkon aus beschimpft hatte, sind unterdessen eingestellt worden. Die Staatsanwaltschaft bestätigte Medienberichte. Der Mann war wegen Beleidigung und fahrlässiger Tötung angezeigt worden.

Was bedeuten die Begriffe?

Amoklauf

In Asien nannte man sie „amucos“ – Krieger, die den Feind ohne Angst vor dem Tod angreifen und vernichten. Heute beschreibt der Begriff in der Regel blindwütige Aggressionen – mit und ohne Todesopfer. Die meisten Amokläufer sind männlich und eigentlich unauffällig, in vielen Fällen ledig oder geschieden. Neben psychisch kranken Tätern gibt es auch Amokläufer, die aus banalen Gründen plötzlich ausrasten. Angst, Demütigung oder Eifersucht haben sich oft lange aufgestaut, bevor es zur Katastrophe kommt. Teils werden Taten auch im Kopf durchgespielt. „Amok“ kommt aus dem Malaiischen und bedeutet „wütend“ oder „rasend“.

Terrorismus

...ist politisch motivierte, systematisch geplante Gewalt, die sich gegen den gesellschaftlichen Status quo richtet und auf politische, religiöse oder ideologische Veränderung ausgerichtet ist. Dass Terroristen töten und zerstören, ist Mittel zum Zweck. Sie wollen vor allem Verunsicherung in die Gesellschaft tragen. Terrorakte richten sich oft gegen die Zivilbevölkerung oder symbolträchtige Ziele.

Terror

...geht auf das lateinische Wort „terrere“ zurück, was „erschrecken“ oder „einschüchtern“ bedeutet. Terror und Terrorismus werden oft gleichbedeutend verwendet. Im Unterschied zum Terrorismus bezeichnet der Begriff „Terror“ aber eher das Machtinstrumentarium eines Staates. Der „Terror von oben“ steht für eine Schreckensherrschaft, die willkürlich und systematisch Gewalt ausübt, um Bürger und oppositionelle Gruppen einzuschüchtern. Auch in die Umgangssprache hat der Begriff Eingang gefunden – etwa für extreme Belästigung, zum Beispiel Telefonterror.

Attentate

...sind politisch oder ideologisch motivierte Anschläge auf das Leben eines Menschen, meistens auf im öffentlichen Leben stehende Persönlichkeiten. Der Ausdruck „Attentäter“ wiederum wird auch für Menschen verwendet, die einen Anschlag auf mehrere Menschen begehen. Terroristische Attentäter zielen etwa auf Angehörige eines ihnen verhassten Systems oder einer Religion ab. Mit Anschlägen auf öffentlichen Plätzen, in Verkehrsmitteln oder auf Feste versuchen sie, in der Bevölkerung Angst und Schrecken zu verbreiten. Der Begriff „Attentat“ leitet sich vom lateinischen attentare (versuchen) im Sinne eines versuchten Verbrechens ab.

Die Anzeige sei davon ausgegangen, „dass der Angezeigte durch seine Ansprache an den Täter ihn zu der Tat angestachelt haben könnte“, sagte ein Sprecher. Allerdings fand die Auseinandersetzung vor zwei Wochen, bei der sich der 18 Jahre alte Amokläufer auf dem Dach eines Parkhauses befand, erst statt, nachdem er bereits neun Menschen erschossen hatte. Ein Video von der Beschimpfung ging um die Welt.

Von

dpa

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