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07.09.2015

15:24 Uhr

Analyse der Bertelsmann-Stiftung

Nichtwähler stammen aus „sozial schwächeren Milieus“

Die Wahlbeteiligung in Deutschland ist umso geringer, je prekärer die soziale Lage der Bürger ist. Das geht aus einer Untersuchung der Bundestagswahl 2013 durch die Bertelsmann-Stiftung hervor.

Je prekärer die Lebenssituation, desto geringer das Interesse an Wahlen. Zu diesem Schluss kommt die Bertelsmann-Stiftung. dpa

Stimmzettel zur Bundestagswahl 2005

Je prekärer die Lebenssituation, desto geringer das Interesse an Wahlen. Zu diesem Schluss kommt die Bertelsmann-Stiftung.

GüterslohDer typische deutsche Nichtwähler stammt einer Analyse der Bertelsmann-Stiftung zufolge aus „sozial schwächeren Milieus“. Bestimmte Einstellungen führten zusammen mit einer prekären sozialen Lage in bestimmten Bevölkerungsgruppen zu einer geringen Wahlbereitschaft, heißt es in der am Montag in Gütersloh vorgestellten Untersuchung anhand der Bundestagswahl des Jahres 2013.

Die geringste Wahlbeteiligung verorteten die Autoren mit 47,7 Prozent im Milieu der sogenannten Hedonisten, die sie als eine konsumfreudige Gruppe innerhalb der Unter- und der Mittelschicht beschrieben. „Soziale Probleme verbinden sich mit einer ausgeprägten Konsumneigung, Spaßorientierung und Distanz gegenüber Regeln der Gesellschaft zu einem typischen Nichtwählerklima“, erklärte Bertelsmann-Demokratie-Experte Robert Vehrkamp.

Auch im sogenannten prekären Milieu, das durch geringe Aufstiegschancen und Zukunftsängste charakterisiert wird, war die Wahlbeteiligung mit 58,9 Prozent gering. Auf der anderen Seite standen der soziologischen Studie zufolge die Milieus der „Liberal-Intellektuellen“ und der „Konservativ-Etablierten“ mit einer Wahlbeteiligung von jeweils 83 Prozent.

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Kein berauschender Anstieg, aber auch kein historisches Tief: Der Abwärtstrend bei der Wahlbeteiligung wurde ersten Berechnungen nach gestoppt. Die Teilnahme lag bei 43,09 Prozent - nur knapp höher als 2009.

Das Ziel der Studie war es nach Bertelsmann-Angaben, ein genaueres soziales Profil der Nichtwähler in Deutschland zu erstellen. Ausgangspunkt war die aus früheren Analysen bekannte Tatsache, dass die Wahlbeteiligung sinkt, je prekärer die soziale Lage eines Stadtviertels ist.

Um diese allgemeine Erkenntnis mit konkreteren Angaben zu Wertorientierungen und Lebensstilen einzelner Gruppen zu koppeln, griffen die Autoren auf die Daten der sogenannten Sinus-Milieu-Untersuchungen des gleichnamigen Heidelberger Sozialforschungsinstituts zurück. Diese will die soziokulturelle Struktur einer Gesellschaft abbilden, indem sie die gesamte Bevölkerung in zehn jeweils charakteristische Milieus unterteilt.

Als Ausgangspunkt nahmen die Bertelsmann-Experten die 640 repräsentativen Stimmbezirke der von Infratest dimap für die ARD erstellten Wahlumfrage zur Bundestagswahl 2013 und ermittelten für diese die Anteile der dort gemäß der Sinus-Milieu-Studie lebenden Gruppen. Dann berechneten sie daraus die milieuspezifische Wahlbeteiligung nach eigenen Angaben mit einem mathematischen Schätzverfahren.

Von

afp

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